Gemeinderat, 14. Sitzung vom 19.05.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 21 von 105
Wien setzt nicht nur auf den Spitzensport, sondern auch auf den Breitensport. Für die Unterstützung dieses Breitensports haben wir im April im Gemeinderat hier gemeinsam ein Paket von 1,5 Millionen EUR aus dem Sportförderungsbeitrag genehmigt. Dabei haben wir auch einen klaren Schwerpunkt gesetzt, nämlich ein Bekenntnis zum Mädchensport, zum Frauensport und zum Behindertensport und ein aktives Bekenntnis auch zum Kinderschutz. Das ist uns sehr, sehr wichtig, denn das ist kein Gießkannenprinzip, sondern gezielte Förderung mit einer korrekten Haltung.
Und mit dem Sportabzeichen neu, für das sich auch die Kollegin Rychly aktiv einsetzt, haben wir auch neue Kategorien und klare Richtlinien geschaffen. Wir arbeiten gemeinsam gerade an dieser Auszeichnung. Wer diese Auszeichnung trägt, soll sie auch wirklich verdienen: durch vorbildliches Verhalten, durch Haltung und ein echtes Engagement für den Sport. Was für mich auch wichtig wäre, ist, dass es eine Möglichkeit gibt, diese Ehrung wieder zu entziehen, wenn es zu einem groben Fehlverhalten kommt, etwa durch Gewalt oder Diskriminierung. (Beifall bei NEOS und SPÖ.), denn Wien steht für Weltoffenheit und für Fairness, und auch unsere Auszeichnungen sollen diese Werte widerspiegeln. Daran arbeiten wir gerade intensiv.
In diesem Sommer haben wir auch noch viele große Veranstaltungen vor. Einige wurden schon erwähnt, ich möchte nur ein paar exemplarisch herausstreichen. Vom 25. bis 30. Juni finden hier die Special Olympics statt, und wir haben noch den Frauenlauf, den Vienna Night Run, 3x3-Turniere und vieles mehr. Wien ist 2026 wieder einmal Sporthauptstadt, und das nicht nur auf dem Papier, sondern auf den Plätzen, in den Sportstätten und auf den Straßen unserer Stadt. Und einige dieser Stadtveranstaltungen finden auch bei uns im Rathaus statt. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Malle. - Sie sind am Wort.
GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe KollegInnen, liebe ZuseherInnen!
Wir reden heute über Sport, über Gewaltschutz, über Inklusion, über Vielfalt und über - wie Sie es nennen - Frauenpower. Frauenpower - Ich muss ja ehrlich sagen, ich finde diesen Begriff gänzlich unpassend, weil er nämlich signalisiert, Erfolg würde einfach davon abhängen, ob frau sich besonders anstrengt, besonders viel kämpft, um erfolgreich zu sein. Und damit, finde ich, machen Sie strukturelle Ungleichheit eigentlich unsichtbar und nehmen Sie auch ein bisschen die Verantwortung weg vom System. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Frauen haben Power, haben Kraft, das ist keine Frage. Wir Frauen leisten täglich wirklich großartige Dinge in allen Bereichen, in allen Berufsfeldern (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.), auch wenn das der FPÖ nicht gefällt. Das ist sowieso immer klar. (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.)
Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob wir Frauen Power haben, wie kräftig wir sind, wie stark wir sind (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.), sondern ob es eine Politik gibt, die uns stärkt und die die Macht gerecht verteilt. (Beifall bei den GRÜNEN.) Gerade im Sport sieht man nämlich, wie ungleich die in Wirklichkeit noch verteilt ist. Hier zeigt sich, wer sichtbar ist, wer Platz bekommt, wer aber auch ausgeschlossen wird.
Es ist aber auch längst überfällig, was wir heute auch thematisieren, den Gewaltschutz auch im Sport zu verankern. Gerade dort erleben junge Frauen, Mädchen, aber auch Kinder, also unabhängig vom Geschlecht, sehr viel Sexismus, Abwertung, Machtdemonstrationen und leider manchmal auch körperliche Gewalt, Gott sei Dank nicht so häufig in letzter Zeit. Aber man muss genau auf das schauen, was hier passiert, und deshalb sagen wir heute ganz klar: Keine öffentlichen Förderungen ohne verbindliche Schutzstandards, bitte schön! (Beifall bei den GRÜNEN.)
Und auch beim Thema Inklusion dürfen wir uns nichts vormachen. Sie sprechen heute in Ihrer Aktuellen Stunde über Vielfalt. Wir sind sehr viel im Austausch mit Behindertenverbänden und Menschen mit Behinderungen. Die sehen diese Vielfalt nicht so positiv, von der Sie hier sprechen, weil sich diese Vielfalt immer wie ein Versprechen für sie anfühlt, das bis heute nicht eingelöst wurde. Wie viele Sportstätten sind in Wien wirklich barrierefrei, und wie viele Menschen mit Behinderungen können selbstverständlich am Sportangebot teilenehmen? Wenn beispielsweise nicht einmal die Hälfte der Wiener Schulen barrierefrei ist, dann wissen wir doch alle, dass auch im Sportbereich die Lücke zwischen Anspruch und Realität wahrscheinlich sehr weit auseinanderklafft. Oder wenn Kinder mit Behinderungen bei den Summer City Camps nicht einmal in der letzten Ferienwoche betreut werden können, alle anderen Kinder aber schon, die dann natürlich dort auch Sport machen können, dann ist das, bei aller Liebe, keine Inklusion. Das ist in Wirklichkeit ein Ausschluss und keine barrierearme Stadt. Ich sage barrierearm, weil selbst die Behindertenverbände zum Teil schon sagen, sie reden nicht einmal mehr von Barrierefreiheit, sondern von barrierearm, weil sie natürlich auch ein bisschen auf dem Boden der Realität ankommen.
Abschließend möchte ich auch noch einmal Klartext über die Geschlechtergerechtigkeit im Sport reden. Wir reden sehr viel über Ungleichheit, sehr viel über Care-Arbeit, sehr viel über Einkommen - und es ist richtig gut, dass wir das tun -, über fehlende Frauen in Führungspositionen, auch heute Morgen schon wieder. Aber den Gender-Gap im Sport thematisieren wir leider wenig.
Der bedeutet nämlich oftmals schlechtere Trainingszeiten oder weniger Preisgelder, weniger Sichtbarkeit, weniger Infrastruktur, weniger Macht in den Verbänden, in den Vereinen als bei männlichen Kollegen. Sichtbarkeit ist jetzt kein Thema, das ich Ihnen allein anlaste, weil das eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die natürlich auch die Medien betrifft. Es ist Tatsache - es gibt wieder eine aktuelle Studie -, dass 15 Prozent der Sportberichterstattung in Printmedien auf Frauen entfallen. Das ist wirklich extrem wenig. Da haben wir alle eine Aufgabe.
Natürlich hängt das auch damit zusammen, wie die Stadt Wien Frauen im Sport fördert und ob sie auch
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