«  1  »

 

Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 97 von 103

 

froh, dass es Leute gibt, die im Jugendzentrum arbeiten, für die Kinder da sind, ihnen zuhören, ihnen gut zusprechen, das ist viel wert. Das haben manche Kinder leider nicht, das ist die Realität. Ich muss nur eine Sache von vorhin korrigieren, Erziehung ist jetzt nicht unbedingt die Aufgabe der Schule, sondern auch noch immer der Eltern.

 

Aber jetzt zu den Jugendbanden: Also einen Zusammenhang herstellen, überall, wo ein Jugendzentrum ist, da brennt was, das nehme ich anders wahr. Überall, wo ein Jugendzentrum ist, da wirkt die Jugendarbeit deeskalierend, da passiert nämlich weniger, denn JugendarbeiterInnen beruhigen die Orte. Es schaut nämlich so aus im Tagesablauf, die machen vorher eine Runde rund um das Jugendzentrum, schauen, wo sind Jugendliche, was machen die, was tut sich, was ist an dem Tag vorgefallen. Wir arbeiten schon dort mit den Kids zu Themen, die aktuell brennen - momentan ist die Welt ja nicht gerade ein schöner, sicherer Ort, wenn man so die Zeitungen liest -, und laden sie aktiv ins Jugendzentrum ein, um dort zu plaudern, um dort Zeit zu verbringen, um eventuell auch etwas zu kochen, gemeinsam zu tun. Da gehört auch die Playstation dazu, denn meistens ist die Playstation irgendwo im Eck, beim Fernseher, und meistens ist das die Zone, wo man dann zu zweit sitzt und wo man einen Pädagogen vielleicht schnappen kann oder einen Freund und sich dann zu zweit unterhalten kann. Das Jugendzentrum hat meistens vier bis sechs, maximal acht BetreuerInnen und da kommen aber 150 Kinder, da geht sich diese Eins-zu-eins-Betreuung nicht aus, und da suchen sich die Kids natürlich ihre Methoden, wie komme ich zu dem Betreuer, mit dem ich plaudern will. Denn man kommt nicht zu jedem Betreuer mit jedem Thema, die Kids haben da ein feines Gespür und suchen sich gezielt aus, mit manchen Themen gehen sie lieber zu Kolleginnen, mit manchen zu Kollegen, manchmal finde ich den Adam ansprechender, manchmal die Fatima, manchmal die Astrid. Das ist so wie bei uns, manche Menschen sind uns sympathisch, manche nicht, manchen erzählt man mehr und manchen erzählt man weniger. - Huh, ich hoffe, Sie nehmen die Einladung ins Jugendzentrum an, denn das werde ich sonst jedes Jahr bringen.

 

Ich möchte natürlich mit einer Geschichte weitermachen, nachdem ich jetzt die Sachen aufgegriffen habe, wobei, eine Sache habe ich vergessen. Dass man JugendarbeiterInnen sagt, ihr sollt euch umschulen, unfreiwillig, und in den Kindergarten arbeiten gehen, finde ich eigentlich respektlos, weil es die Jugendarbeit an sich nicht ausreichend wertschätzt, wie wir sie wertschätzen sollten. (GR Mag. Bernd Saurer: Freiwillig!) - Freiwillig gibt es das Angebot schon, denn unser phänomenaler waff bietet Umschulungen an, aber so, wie es im Antrag steht, wäre es so, als würde ich herkommen und sagen (in Richtung Sitzreihen der FPÖ schauend): Hey, die Reihe, ihr seid eh immer dagegen, macht's eine Umschulung! So habe ich es im Antrag gelesen, das fand ich sehr respektlos, vielleicht kommt da noch eine Entschuldigung später oder so, das überlasse ich Ihnen. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Nun aber zur Geschichte: Ich erinnere mich gut an einen Burschen, 14 Jahre alt, ständig in Konflikte verwickelt, für rechte Parteien wahrscheinlich der Prototyp eines Problemjugendlichen. In Wahrheit war er ein Jugendlicher, der zu Hause keinen Platz hatte, in der Schule längst abgeschrieben war und zum ersten Mal im Jugendzentrum erlebt hat, dass man ihm zuhört und ihn nicht gleich verurteilt. Der junge Mann - und es gab etliche so ähnliche Geschichten, ich habe es absichtlich anonymisiert - steht heute voll im Leben, hat seine Lehre gemacht, wurde auch nicht straffällig, zur Info, und er ist nicht wegen eines erhobenen Zeigefingers auf die richtige Bahn gekommen, sondern weil jemand da war und ihm zugehört hat, gut zugesprochen hat und für ihn da war. Aber ich verstehe es, das passt halt für rechte Parteien überhaupt nicht ins Weltbild, weil ihr Lieblingsnarrativ lautet: hart durchgreifen, einsperren, abschieben, abwerten. Differenzierung - Fehlanzeige, Pädagogik - verdächtig, Beziehung statt Repression - na offenbar ist das schon längst radikal.

 

Rechte Politik liebt einfache Feindbilder, Jugendzentren stören da natürlich gewaltig, weil sie zeigen, dass diese sozialen Realitäten sehr komplex sind und dass sich Probleme nicht einfach mit irgendwelchen Parolen wegradieren lassen. Dass Jugendliche keine Sicherheitsbedrohung sind, sondern junge Menschen mit Fragen, Wut, Talent und Hoffnung, wer das anerkennt, kann nicht gleichzeitig eine Gruppe pauschal so verachten, wie es manche Parteien hier tun. Aber genau deswegen greifen Sie auch die Jugendarbeit an, weil die aufzeigt, dass es nicht den Jugendlichen und den Problemjugendlichen gibt, sondern dass es da eine Vielfalt an Kindern und Jugendlichen gibt, denen wir zusprechen müssen, zuarbeiten, damit sie überhaupt die Möglichkeit bekommen, ein Teil unserer Gesellschaft zu werden und ihren Beitrag zu leisten.

 

Ich erinnere mich an Abende in Jugendzentren, an denen wir Konflikte geschlichtet haben, damit sie nicht auf der Straße eskalieren, an Gespräche, die mehr bewirkt haben als jede spätere Strafanzeige. Und dann höre ich manchmal von rechter Seite: Sozialarbeit ist ja was Naives! - Ich finde, naiv ist es, zu glauben, man könnte gesellschaftliche Spannungen ignorieren bis sie explodieren, und sich dann mit Ordnungshütern hinstellen und sagen, lösen wir das auf. Rechte Parteien reden ständig von Sicherheit, aber sie bekämpfen genau jene Arbeit, die Sicherheit tatsächlich schafft, schimpfen anscheinend über Jugendzentren, wie wir ein bisschen heute mitbekommen haben, und fordern gleichzeitig mehr Polizei, mehr Strafen, mehr Gefängnisse. Das ist keine Politik aus meiner Sicht, sondern das ist nur ein Reparaturbetrieb, was Sie da haben wollen - teuer, ineffektiv und menschlich kalt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Wir fahren das Kontrastprogramm, offene Kinder- und Jugendarbeit gibt Jugendlichen eine Stimme, bildet ihr Selbstvertrauen, baut eine Perspektive für sie auf, zeigt es ihnen auf - vielleicht ist das auch das Problem, wenn man kritikfähige Jugendliche hat, die einem sagen, hey, die Plakate, die ihr habt, sind oasch, denn die beleidigen mich persönlich. Wir stehen da für einen anderen

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular