Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 16 von 119
Welt verändert. Und deshalb wollen wir den Kindergarten neu denken, nicht als bürokratisches Projekt, nicht als Marketing-Gag, wie das vielleicht von manchen politischen Kräften tituliert wird, auch nicht als Klein-Klein, wo wir an den kleinen Schrauben drehen, um das System irgendwie noch zusammenzuhalten, sondern gerade weil es notwendig ist, grundsätzlich und vor allen Dingen ganz, ganz groß, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS und von GRin Mag. Andrea Mautz.)
Und dabei stellen sich eben drei Fragen. Nämlich, was brauchen Kinder angesichts dieser neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, was brauchen auch Eltern und Erziehungsberechtigte, damit an einem Strang gezogen werden kann, was brauchen Pädagoginnen und Pädagogen, das Fachpersonal in den Kindergärten, die ganz oft intrinsisch eine große Motivation haben. Was brauchen diese Stakeholder? Wenn wir den Kindergarten stärken wollen, dann müssen wir stets auch einen großen Schritt voraus sein, daher ist es notwendig, den Kindergarten nicht nur an die heutigen Gegebenheiten anzupassen, sondern auch nachhaltig in die Zukunft zu führen.
Was wollen wir, wenn ich sage, wir wollen den Kindergarten neu denken? Erstens, mehr Zeit für jedes Kind, damit Pädagoginnen und Pädagogen für ihre Tätigkeit, für ihre pädagogischen Kernaufgaben tatsächlich freigespielt sind, damit auch dafür mehr Zeit da ist. Das ist klar, dafür braucht es den Ausbau von Unterstützungspersonal, von der Gesundheit bis zur Sprachförderung. Zweitens, wir wollen bessere Arbeitsbedingungen, mehr Vorbereitungszeit, zum Beispiel eine eigene Konzeptionswoche, echte Wertschätzung für den allerwichtigsten Beruf in dieser Stadt, weil es eben um die Weichenstellungen für unsere gesamte Zukunft geht. (Beifall bei den NEOS sowie von GR Mag. Marcus Gremel, MBA und GR Thomas Mader.) Vor allen Dingen natürlich, auch darüber haben wir in diesem Haus schon oft gesprochen, frühe Sprachförderung - ich bin ein solches Kind, ich habe erst im Kindergarten angefangen Deutsch zu lernen. Wir wollen, dass jedes Kind, das in die Schule kommt, selbstverständlich so gut Deutsch kann, dass es dem Unterricht folgen kann, damit dieser Übergang auch nahtlos funktioniert. Und deshalb bauen wir die Sprachförderung an den unterschiedlichsten Stellen aus, von den Sprachförderkräften bis zur Intensivierung der alltagsintegrierten Sprachförderung, wo wir an der Ausbildung der ElementarpädagogInnen ansetzen, die auch automatisch dann Sprachförderung betreiben und hier Sprachförderkräfte sind. Viertens, echte, intensivierte, wirklich gelebte Inklusion, nicht aus einem Gnadenakt heraus, sondern weil es das Recht eines jeden Kindes ist, ganz gleich welche Bedingungen es mitbringt, alle Chancen in dieser Stadt zu bekommen, und das soll eine Selbstverständlichkeit sein, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS sowie von GR Mag. Marcus Gremel, MBA und GRin Mag. Andrea Mautz.) All das steht im Mittelpunkt.
Wir wollen aber natürlich auch an der Verwaltung ansetzen, an einer modernen Verwaltung, wo die Reformen auch im Kindergarten ankommen: einheitliche Standards, sinnvolle Abläufe, weniger Bürokratie, damit Pädagoginnen und Pädagogen ihrem Job auch nachkommen und gut arbeiten können. Und natürlich ein Fördersystem neu, darüber haben wir auch schon gesprochen, eine Reform des Fördersystems, das dafür sorgt, dass wirklich jeder einzelne Euro dort ankommt, wo er auch ankommen soll, nämlich in den Kindergärten und bei den Kindern, sehr geehrte Damen und Herren. Jeglicher Fördermissbrauch - und das haben wir auch schon gesagt, als wir hier über die Stadtrechnungshofberichte debattiert haben - wird sofort geahndet. Wir haben schon damals gesagt - und wir sehen das jetzt diese Woche, wo wir uns von acht Trägern sozusagen verabschiedet und die Förderungen eingestellt haben -, dass es hier keine künftige Zusammenarbeit mehr geben wird. Warum? - Auch, weil wir gesagt haben, wir wollen nicht den guten Ruf der vielen professionellen Träger schaden oder das Vertrauen der Wienerinnen und Wiener missbrauchen. Und, sehr geehrte Damen und Herren, wir werden auf jeden Fall dafür sorgen, dass das nicht passiert. (Beifall bei den NEOS:)
Bei der Neuaufstellung des Fördersystems neu und auch gerade angesichts der acht Träger, deren Förderungen eingestellt wurden, ist immer stets dazuzusagen, was mir ganz besonders wichtig ist: Was im Mittelpunkt steht, ist das Wohl der Kinder. Ich verstehe absolut, und das ist mir wichtig hier zu betonen, wenn Eltern jetzt verunsichert sind, es geht hier nämlich um sehr viele Kinder, die natürlich auch einen Platz benötigen. Ich möchte unbedingt darauf hinweisen, dass es die Info-Hotline der MA 10 gibt, die für alle weiteren Eventualitäten gewappnet ist und natürlich auch Unterstützung zur Verfügung stellt. Denn, wie gesagt, das Allerwichtigste ist immer das Wohl der Kinder und dass in diesem Sinne eben auch Unterstützung bereitgestellt wird.
Ich möchte jetzt ein bisschen vorausgreifen, weil ich mir schon vorstellen kann, was vielleicht in der Debatte noch kommen wird, nämlich: Ja, jetzt kommen die NEOS drauf, jetzt wollen sie was verändern, was habt's ihr eigentlich die letzten fünf Jahre gemacht? (GR Armin Blind: Berechtigt!) - Ja, ist eine berechtigte Frage und ich werde auch gleich zur Antwort kommen, die nämlich sehr einfach zu beantworten ist: Wir setzen einfach nur nahtlos hier an, weil unser Engagement für den Kindergarten nicht neu ist und das Fördersystem neu, so, wie wir es hier auch aufstellen wollen, einfach nur eine Konsequenz dessen ist, was wir auch in den letzten Jahren gemacht haben. Ein kleiner Auszug davon: die Finanzierung für über 1 000 neue Kindergartenplätze, mehr als die Hälfte für unter Dreijährige. Wir haben - weil ich auch über die Freispielung der Pädagoginnen und Pädagogen für ihre Kerntätigkeiten gesprochen habe - die AssistentInnenstunden verdoppelt. Wir haben die Reinigungstätigkeiten in den städtischen Kindergärten ausgelagert, damit eben mehr Zeit für die Kinder da ist. Wir haben den Ausbau der Sprachförderung vorangetrieben, einerseits in der Ausbildung, andererseits auch trotz des Fachkräftemangels so gut es geht auch bei den Sprachförderkräften. Fast 100 Lesepatinnen und Lesepaten unterstützen ehrenamtlich bei der Sprachförderung. Ein neues Inklu
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular