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Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 7 von 119

 

Adolf-Loos-Ausstellung im Wien Museum. (Im Wien Museum wird ein Interieur von Adolf Loos als "Highlight" präsentiert. Nach aktuellen Berichten wird dabei der dokumentierte Missbrauchskontext zu Loos nur unzureichend bzw. zu zurückhaltend thematisiert, während andere Häuser (z.B. MAK) Loos explizit als Missbrauchstäter kennzeichnen. Werden Sie veranlassen, dass das Wien Museum die Präsentation zu Adolf Loos umgehend mit klaren, gut sichtbaren Hinweisen auf den Missbrauchskontext und die historische Strafsache versieht?)

 

Guten Morgen Frau Stadträtin, bitte um Beantwortung.

 

Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Guten Morgen, Herr Vorsitzender! Guten Morgen, Herr Bürgermeister! Sehr verehrte Kollegen und Kolleginnen, lieber Gemeinderat und sehr verehrte Leute da oben in den Besucherrängen und via Stream!

 

Die Frage möchte ich noch einmal wiederholen, weil sie wichtig ist, um zu verstehen, wovon wir hier eigentlich jetzt sprechen. Sie lautet: "Im Wien Museum wird ein Interieur von Adolf Loos als 'Highlight' präsentiert. Nach aktuellen Berichten wird dabei der dokumentierte Missbrauchskontext zu Loos nur unzureichend beziehungsweise zu zurückhaltend thematisiert, während andere Häuser (z.B. MAK) Loos explizit als Missbrauchstäter kennzeichnen. Werden Sie veranlassen, dass das Wien Museum die Präsentation zu Adolf Loos umgehend mit klaren, gut sichtbaren Hinweisen auf den Missbrauchskontext und die historische Strafsache versieht?"

 

Herr GR Stumpf, ich kann Ihnen die Frage schon positiv beantworten. Es ist längst passiert - und zwar ohne dass wir jetzt hier etwas neu gemacht hätten. Wenn Sie die Ausstellung sehen, und ich habe mir alle verfügbaren Seiten von diesen Screens, die es da gibt, ausdrucken lassen, können Sie folgenden Text lesen. Da gibt es eine eigene Abteilung zum Thema Sexualstraftäter, dieser Aspekt seines Lebens wird also explizit nicht unter den Tisch gekehrt, sondern sogar gehighlightet. Da steht unter der Rubrik Sexualstraftäter klar geschrieben: Jahrzehntelang wurde der höchst problematische Umgang von Adolf Loos mit jungen Mädchen geduldet. Erst 1928 kam es zu rechtlichen Konsequenzen. Er wurde wegen Verführung und Unzucht verurteilt, weil er acht- bis zehnjährige Mädchen eingeladen und nackt gezeichnet hatte. Ins Gefängnis musste er trotzdem nicht, obwohl bei einer Wohnungsdurchsuchung auch rund 300 Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder gefunden wurden. Dass Loos ein verurteilter Sexualstraftäter war, wurde lange ausgeblendet. Erst die Publikation des lange verschollenen Prozessaktes im Jahr 2015 führte zu einer Auseinandersetzung mit dieser so dunklen Seite der Loos-Biografie.

 

Also das findet man, glaube ich, sehr explizit vor, und wenn man diese Reiter weiterwischt und hineinschaut, findet man auch andere Dokumente, wie zum Beispiel die Ladung des Angeklagten oder unterschiedliche Zeichnungen aus der Zeit. Es wird auch darauf verwiesen, dass er nicht alleine war, muss man sagen, denn es gibt Peter Altenberg und viele Leute, die wir sozusagen wegen ihres literarischen Kontextes ja verehrt haben - oder ich bin so aufgewachsen. Das wurde erst in der späteren Zeit problematisiert und auch adäquat dargestellt. Also, ich glaube, da hat das Wien Museum Gott sei Dank seine Aufgabe hervorragend erfüllt.

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. GR Stumpf bitte.

 

9.18.56

GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Danke, Frau Stadträtin. In meiner Anfrage habe ich auch nie in Frage gestellt, dass es eine Kontextualisierung gibt. Die gibt es, aber sie ist zu unzureichend. Ich war auch in dieser Ausstellung. Dieser Meinung bin nicht nur ich, sondern auch ein Redakteur des "Kurier". Es gab einen sehr umfangreichen Artikel über die nicht ausreichende Kontextualisierung. Wenn man über einen Reiter wischen muss, um mehr über die Person Adolf Loos zu erfahren und gleichzeitig das Wien Museum auf der eigenen Homepage schreibt, dass es als Highlight gilt, dass man sich das innenraumgestalterische Wirken des Adolf Loos mit dem ausgestellten Raum, wo Missbräuche auch stattgefunden haben - aber das wird auf der Homepage nicht erwähnt, ja -, anschauen kann, dann fehlt mir hier die nötige Sensibilität, gerade in Zeiten, in denen Kindesmissbrauch und Missbrauch Minderjähriger ein riesengroßes Thema ist und besondere Sensibilität gefragt ist. Es ist nicht ausreichend kontextualisiert, wenn man auf die Suche nach so einer wichtigen Zusatzinformation gehen muss, wo tausende Schüler im Jahr durch dieses Museum durchgehen. Da habe ich das Gefühl, das wird nicht in diesen Kontext und in diese Szene gesetzt wie es dies zum Beispiel das MAK tut.

 

Meine Frage war: Sehen Sie da auch Handlungsbedarf und können Sie sicherstellen, dass das ausreichend kontextualisiert ist? Ich würde Sie bitten, dazu Stellung zu beziehen.

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin.

 

Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Herr GR Stumpf, ich will mir das sicher auch noch einmal persönlich anschauen und es vor Ort begehen. Meines Wissens - und meine letzte Begehung war vor zwei Monaten oder so - fand ich gerade diesen Aspekt hervorragend und auch sehr sichtbar gelöst, denn es ist nicht so, dass man erst weit klicken muss, um das am Ende zu finden. Es kommt als Thema sofort vor: der Sexualstraftäter Loos. Wir werden uns das nochmals anschauen. Die Texte sind eindeutig und - ich habe sie vorgelesen - sie sind ganz klar. Wir werden uns noch anschauen, inwieweit das anders möglich ist. Ich wüsste aber nicht, was mir jetzt inhaltlich hier fehlen würde. Inhaltlich ist alles gesagt, ich wüsste nicht, was man noch mehr dazu sagen müsste. Wir schauen uns das auf jeden Fall an. Aber das Wien Museum hat aus meiner Sicht wirklich da auch seine Aufgabe erfüllt. Gerade bei Schulklassen, muss ich sagen, weiß ich ja auch, dass die dann sofort auch weiterscrollen. Auch in der Vermittlung wird großes Augenmerk gelegt - gerade mit Schulen -, diesen Aspekt von Adolf Loos sozusagen mit zu erzählen. Dieser wird nicht unter den Teppich gekehrt und gerade die Schulführungen sind, das wissen wir auch von Matti Bunzl,

 

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