Gemeinderat, 13. Sitzung vom 27.04.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 27 von 89
als Nächste zu Wort gemeldet GRin Rychly. - Bitte, Frau Kollegin, Sie sind am Wort.
GRin Yvonne Rychly (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren, werte Gäste vor den Bildschirmen!
Ich beginne über das Projekt an der Erzherzog-Karl-Straße 108 zu sprechen. Es geht hier nicht einfach um Beton, Pläne oder Bauphasen. Wir sprechen über einen Ort, an dem jeden Tag Leben passiert. Über Kinder, die zum ersten Mal ein Fußballtraining besuchen, über Jugendliche, die zum ersten Mal in der Kletterhalle über sich hinauswachsen, über Ehrenamtliche, die ihre Zeit schenken, damit Gemeinschaft entstehen kann. Diskutieren Sie jetzt weiter (in Richtung der FPÖ und SPÖ) oder darf ich meine Rede halten? (GR Anton Mahdalik: Ich höre eh zu.)
Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): So. Die Frau Kollegin ist am Wort. Ich bitte, die Debatten in den Bänken auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. - Bitte, Frau Kollegin.
GRin Yvonne Rychly (fortsetzend): Danke schön. - Genau für diese Menschen bauen wir. Dieses Projekt ist ein Versprechen - ein Versprechen, dass wir den Sport in Wien nicht nur halten, sondern weiterentwickeln, dass wir ihm den Raum geben, den er verdient. Mit diesem Neubau schaffen wir nicht nur moderne Garderoben oder funktionale Räume, wir schaffen Möglichkeiten, wir schaffen Platz, echten, greifbaren Platz. 1 000 Quadratmeter für Mut, für Fortschritt, für Erfolgserlebnisse.
Stellen Sie sich vor, was das bedeutet: Mehr Kinder, die klettern; mehr Jugendliche, die ihre Leidenschaft entdecken; mehr Menschen, die Platz finden für Sport. Gleichzeitig geben wir dem Fußball mit dem FC Stadlau genau jene Infrastruktur, die er braucht: bessere Bedingungen, mehr Qualität, mehr Zukunft.
Aber wir denken noch weiter. Wir bauen nicht auf Kosten der nächsten Generation, wir bauen für sie - mit Geothermie statt fossiler Energie, mit Photovoltaik statt Stillstand, mit entsiegelten Flächen statt versiegelter Vergangenheit. Das ist Verantwortung. Das ist Weitsicht. Das ist Wien. Und das Wichtigste vielleicht: Wir lassen den Sport währenddessen nicht stehen. (Beifall bei SPÖ, NEOS und von GRin Ingrid Korosec.)
Wir sorgen dafür, dass der Betrieb weitergeht, dass der Alltag weiterläuft, dass die Vereine weiterleben können, weil wir wissen, wie viel daran hängt. Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn man nicht verwaltet, sondern mitgestaltet.
Es zeigt, dass Sportpolitik mehr ist als nur Förderung. Der Sport in unserer Stadt ist weit mehr als Zahlenwerk, Prozentsätze oder Budgetposten, es ist das Leben von Kindern am Fußballplatz, das Durchhaltevermögen junger Athletinnen und Athleten und das unermüdliche Engagement tausender Ehrenamtlicher, die Woche für Woche ihre Freizeit investieren für unsere Gemeinschaft. Genau dafür tragen wir heute und in Zukunft Verantwortung.
Mit der Erhöhung des Sportförderungsbeitrages auf 12,5 Prozent treffen wir keine abstrakte finanzpolitische Entscheidung. Wir entscheiden uns bewusst dafür, den Wiener Sport zu stärken. Wir entscheiden uns dafür, dass Vereine auch morgen noch Trainings anbieten können, dass Nachwuchsarbeit nicht an fehlenden Mitteln scheitert und dass Sport in Wien für alle zugänglich bleibt. Genau deshalb ist dieses Modell so kraftvoll.
Wer ein großes Sportereignis besucht, unterstützt damit direkt die Basis, das ist Solidarität, die man spürt - vom Stadion bis zum kleinen Verein ums Eck. Mit der heutigen ersten Tranche geben wir Sicherheit - Sicherheit für jene, die jeden Tag auf den Sportplätzen stehen, Sicherheit für jene, die Kinder trainieren, Turniere organisieren und Gemeinschaft schaffen. Und ja, es ist auch ein Zeichen des Respekts gegenüber all jenen, die diesen Sport erst ermöglichen.
Dass der Wiener Fußballverband einen größeren Anteil erhält, ist kein Privileg, es ist ein Ausdruck seiner Wertschätzung und der enormen Verantwortung für tausende Spielerinnen und Spieler dieser Stadt. Gleichzeitig stärken wir mit ASKÖ, ASVÖ und Union bewusst den Breitensport, also dort, wo Teilhabe beginnt.
Dieser Beschluss ist mehr als eine Auszahlung, er ist ein Bekenntnis, ein Bekenntnis für Chancen für alle, ein Bekenntnis für Fairness und ein Bekenntnis zu einer Stadt, in der Sport nicht vom Geldbörserl abhängt.
Lassen Sie uns heute nicht die Zahlen abstimmen, sondern über die Zukunft des Sports in Wien - über den Zusammenhalt, über Chancen, über das, was uns als Gesellschaft stärker macht. Wir sprechen über das Fundament einer funktionierenden Stadt, über Sport. Sport ist dort, wo Menschen einander begegnen, die sich sonst vielleicht nie treffen würden - am Fußballplatz, in der Turnhalle, auf der Laufbahn. Dort verschwinden Herkunft, Einkommen und alle Unterschiede. Dort zählt nicht, woher jemand kommt, sondern wohin man gemeinsam will. Sport schafft Gemeinschaft, er schafft Zusammenhalt und gerade in einer wachsenden Stadt wie Wien ist dies unbezahlbar. Aus sozialer Sicht ist Sport oft der erste Ort, an dem Integration wirklich gelingt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Kinder lernen Teamgeist, Respekt und Fairness, Vereine werden zu zweiten Familien. Ehrenamtliche leisten tagtäglich Arbeit, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. Sie halten unsere Gesellschaft zusammen - still, verlässlich und mit ganzem Herzen.
Aber Sport ist auch ein Wirtschaftsfaktor, er schafft Arbeitsplätze, direkt und indirekt, von Trainerinnen und Trainern über Platzwarte bis hin zur Gastronomie rund um alle Sportstätten. Große Sportveranstaltungen bringen Wertschöpfung in unsere Stadt, beleben den Tourismus und stärken den Standort Wien. Jeder Euro, den wir in den Sport investieren, kommt vielfach zurück, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Dann ist vielleicht noch der wichtigste Aspekt unsere Gesundheit. Sport ist die beste Prävention, die wir haben. Er hält Menschen fit, reduziert Krankheit, stärkt das Immunsystem und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem. Wer sich bewegt, lebt gesünder, bleibt länger aktiv und hat mehr Lebensqualität. Das betrifft Kinder genauso wie ältere oder behinderte Menschen.
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