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Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 56 von 119

 

einen klar strukturieren Rahmen, in dem Lesen, Schreiben und Rechnen solide vermittelt werden. Eine Verlängerung oder strukturelle Verwässerung würde die bestehenden Probleme nicht lösen, sondern Differenzierung verzögern und gerade Leistungsanreize abschwächen.

 

Ebenso falsch ist es, für den weiteren Bildungsweg bewährte Fächer wie Latein zu Gunsten kurzfristiger Trends in Frage zu stellen. Latein ist kein Luxus, sondern trainiert logisches Denken - auch für Mathematikgenies (Heiterkeit bei der FPÖ.) -, sprachliche Präzision und Ausdauer. Es erschließt die kulturellen und rechtlichen Wurzeln Europas und vermittelt Fähigkeiten, die auch in einer digitalen Welt unverzichtbar sind. Moderne Technologie zu behandeln, ist zwar sinnvoll, aber nicht auf Kosten von Substanz und Tiefe.

 

Besonders kritisch sehen wir Freiheitliche die Bestrebungen, Wien zu einer ideologisch motivierten Modellregion zu machen. Bildung darf kein gesellschaftspolitisches Experiment sein. Eltern brauchen Wahlfreiheit, Schülerinnen und Schüler klare Leistungsmaßstäbe und Schulen stabile Strukturen. Eine Vereinheitlichung unter politischen Leitbildern würde Vielfalt und Wettbewerb der besten Konzepte schwächen.

 

Während über Schlagworte wie KI rein, Latein raus diskutiert wird, bleiben die eigentlichen Herausforderungen ungelöst: fehlende Deutschkenntnisse, Integrationsprobleme und Leistungsunterschiede. Unsere Kinder verdienen Stabilität, Leistungsorientierung und kulturelle Verwurzelung, keine politischen Experimente im Bildungsbereich. Deshalb bringen wir Freiheitliche dazu folgende Beschlussanträge ein. Erstens: Der Wiener Gemeinderat spricht sich für die Beibehaltung der vierjährigen Volkschulzeit aus; in formeller Hinsicht wird die sofortige Abstimmung verlangt. Zweitens: Der Wiener Gemeinderat spricht sich für die Beibehaltung des Schulfaches Latein aus; auch da wird die sofortige Abstimmung verlangt. Drittens: Der Wiener Gemeinderat spricht sich gegen die Einführung einer Modellregion Wien aus; auch da wird formell die sofortige Abstimmung verlangt. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Danke für die Einbringung der Anträge.

 

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Bakos. - Bitte, Sie sind am Wort.

 

14.53.19

GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS)|: Werte Frau Vizebürgermeisterin, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und Zuseher!

 

Das Poststück lässt sich recht schnell zusammenfassen, nämlich dass wir einfach aus praktischen Gründen, aus Liquiditätsgründen und für die finanzielle Planbarkeit der Trägerorganisationen schlicht und ergreifend die Förderung gestreckt erhöht haben, eben vom 1. Juli auf den 1. Jänner, eben um die Trägerorganisationen zu unterstützen und die bessere Vorhersehbarkeit und bessere Planbarkeit zu gewährleisten.

 

Kollege Zierfuß, was du angesprochen hast - du hast dir eh die Antwort selber gegeben: Mit der Neuaufstellung des Fördersystems werden wir uns auch dem annehmen.

 

Aber ich habe mir gestern auch die Anträge der FPÖ angeschaut, und deshalb habe mich nochmals zu Wort gemeldet. Ich habe mir gedacht, schauen wir uns einmal an, was für Ideen die Freiheitlichen zur Bildungspolitik haben. Ich bin nicht enttäuscht worden, weil es tatsächlich so war wie erwartet. Es sind überhaupt keine Ideen dabei. Es ist nur eine Anti-Haltung gegenüber allem, die sie hier auch propagiert haben.

 

Ich weiß schon, dass Sie es nicht so unbedingt mit Evidenz und Wissenschaft haben, aber lassen Sie sich bitte eines sagen - und das sagt die Wissenschaft, das sagen ExpertInnen aus dem Bildungsbereich: Eine spätere Trennung von Schülerinnen und Schülern - und bitte schauen Sie da nach Skandinavien, nach Finnland, nach Estland (StR Dominik Nepp, MA: Das hat …) - bedeutet eine viel bessere Leistung und vor allem eine viel bessere Chancengerechtigkeit, als es jetzt in Österreich so der Fall ist, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.)

 

Denn was macht eine frühe Trennung? - Eine frühe Trennung mit zehn, wo man vielleicht das Muster der Schultasche aussucht oder die Farbe der Schultasche, reproduziert nichts anderes als soziale Herkunft statt tatsächliches Potenzial, tatsächliche Talente, die man hat und die auch zur Entfaltung gebracht werden müssen. Das heißt, Fakt ist, wer Kinder mit zehn sortiert, sage ich einmal sehr salopp und sehr zugespitzt, fördert nicht Leistung, sondern reproduziert schlicht Herkunft.

 

Die FPÖ inszeniert sich ganz oft als Leistungspartei. Echte Leistungspolitik aber bedeutet vor allen Dingen Talente zu heben, egal, woher ein Kind kommt, und kein Kind frühzeitig abzuschreiben, nur weil es vielleicht mit zehn noch nicht unbedingt weiß, welchen Beruf es einmal später ergreifen wird oder welchen Weg es später vielleicht einmal fix und fertig gehen möchte. (Beifall bei den NEOS.)

 

Das sagen nicht wir, das sagen Expertinnen und Experten, und das zeigen vor allem sehr fortschrittliche Länder, die das schon lange so handhaben.

 

Hinsichtlich Ihres Lateinantrages - da sieht man auch wieder, wie die FPÖ funktioniert, dass sie einfach irgendetwas behauptet, und in dem Fall sagt, wir würden Latein abschaffen. Wir wollen das natürlich nicht. Latein ist und bleibt ein wichtiger Baustein im Bildungssystem. Aber worum es uns geht, ist gar nicht so sehr die Frage nach Anti oder Pro, worum es uns geht, ist die Zukunftsfähigkeit der Schule. Es geht uns darum, Schülerinnen und Schüler auf die Welt von morgen und nicht auf die Welt von gestern vorzubereiten. Es geht um kritisches Denken, darum Deep Fakes zu erkennen, zu wissen, wie KI funktioniert, Social Media als Ganzes. Die Welt verändert sich rasant, und diese Veränderungen müssen auch im Klassenzimmer ihre Spiegelung finden, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.)

 

Diese Welt von morgen, ganz ehrlich, die lässt nicht auf sich warten. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass die FPÖ das so nicht möchte. Aber wie man auf Latein so schön sagt - und damit schließe ich auch gerne -, dum spiro spero, solange ich atme, hoffe ich. -Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS.)

 

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