Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 11 von 119
Bürgermeister gerichtet. In dieser Anfrage geht es um Ampelschaltungen und Verkehrsführungen im Sinne einer Age-friendly City. (Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Wien ist seit rund zwei Jahren Teil des Netzwerkes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für "Age-Friendly Cities and Communities"; Sie selbst haben seinerzeit die Aufnahme beantragt. Gerade für ältere Menschen ist ein sicherer und barrierefreier Straßenverkehr eine zentrale Voraussetzung für Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Immer wieder berichten Seniorinnen und Senioren, dass sie bei Schutzwegen auf Grund viel zu kurzer Ampelschaltungen nicht ausreichend Zeit haben, die Straße rechtzeitig zu überqueren. Wer langsamer geht oder auf Gehhilfen angewiesen ist, gerät dadurch unter Zeitdruck und so in gefährliche Situationen. Das beeinträchtigt nicht nur das subjektive Sicherheitsgefühl älterer Menschen im öffentlichen Raum, sondern auch die tatsächliche Sicherheit von Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr. Herr Bürgermeister, welche konkreten Maßnahmen setzt die Stadt Wien, um sicherzustellen, dass Ampelschaltungen und Verkehrsführungen - nicht zuletzt im Sinne einer "Age-Friendly City" - den Bedürfnissen von Seniorinnen und Senioren entsprechen und ihnen eine sichere und angstfreie Teilnahme am Straßenverkehr - insbesondere beim Überqueren von Straßen - ermöglicht wird?)
Guten Morgen, Herr Bürgermeister, bitte um Beantwortung.
Bgm Dr. Michael Ludwig: Schönen guten Morgen, Herr Vorsitzender! Werte Mitglieder des Gemeinderates, sehr geehrte Frau GRin Korosec!
Das von Ihnen angesprochene Global Network for Age-friendly Cities and Communities wurde 2010 von der WHO ins Leben gerufen, um Städte und Gemeinden dabei zu unterstützen, sich auf die Bedürfnisse und Herausforderungen einer alternden Bevölkerung vorzubereiten. Weiters sollen Lösungen entwickelt werden, die das Wohlbefinden und die Lebensqualität älterer Menschen fördern und unterstützen. Dabei stehen acht Themenbereiche im Fokus, die von der WHO als die wesentlichen Bereiche für altersfreundliche Strukturen definiert wurden. Das sind: Wohnen, Verkehr und Mobilität, öffentlicher Raum, soziale Teilhabe, Vielfalt und Respekt, Engagement und Beschäftigung, Versorgung und Sicherheit, Kommunikation und Information. Das Netzwerk umfasst inzwischen über 1 600 Städte und Gemeinden in 52 Ländern.
Die Stadt Wien ist am 26. Juli 2023 als Mitglied im Netzwerk aufgenommen worden und hat bereits zwei bewährte Praktiken im Netzwerk geteilt, die Funktion und Rolle der Seniorinnen- und Seniorenbeauftragten der Stadt Wien sowie die jährliche Durchführung des Monats der Seniorinnen und Senioren. Im Programm "Age-friendly Cities" der WHO spielt der Bereich Verkehr und Mobilität eine wichtige Rolle. Ziel ist es, ältere Menschen dabei zu unterstützen, sicher, selbstständig und aktiv mobil zu bleiben. Mobilität ist auch im Hinblick auf soziale Teilhabe wichtig. Mobilität reduziert Einsamkeit und Isolation und trägt somit wesentlich zu mehr Lebensqualität im Alter bei. Die Zielsetzungen Sicherheit, Barrierefreiheit und selbstständige Mobilität im öffentlichen Raum sind seit vielen Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Wiener Verkehrs- und Infrastrukturpolitik. Ein sicherer Straßenverkehr für ältere Menschen ist ein planerischer Grundsatz bei allen Schutzwegen, Querungsstellen und Ampelschaltungen. Diese erfolgen auf Basis klarer technischer Standards, normierter Berechnungsmodelle sowie laufender Evaluierungen.
Die Grünzeiten für Fußgänger werden auf Grundlage von Normen und darin klar definierten Gehgeschwindigkeiten berechnet. Dabei werden insbesondere Planungswerte von mobilitätseingeschränkten Personen berücksichtigt. Die gültige Richtlinie für den Fußgängerverkehr gibt eine Gehgeschwindigkeit von 1,0 bis 1,2 Meter pro Sekunde an. In Wien wird für die Bemessung der Grünzeit der Wert von 1,0 Meter pro Sekunde am unteren Rand der Norm herangezogen. Dadurch wird mobilitätseingeschränkten Personen eine sichere und stressfreie Querung von signalgeregelten Schutzwegen ermöglicht. Die Mindestgrünzeit stellt einen technisch rechtlichen Untergrenzwert dar. In der Praxis werden an zahlreichen Standorten darüber hinausgehende längere Zeiten geschaltet. Damit wird nicht nur ein statischer Sicherheitswert abgebildet, sondern eine situative Anpassung an das reale Querungsverhalten beispielsweise bei hoher Fußgängerfrequenz oder komplexen Knotenpunkten ermöglicht.
Zusätzlich zur Grünphase wird auch noch eine Räumphase bei Schutzwegen berücksichtigt. Diese soll sicherstellen, dass Personen, die während der Grünphase mit der Querung beginnen, die Fahrbahn auch bei Umschalten des Signals auf Rot sicher verlassen können. Während der Räumzeit bekommt der querende Verkehr kein Grünsignal. Zur Visualisierung der Räumzeit für die Verkehrsteilnehmer werden seit einigen Jahren Schutzwege mit gelb blinkenden Räumzeitanzeigen ausgestattet. Die Stadt Wien geht auch hier bewusst weg von der laut Richtlinie maximal möglichen Gehgeschwindigkeit hin zu einer niedrigeren Gehgeschwindigkeit, um auch jenen Personen, die nicht so gut zu Fuß sind, einen entsprechenden Querungskomfort bieten zu können. Damit ist gewährleistet, dass auch Seniorinnen und Senioren rechtzeitig den Schutzweg verlassen können. Die Grün- und Räumzeit aller Verkehrsströme werden bei Neubauten, Modernisierungen, Adaptierungen sowie Änderungswünschen evaluiert und gegebenenfalls angepasst. Selbstverständlich werden diesbezügliche Hinweise aus der Bevölkerung ernst genommen und systematisch geprüft. Bezirke, Interessenvertretungen sowie Bürger können konkrete Standorte melden, die sodann einer Überprüfung unterzogen werden.
Allein in den letzten Jahren wurden an über 100 Kreuzungen die Grünzeiten für Fußgänger erhöht. Neben der reinen Signalzeit spielen aber auch bauliche Maßnahmen eine wesentliche Rolle für die Sicherheit älterer Menschen. Dabei werden etwa Mittelinseln zur Querung in zwei Etappen, Gehsteigvorziehungen zur Verkürzung der Querungsdistanz, verkehrsberuhigende Maßnahmen sowie eine verbesserte Beleuchtung im Bereich von Schutzwegen umgesetzt. Im Bereich der
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