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Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 43 von 119

 

auf diese Sache hingewiesen wird und entsprechend sensibilisiert wird. Das ist mitnichten der Fall.

 

Eine Stadt, die sich zu Recht als Kulturmetropole versteht, muss auch den Mut haben, diese Ambivalenzen ihrer großen Namen offen darzustellen, also sichtbar, verständlich und unübersehbar für das Publikum.

 

Das ist keine Cancel-Culture, denn wir sind gegen die Cancel-Culture. Wir wollen Loos nicht ausradieren, aber wir wollen Ehrlichkeit in dieser Debatte. Wer öffentlich ausstellt, muss auch öffentlich klar sagen, mit wem man es zu tun hat - und zwar so, dass es jeder Besucher und jede Besucherin versteht und nicht nur der Kunsthistoriker im Begleitband, nicht irgendwo in Fußnoten, im Kleingedruckten oder - wie ich es eben auch selber sehen konnte - auf einem Touchscreen, auf dem man dann auf diese Stelle kommt, wo das dann Erwähnung findet.

 

Deshalb bringe ich heute auch einen entsprechenden Antrag ein. Ich freue mich auch, dass die Frau Stadträtin zugesagt hat: Wir schauen uns das an. Das ist gut. Ich denke trotzdem, dass ein Antrag abseits des Hinschauens einen verbindlicheren Charakter hat.

 

Ich wäre daher auch im Sinne des Opferschutzes und im Gedenken an diese Person und an viele andere betroffene Menschen, die mit solchen Grauslichkeiten zu schaffen haben, nur sehr dankbar, wenn man diesen Antrag annehmen würde. Es würde garantiert kein Zacken von Ihrer Krone fallen. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Das machen wir nicht aus ideologischen Gründen, sondern einfach auch aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Kulturpolitik darf kein Rosinenpicken sein. Kulturpolitik darf nicht davon abhängen, ob jemand ins Weltbild passt oder nicht. Sie muss ehrlich, offen und transparent geführt werden. In dem Sinne bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster ist Herr GR Reindl zu Wort gemeldet. - Bitte.

 

13.23.41

GR Mag. Thomas Reindl (SPÖ)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin!

 

Ich freue mich sehr, dass wir mit dem heutigen Antrag, den wir hier zur Verhandlung haben, einen weiteren wichtigen Schritt machen, damit wir das Atelierhaus Wien umsetzen können. Wie Sie ja wissen, laufen die Bauarbeiten auf dem Otto-Wagner-Areal bereits. Es ist auch schon eine künstlerische Leitung eingesetzt worden, die die inhaltlichen Vorbereitungen macht, damit nächstes Jahr, im Herbst 2027, damit begonnen werden kann, dieses Atelierhaus in Betrieb zu nehmen.

 

Es ist sehr, sehr wichtig für uns und auch für die Kunst und Kultur, dass ein Raum geschaffen wird, wo man unter relativ günstigen Verhältnissen seine qualitätsvolle Arbeit als Künstlerin und Künstler umsetzen kann. Besonders toll finde ich auch das internationale Artist-in-Residence-Programm, das parallel dazu gerade ausgearbeitet wird und dann nächstes Jahr auch stattfinden soll.

 

Dieser Raum ist auch sehr wichtig, weil Raum halt gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten natürlich auch eine Frage der Finanzierung ist. Hier sind wir als Stadt Wien durchaus Vorreiter in der Kulturpolitik, indem wir in diesem großen Rahmen diesen Platz schaffen, um Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeiten zu schaffen.

 

Was meinen Vorredner und den Antrag betrifft, der eingebracht wurde und der nichts mit dem Geschäftsstück zu tun hat - okay, das ist halt so: Es wird uns hier Doppelmoral vorgeworden, beziehungsweise werden Dinge behauptet, die einfach nicht richtig sind.

 

Ich habe sehr gut zugehört, was die Frau Kulturstadträtin in der Fragestunde auf Ihre Anfrage bezüglich der Loos-Ausstellung und auch hinsichtlich der Kontextualisierung, die dort stattfindet, und hinsichtlich der Verfehlungen, die Herr Loos gemacht hat, die nicht schön sind und bei denen es auch nichts zu beschönigen oder zu verstecken gibt, geantwortet hat. Gott sei Dank leben wir in einer Zeit, in der die Archive offen sind und in der man über jede Person nachlesen kann, wer sie ist und was sie gemacht hat.

 

Was wir hier erleben, ist eine selbsterfüllende Prophezeiung der FPÖ, indem nämlich ein Fingerzeig auf jemanden gemacht wird und Dinge behauptet werden, die einfach nicht richtig sind. (GR Michael Stumpf, BA: Das stimmt nicht!) Die Frau Stadträtin hat schon zugesagt, dass man sich noch einmal mit dem Wien Museum zusammensetzen wird und sie noch einmal prüfen wird, ob mehr notwendig ist als das, was jetzt schon passiert, um auf die problematischen Bereiche des Herrn Loos von damals hinzuweisen. (GR Michael Stumpf, BA: Also habe ich recht gehabt! Es geht um Relativierung!)

 

Es geht nicht um richtig oder falsch. Es geht um den Kulturbegriff der FPÖ. Wenn Kollege Stumpf sich hier für die Freiheit der Kunst einsetzt und sagt, er ist für die Freiheit der Kunst und auch dafür, dass es keine Einmischung von außen in die Kunst und auch keine politische Einflussnahme gibt (GR Michael Stumpf, BA: Ja!), dann müssen wir uns das von der FPÖ nicht sagen lassen, weil Sie nicht nur einmal im Wahlkampf gegen namhafte Künstlerinnen und Künstler in Österreich polemisiert haben. (StR Dominik Nepp, MA: Wer? - GR Clemens Gudenus: Richtig so!) - Nicht "richtig so". Sie rücken Künstlerinnen und Künstler in ein schlechtes Licht, wenn es Ihrer politischen Gesinnung nicht passt. (StR Dominik Nepp, MA: Welche Künstler?) Das nehmen wir nicht zur Kenntnis. Sie sind da vollkommen unglaubwürdig.

 

Die Kunst, die Sie wollen, ist die, die in Ihren Kreisen verkehrt. Das ist aber nicht der Kunstbegriff, mit dem wir in der Stadt Wien zu tun haben, sondern wir haben einen viel, viel weiteren Kunstbegriff. Der passt sehr gut in das Weltbild der Stadt Wien und wird auch weiterhin gut hineinpassen. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - GR Michael Stumpf, BA: Was ist das für eine Schwurbelei? - GR Mag. Dietbert Kowarik: Geschichten aus dem Wienerwald!)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort.

 

13.29.00Wir kommen daher zur Abstimmung über die Postnummer 21. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich kann die Einstimmigkeit feststellen.

 

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