Gemeinderat, 14. Sitzung vom 19.05.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 13 von 105
erwähnt, auch ein wesentliches Instrument, das wir im Gleichstellungsprogramm verankert haben.
Das Gleichstellungsprogramm ist eigentlich unsere zentrale, strategische Vorgabe für alle Dienststellen, und im aktuellen Gleichstellungsprogramm hat sich die Stadt dazu verpflichtet, einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Prävention von Diskriminierung im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Elternschaft sowie die Erhöhung der Väterbeteiligung an Care-Arbeit zu setzen. Das ist etwas, was für alle Dienststellen verpflichtend ist, wo auch alle Dienststellen in der Situation sind, über die Schritte, die sie setzen, zu berichten und die dann auch nach Ende des aktuellen Gleichstellungsprogrammes evaluiert werden.
Natürlich sind das alles Maßnahmen, die von der Stelle der Gleichbehandlungsbeauftragten stark begleitet werden. Es gibt eine Kampagne als eine dieser Maßnahmen, "Väter haben ein Recht darauf", die das Aufbrechen von zentralen Rollenbildern in die Stadt, aber besonders auch in die Führungsfunktionen und -verantwortlichkeiten männlicher und weiblicher Natur in die Struktur bringen soll, weil die Kommunikation einer klaren Haltung von der Spitze sehr zentral ist dafür, dass sich eine Unternehmenskultur verändern kann. Das ist eben ein sehr zentraler Bestandteil dieser Kampagne: eine klare Haltung der Arbeitgeberin zur Beteiligung von Vätern - vom Magistratsdirektor beziehungsweise vom Bürgermeister abwärts durch alle Strukturen.
Teil ist natürlich auch das Hervorstreichen der Rechte von Eltern, hier jetzt von Vätern, die ohne Hürden in Anspruch genommen werden sollen und die Wichtigkeit und Vorteile der Väterbeteiligung herauszustreichen - die ist ja schön, gut und unglaublich bereichernd für alle Beteiligten, sowohl für die Eltern, die Väter inkludiert, als auch für die Kinder - und damit einen Bewusstseinswandel und einen Wandel der Unternehmenskultur der Dienststellen zu befördern. Es ist eine Informationsoffensive gestartet worden für die MitarbeiterInnen mit Reihen an Materialien, die über die Personalstellen und die Kontaktfrauen verteilt werden, Podcasts und vieles mehr.
Ich möchte dazusagen, ich stehe wirklich voll und ganz hinter dieser Arbeit, auch hinter dieser Kampagne und möchte mich an der Stelle bei den vielen Männern bedanken, die das sehr, sehr intensiv gemacht haben und auch als Role Model, glaube ich, schon einiges verändern konnten in ihren Dienststellen.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 4. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Mag. Malle, bitte.
GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Guten Morgen, Herr Stadtrat. Ich könnte die Zahl nachliefern bezüglich der Aufsichtsratsgeschichte bei den Wiener Stadtwerken. Ich habe mir jetzt noch einmal eine OTS von März von den Wiener Stadtwerken angeschaut: Da stand, dass ein bisschen über 30 Prozent im Aufsichtsrat mit Frauen besetzt ist. Das ist natürlich eigentlich ein besorgniserregender Rückschritt.
Was ich eigentlich auch ansprechen wollte bezüglich Rückschritt, ist die Lohn- und Einkommenssituation im Einflussbereich der Stadt Wien. Dazu hätte ich auch eine Frage. Es ist nämlich so, dass Frauen bei der Stadt Wien zirka 10,3 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Dieser Gender-Pay-Gap war vor 2020 noch rückläufig. Ab 2020 stagniert die Entwicklung, man könnte sagen, seit Rot-Pink 1, wenn man gemein wäre. Weil Sie angesprochen haben, Kolleginnen wie Frauenberger, Brauner, die waren da wirklich noch dahinter, sodass es vorher eine bessere Entwicklung gab - meines Erachtens.
Jedenfalls, seit letztem Jahr ist der Gender-Pay-Gap sogar eigentlich schlimmer geworden in dem Sinne, dass sowohl im Median als auch im Durchschnittseinkommen die Entwicklung rückläufig ist, also der Gender-Pay-Gap sich weiter vergrößert. Dazu meine Frage: Wie erklären Sie sich, dass es da scheinbar einen politischen Rückschritt gibt, aber andererseits auch, wo sehen Sie die Gründe dafür, dass diese Entwicklung in Wien leider überhaupt nicht in die gute Richtung geht? - Im Bundesländervergleich natürlich, aber insgesamt wollen wir doch einen Fortschritt erzielen.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Stadtrat, bitte.
Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Zuerst: Sie haben recht. Es gibt im letzten Einkommensbericht 2024 einen leichten Rückschritt - nach vielen Jahren der sehr deutlichen und im Bundesländervergleich auch überdeutlichen Verbesserung. Dieser Rückschritt ist zu 100 Prozent ein Anlass dafür, gemeinsam zu überlegen und Maßnahmen zu setzen, wie man dagegen vorgehen kann, weil das Ziel ja das absolute Schließen des Gender-Pay-Gaps ist.
Jetzt ist eine zentrale Maßnahme von mir schon erwähnt worden, ich möchte es an der Stelle nochmals machen, weil ich sie damals auch in den Landtag bringen durfte, mit sehr viel Arbeit hinterlegt, und noch immer der Überzeugung bin, das ist die singulär größte Maßnahme zur gleichen Bezahlung: Das ist die Besoldungsreform 2018, die das Rückgrat für mehr Gerechtigkeit bietet und, wie gesagt, gerade in frauendominierten Berufen gezielt finanzielle Aufwertung gebracht hat und auch durch fixe Grundgehälter und das Ende von intransparenten Zulagen relativ deutlich ein System geschaffen hat, das auch keine Spielräume liefert für, wenn man so will, unintendierte, aber doch reale Ungleichbehandlungen. Ich möchte das bewusst auch deshalb sagen, weil das verbunden mit einem zweiten sehr zentralen Rückgrat, glaube ich, das zentrale Instrument ist, um, wie Sie auch als Frage formuliert haben, weiterzukommen.
Das zweite Rückgrat ist die lückenlose Transparenz. Wenn wir jetzt über genau das sprechen können, was Sie zu Recht ansprechen, dann ist es ja das Ergebnis einer Transparenzoffensive, die die Stadt 2012 gestartet hat. Wir schauen genauer hin als andere, und wir berechnen die Unterrepräsentanz eben genau nicht pauschal, seit 2012 nicht, sondern methodisch punktgenau auf Dienststellenebene. Das ermöglicht natürlich eine enorme Treffsicherheit bei der Frauenförderung, und genau das müssen wir auch nutzen.
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