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Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 96 von 103

 

sauer verdiente Steuergeld der Wiener in Ihre Ideologievereine gesteckt.

 

Ich möchte ein kurzes Beispiel aus der gelebten Praxis anführen, nämlich aus dem Wiener Alsergrund, für unsere Alsergrunder Mandatare, dort befindet sich nämlich so ein Jugendtreff. Der Alsergrund ist jetzt an und für sich nicht der Kriminalitätshotspot, nichtsdestotrotz ist selbst dort signifikant, wie es manchmal zugehen kann. Öffnungszeiten sind wie bei fast allen Jugendzentren bis 18 oder bis 20 Uhr. Und dort haben wir in den vergangenen Monaten nach der Schließung dutzende Polizeieinsätze gehabt, nämlich brennende Mülltonnen, verunreinigte Parkanlagen im Umkreis und natürlich auch Bandenbildung. Nachdem dort das Jugendzentrum Alsergrund in der Marktgasse ist, das werden Sie wohl kennen, frage ich Sie jetzt, was wird am Nachmittag ein paar Stunden vorher mit den zukünftigen Nobelpreisträgern gemacht, dass kurz nach Schließen des Jugendzentrums die Umgebung terrorisiert wird? - Der Sitzkreis mit Transgenderfragen wirkt scheinbar nicht lange nach. (Beifall bei der FPÖ. - GR Mag. Marcus Gremel, MBA: Was hat das Jugendzentrum damit zu tun?!) - Das kann natürlich auch Zufall sein, ich gehe davon aus, dass es Zufall ist. (GR Mag. Marcus Gremel, MBA: Haben Sie Beweise?)

 

Eine weitere unglaubliche Geldverschwendung, die ich noch kurz anführen möchte, ist unter der Rubrik zusätzlicher pädagogischer Aufwand in der Höhe von 1,4 Millionen zu finden. Also die 21 Millionen haben noch nicht gereicht, jetzt brauchen wir noch 1,4 Millionen für pädagogischen Aufwand. Wer sich darunter Mathematik- oder Deutschprofessoren vorstellt, der irrt gewaltig. Darunter versteht man unter anderem Spielmaterial, wie zum Beispiel auch die Playstation. Ob das unter pädagogischen Gesichtspunkten für die Karriere als Arzt oder Techniker erforderlich ist, sei dahingestellt, aber um 1,4 Millionen bekomme ich fast 3 000 Playstations in einem Jahr. Und jetzt frage ich Sie, was bitte machen Sie mit 3 000 Playstations? (Allgemeine Heiterkeit.)

 

Meine Damen und Herren, wir haben in einer einzigen Sitzung in einem Federstrich 40, 50 Millionen für Vereine lockergemacht, die mit Jugendlichen, aber auch Haftentlassenen im Park spazieren gehen, eine Summe, mit der ganze Schulstandorte finanziert werden können. Währenddessen fehlen in Wien Elementarpädagogen, weshalb wir folgenden Antrag einbringen: Der Wiener Gemeinderat möge beschließen, die Wiener Jugendzentren personell zu reduzieren und die dadurch freigesetzten pädagogischen Fachkräfte sowie sonstige Mitarbeiter nach entsprechender pädagogischer Fachspezifizierung zielgerichtet in den elementarpädagogischen Einrichtungen der Stadt Wien umzuschichten, um den dort bestehenden Personalbedarf abzudecken. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Poljak. Ich erteile es ihm.

 

19.10.23

GR Nikola Poljak, BA, MA (SPÖ)|: Ich bin sprachlos. Geschafft. Puh, das haut mir meine Rede durcheinander, das gibt es ja nicht. Sehr geehrte Damen und Herren, es ist gelungen, wirklich, na servas, bin wirklich ein bisschen fassungslos. (Beifall bei der SPÖ.) Also angesichts meines Vorredners muss ich zuerst einmal sagen, wir als Stadt stehen hinter unserer Jugendarbeit, wir stehen auf euch, wir lieben euch, wir wissen euch zu schätzen, wir anerkennen eure Arbeit, wir anerkennen euren Wert, und das, was ihr vorher gehört habt's, schieben wir einmal beiseite. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Der Verein Wiener Jugendzentren - keine Sorge, ich werde nicht zu "Rettet das Kind" reden, ich habe aber nicht gewusst, dass es nicht geht, tut mir leid - ist nicht nur ein Projekt, das ist die größte Organisation der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Wien. Wir sind den Weg gegangen - und zwar seit Jahrzehnten, dass wir Geld für unsere Jugendeinrichtungen in die Hand nehmen. In England hat man das anders gemacht, da gab es ein paar Firmen, die sind zur Politik gegangen und haben gesagt, schaut's, die Jugendzentren, das funktioniert doch nicht, wir machen das für den halben Preis, wir schauen, dass die Kids nicht laut sind, wir schauen, dass der Müll weg ist, dass nichts mehr passiert, ihr werdet nichts mehr mitbekommen. Was haben die dann gemacht? - Sie sind zu zweit, zu dritt herumgegangen, haben bei jeder Kleinigkeit die Polizei eingeschalten und haben geschaut, dass die Kids in den Häfen wandern, bei jedem kleinen Schsch …, Entschuldigung. Das heißt, die Politik dort hat einmal gezahlt, damit die Jugendzentren zusperren, hat gezahlt, damit die Firmen einmal beginnen zu arbeiten, und hat dafür gezahlt, damit die Kids im Gefängnis bleiben. Das heißt, das hat irgendwie das Vierfache gekostet, schätze ich Pi mal Daumen.

 

Das hat wohl keinen Sinn gehabt, und das bringt mich aber zu einem passenden Punkt. In Gefängnissen sind Straffällige, also habe ich gegoogelt, was denn delinquent heißt. Delinquent heißt, eine Straftat begangen oder gegen eine Norm verstoßen zu haben, das heißt nicht unbedingt, dass man im Gefängnis war. Und kurze Erläuterung aus Sozialarbeiterperspektive: Neustart arbeitet als Bewährungshilfe mit Kindern, das heißt, man hat regelmäßig Termine, die schauen, dass die Kids eine Ausbildung machen, die schauen, dass die Kids regelmäßig Termine wahrnehmen, dass es ihnen gut geht, und ein Jugendzentrum ist ein offener Raum für alle, wo man einfach Zeit verbringen kann und ein offenes Ohr für jeden Jugendlichen hat. Das ist der Unterschied. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Da spielt natürlich auch die Playstation eine Rolle. Ich kann aus erster Hand erzählen, wieso sie eine Rolle spielt, weil ich ja selber mehrere Jahre im Jugendzentrum gearbeitet habe. Ich kann es sehr empfehlen, ich habe es vorhin schon mit meiner Kollegin Hanke, die Vorsitzende der Wiener Jugendzentren ist, abgesprochen, Sie sind eingeladen ins Jugendzentrum zu gehen und das einmal anzuschauen. Ich spiele auch gerne eine FIFA-Runde mit Ihnen oder wuzzel mit Ihnen, wenn Sie wollen, oder höre Ihnen zu, vielleicht geht es Ihnen dann besser. (Heiterkeit und Beifall bei SPÖ und NEOS sowie von GRin Mag. Ursula Berner, MA und GR Theodor-Felix Löcker.) Denn wir haben nämlich eine Menge Kinder, die zu Hause keinen Platz haben, wenig Platz, wissen nicht, wohin, auf der Straße sind. Und dann seien wir doch

 

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