Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 66 von 119
nicht damit gerechnet, dass wir das Poststück jetzt noch diskutieren, aber umso besser, denn dann ist es ein bisschen früher dran und bekommt vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit. Ich glaube a) es ist einhellig die Meinung hier in diesem Raum, dass die Männerberatung in Wien großartige Arbeit macht, b) mir zeigt, dass es hier ein einstimmiger Beschluss ist, dass dies hier auch allgemein wertgeschätzt ist.
Aber warum ich hier sprechen möchte, ist eigentlich ein ganz anderes Thema. Was wünschen wir uns in Wirklichkeit? - Wir wünschen uns in Wirklichkeit eigentlich, dass wir der Männerberatung keinen Cent mehr geben müssen, nämlich deswegen, weil sich unsere Gesellschaft ändern muss. Und unsere Gesellschaft kann sich vor allem beim Thema Femizide, beim Thema Gewalt an Frauen nur ändern, wenn Männer bei diesen Themen Verantwortung übernehmen, denn Frauen tragen keine Verantwortung bei Gewalt an Frauen und bei Femiziden. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Wir sehen auch immer in der medialen Begleitung bei Femiziden, die leider viel zu oft vorkommen - ich darf daran erinnern: Seit 2024 sind es 40 an der Zahl, die wir zu beklagen haben; es läuft einem kalt den Rücken herunter - verschiedenste Milieus, verschiedenste Gründe. Doch der Grund ist immer einer, nämlich die Gewalt eines Mannes gegenüber einer Frau.
Wie können wir das ändern? - Wir können das in erster Linie ändern, indem endlich ...
Und ich muss sagen, ich war gerade vorhin kurz auf Social Media, wie vielleicht viele von Ihnen, und habe mir ein Posting einer Puls-4-Moderatorin angeschaut, die sich darüber echauffiert, wie Männer bei dem Thema mit Kritik umgehen. Ich muss ihr zu 100 Prozent recht geben. Was mir auch aufgefallen ist: Dieses Posting wurde fast ausschließlich von anderen Frauen geteilt. Warum ist das so? Warum haben Männer - und das sage ich als Mann - solche Vorbehalte, bei dem Thema die Stimme zu erheben? Warum haben Männer am Stammtisch, wenn sie in irgendeiner Art und Weise damit konfrontiert sind, dass irgendwer einen Spruch macht oder eine Frau herabwürdigt, so ein Problem, zu sagen: Du, das ist nicht okay!? Oder: Warum haben Männer sogar, wenn sie sehen, dass psychische oder physische Gewalt gegenüber Frauen ausgeübt wird, so ein Problem damit, ihre Stimme zu erheben, sich erkennbar zu machen und einfach zu sagen: Das ist nicht okay!? - Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.
Aber ich glaube, wir müssen genau da ansetzen. Sonst wird sich nämlich das Problem nie ändern. Es wird sich das Problem nie ändern, wenn nicht Männer anfangen, anderen Männern zu erklären, dass es nicht cool ist, dass es einfach das Allerletzte ist, dass es ein Zeichen von Schwäche eines Mannes ist, in irgendeiner Weise - ich sage immer noch: physisch oder psychisch - Gewalt gegen Frauen auszuüben. Das ist einfach das Letze, es ist ein Armutszeichen. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Genau da brauchen wir ein Verständnis, und da braucht es Mut. Und ich appelliere nicht und will hier niemanden erziehen. Ich sage einfach: Liebe Männer - und jetzt sage ich es bewusst in Männersprache -, habt die Cojones, zu den Werten zu stehen, die eigentlich selbstverständlich sind, nämlich zu den Werten, die wir leider bei der Männerberatung vielen Männern beibringen müssen, näherbringen müssen! Genau dafür ist sie nämlich da, weil es leider in der Erziehung vieler Familien bei gewissen Männern - jungen oder älteren, in allen Altersgruppen - nicht angekommen ist, dass das selbstverständlich sein sollte. Dafür müssen wir kämpfen.
Da ich leider nicht mehr viel Zeit habe, ist das auch schon mein Schlusswort. Ich gehe davon aus, dass Sie alle wissen, wie gut die Männerberatung arbeitet. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Ich gehe davon aus, dass Sie alle wissen, dass wir nicht umsonst 2024 die Mittel verdoppelt haben.
Ich gehe davon aus, dass wir, wenn ich das Gefühl habe, dass wir mehr tun können, auch finanziell mehr tun würden. Da gibt es auch einen ständigen Austausch mit der Männerberatung. Ich glaube aber nach wie vor, die Männerberatung wird das Problem nicht lösen. Die setzen dort an, wo es Gott sei Dank schon Bereitschaft gibt, sich überhaupt beraten zu lassen. Das muss man dazu sagen.
Genau das muss das Ziel sein, dass Menschen erstens einmal hoffentlich das Bewusstsein haben, dorthin gehen zu können, um sich helfen zu lassen, und dass es zweitens erst gar nicht dazu kommt. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von StRin Mag. Judith Pühringer.)
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank auch für die Zeitdisziplin. Es ist 16 Uhr.
Wir kommen nun zum Verlangen, das von den GemeinderätInnen Zierfuß, Hungerländer, Keri, Mayer, Olischar und Taborsky an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales eingebracht wurde, eine Dringliche Anfrage betreffend "Einhaltung des vereinbarten Stabilitätspaktes". Das Verlangen wird vom Fragesteller mündlich begründet werden. Es ist auf die Verlesung verzichtet worden. Im Anschluss wird eine Debatte über den Gegenstand stattfinden.
Wir brauchen also keine Verlesung. Das heißt, ich darf für die Begründung der Dringlichen Anfrage zuerst um ein bisschen Ruhe im Saal bitten. Es ist sehr laut. Vielen Dank.
Ich darf nun für die Begründung Herrn GR Taborsky nach vorn bitten. Die Geschäftsordnung sieht gemäß § 37 Abs. 1 für die Begründung eine Redezeit von 20 Minuten vor. - Bitte, Herr Kollege. Ich erteile Ihnen das Wort.
GR Hannes Taborsky (ÖVP): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Heute ist ja Aschermittwoch. Ich glaube, das ist ein guter Tag, um über die Performance beim Budget der Wiener Stadtregierung zu sprechen. Denn das (eine Tafel auf das Rednerpult stellend, auf dem Balkendiagramme zu sehen sind) ist in etwa die Performance, die dieses Budget entsprechend hergibt, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular