Gemeinderat, 14. Sitzung vom 19.05.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 57 von 105
Noch einmal: Die Planung der Stadt, wie sie funktioniert, ist so. Wir haben ja auch das Ziel, bis 2040 gasfrei zu werden. Das ist das Ziel, das wir uns vornehmen. Ob das dann 2040 zu 100 Prozent erreicht oder knapp daneben ist, das können wir heute alle nicht sagen. Und darum geht es ja: wie wir unsere Ziele erreichen wollen.
Und bei diesem Masterplan Urbane Logistik, den wir heute hier beschließen, geht es darum. Frau Kollegin Pipal-Leixner hat es in ihrer Rede ja auch erwähnt. Während es früher nur der Briefträger war, der einmal am Tag kam, trifft jemand, der heute in Wien herumgeht und fährt, zehn verschiedene Foodlieferanten für die Gastronomie, ich weiß nicht wie viele Amazon- und Paketzusteller, dazu kommt der ganze Logistikverkehr für Bau und Industrie und so weiter. Heute macht der Wirtschaftsverkehr in Wien mittlerweile zirka 20 Prozent unseres gesamten städtischen Verkehrs aus. Und daher setzen wir - Frau Kollegin Arapović hat beim STEP immer von den drei "K" gesprochen, auf die sie sehr stolz ist - bei diesem Plan auf die drei "V", das ist Vermeiden, Verlagern und Verbessern. Das heißt, überall dort, wo er zu vermeiden ist, wollen wir den Verkehr vermeiden. Dort, wo er nicht mehr vermeidbar ist, wollen wir ihn verlagern, eben auf umweltschonende Transporte, und verbessern, indem wir die Technologie und Innovation einbauen, also künstliche Intelligenz, E-Mobilität und was es noch alles gibt.
Eine zentrale Aussage des Masterplans Urbane Logistik - von diesem kennen wir mehrere Punkte, die wir heute plakativ nennen können - ist die umweltfreundliche letzte Meile. Das ist das, worauf es ankommt, wie wir diese umweltfreundliche letzte Meile forcieren können - mit Lastenfahrrädern, dem Ermöglichen von Fahrzeugkonzepten, die mit E-Mobilität fahren, mit der Errichtung von Paketboxen. Da gibt es diesen sehr schönen Begriff des Hausschlapfenradius - mir gefällt er wahnsinnig -, denn die Stadt Wien verwendet ja immer diese Begriffe wie "Stadt der kurzen Wege", "Hausschlapfenradius", wo wir sozusagen für die endlosen nicht zugestellten Pakete White-Label-Smart-Lockers, betriebsunabhängige Paketboxen wie jene des Nextbox-Netzwerkes, mit den Wiener Stadtwerken realisieren wollen, wo die Menschen dann hingehen - wodurch unnötige Leerfahrten vermieden werden und eine Bündelung der Logistikwege ermöglicht wird - und sich ihre Pakete 24 Stunden am Tag abholen können. Die Prüfung von Zero-Emission-Zones haben wir schon erwähnt. Weiters zu nennen sind Bezirkslogistikkonzepte, die wir erarbeiten wollen - und dann am Ende der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die von Betrieben unabhängigen Ladezonen für die AnwohnerInnen. Die Wirtschaftskammer Wien hat da mitgearbeitet, und wir sind auch stolz, dass die Wien Energie da mit an Bord ist, die bis 2030 10 Milliarden EUR in die Mobilitätswende und in moderne Mobilität investiert. - Das ist nicht gar nichts.
Damit möchte ich Schluss machen, weil Herr Arsenovic eh schon da ist. Ich habe ihm versprochen, so lange zu reden, bis er von seinem Termin zurückkommt. (Heiterkeit.) Aber da er schon hier ist, will ich euch alle nicht länger quälen. - Alles Liebe! Danke. (Beifall bei der SPÖ.)
Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Wirnsberger. - Bitte, Sie haben das Wort.
GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte KollegInnen hier im Raum, geschätzte ZuschauerInnen auf der Galerie und zu Hause vor dem Livestream!
Wie meine Kollegin Heidi Sequenz schon ausgeführt hat, liegt im Masterplan Urbane Logistik tatsächlich ein Potenzial, dass wir den Verkehr und damit die Emissionen in unserer Stadt reduzieren können. Deswegen werden wir dem auch zustimmen. Ich möchte aber mit einem Antrag, den wir hier heute einbringen, unbedingt auch noch erwähnen, dass man dabei nicht außer Acht lassen darf, dass die Logistik nur einen kleinen Anteil bei den Emissionen ausmacht. Der Großteil der Emissionen kommt aus dem Autoverkehr, und dieser ist, wie wir heute schon gehört haben, erstmals seit Jahren in Wien nun wieder gestiegen. Und die Tendenz ist - mit den Projekten, die die Stadt plant, beispielsweise mit der Lobauautobahn noch mehr Verkehr in die Stadt hereinzuholen - weiterhin steigend.
Die rot-pinke Stadtregierung darf nicht weiter ignorieren, dass es sehr große Probleme mit den gesundheitsschädlichen Auswirkungen dieses Autoverkehrs gibt. Sie sehen das, glaube ich, im Livestream nicht, aber ich sage das leider gerade vor beinahe gähnend leeren Reihen der Koalitionspartner hier, von den zuständigen StadträtInnen ist niemand da, und ich finde das wirklich sehr traurig. Ich finde das deshalb traurig, weil erst kürzlich eine neue Studie erschienen ist, die zeigt, wie groß dieses Problem tatsächlich ist. Das war eine Untersuchung der polnischen Wissenschaftlerin Sylwia Klaudia Dytłow, die sie jetzt Anfang Mai auf der Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union präsentiert hat.
Und zwar hat sie an sieben Standorten in Wien Straßenstaub untersucht, und die Ergebnisse sind alarmierend. Die Belastung durch den Straßenstaub in Wien ist größer als in anderen Hauptstädten. Darin finden sich Mikroplastik aus Reifenabrieb, Partikel aus Brems- und Motorenverschleiß, Schwermetalle, weitere Feinstaubbestandteile, Partikel aus Verbrennungs- und Treibstoffrückständen. Man kann das alles im Detail nachlesen; ich werde Sie jetzt hier nicht damit langweilen, Ihnen ausführlich die wissenschaftlichen Bezeichnungen dafür aufzulisten. Darum geht es mir auch gar nicht, sondern mir geht es darum, was das für Auswirkungen hat.
Und die Auswirkungen sind verheerend. Der Verkehr belastet unsere Gesundheit eben nicht nur wie bekannt durch die Abgase, sondern, wie wir jetzt dank der polnischen Wissenschaftlerin wissen, auch durch das, was am Ende auf den Straßen liegen bleibt, später wieder aufgewirbelt wird und in den Atemwegen der Menschen in Wien landet. Durch Wind, durch Trockenheit, durch vorbeifahrende Autos gelangen diese Partikel in die Luft und damit in unsere Körper. Die gesundheitlichen Folgen sind ernst. Dieser Straßenstaub, der gefunden wurde,
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