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Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 93 von 103

 

sammenleben gerade dann, wenn der Druck steigt, gelingt? - In einer solchen Situation gibt es zwei Wege. Man kann die Probleme ganz einfach verschieben, bis sie eskalieren. Der andere Weg, den diese Aufschwungskoalition natürlich geht, ist, professionell und frühzeitig zu handeln, bevor aus kleinen Konflikten große werden. Genau das tun wir in der Koalition mit den Förderungen der MA 13.

 

Man hört manchmal tatsächlich, wenn man durch Wien geht und mit Leuten spricht, dass es jetzt wieder einmal an der Zeit ist, hart durchzugreifen beziehungsweise dass man Härte zeigen muss. - Das klingt vielleicht im ersten Moment nach Stärke, aber die eigentliche Stärke ist Wirkung, und Wirkung entsteht dort, wo Konflikte beginnen und nicht erst dort, wo sie bereits explodieren. Konflikte im öffentlichen Raum lösen sich nicht durch Lautstärke, sondern sie lösen sich durch den Einsatz von Menschen, die professionell vermitteln mit Präsenz, mit Gespräch, mit klaren Regeln, mit Deeskalation und mit dem Know-how, Situationen frühzeitig zu erkennen.

 

Genau dafür steht FAIR-PLAY-TEAM. Dabei geht es um eine smarte, evidenzbasierte Form von Sicherheitspolitik, die Eskalationen verhindert und damit allen nutzt, den Anrainerinnen und Anrainern genauso wie den Jugendlichen und im besten Fall auch den Einsatzkräften.

 

Noch klarer wird das bei der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Es wird da oft ein bisschen so getan, als wäre das ein nettes Zusatzprogramm. Die Realität ist jedoch: Offene Kinder- und Jugendarbeit ist eine der wichtigsten Stabilisierungsstrukturen unserer Stadt. Sie wirkt dort, wo andere Systeme oft an Grenzen stoßen, wenn Schule allein nicht reicht, wenn Familien unter Druck stehen, wenn Jugendliche Orientierung suchen, wenn Gruppen kippen und wenn Konflikte sich verdichten.

 

Genauso ist es bei der mobilen Jugendarbeit wie zum Beispiel beim Verein Bahnfrei, bei der Raum für Jugendliche geschaffen wird, oder bei der aufsuchenden Jugendarbeit wie zum Beispiel durch Kiddy & Co.

 

Kinder- und Jugendarbeit schafft etwas, was man nicht kaufen kann, wenn es schon zu spät ist: Beziehung, Vertrauen sowie Ansprechbarkeit. Genau daraus entstehen Perspektiven, Regeln, Verantwortung und auch oft der Moment, in dem Eskalation verhindert wird. Und das ist genau der Kern. Wer Prävention schwächt, spart nicht, sondern er verschiebt Kosten von Jugendarbeit zur Polizei, von Sozialarbeit zur Justiz, von Stabilisierung zu Eskalation. Die MA 13 mit ihren Förderungen wirkt dem genau entgegen, und daher bitte ich, diese Anträge anzunehmen. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zum Wort gemeldet ist Herr GR Mag. Saurer. Ich erteile es ihm.

 

18.50.24

GR Mag. Bernd Saurer (FPÖ)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen!

 

Zunächst möchte ich meinem Vorredner widersprechen. Dann möchte ich aber auch nur kurz auf diese vier Poststücke eingehen. Warum ich so vorgehe, ist in meinem Redebeitrag dann selbsterklärend.

 

Was haben die Vereine Bahnfrei - Verein zur Förderung innovativer Jugendarbeit im Stadtteil, Kiddy & Co, Verein für kreatives Spiel und Kommunikation, das Projekt Fair-Play-Team und das Institut für Erlebnispädagogik gemeinsam? - Es gibt einige Parallelen. Erstens vielleicht den einen oder anderen witzigen Namen und zweitens die Zielgruppe von Sechs- bis Zwanzigjährigen, wobei manche sagen, sie können ruhig auch älter sein, weil es eh wurscht ist. Sie haben aber vor allem etwas gemeinsam, nämlich die Zielvorgabe, spielerische Handlungsfelder für Jugendlich zu bedienen. Das heißt im Klartext: Die Stadt Wien zahlt Spieltherapeuten einen Millionenbetrag mit der Begründung, dass dann eh alle brav lernen werden und sich noch braver im Arbeitsprozess wiederfinden werden.

 

Ich zitiere jetzt aus dem Antragstexten. Wörtlich heißt es dazu, dass es darum geht, "den Erfahrungshorizont und in Folge den Handlungsspielraum Jugendlicher zu erweitern. Wir" - also diese Vereine - "streben an, dass sich Jugendliche zu selbstbestimmten und verantwortungsvollen Menschen entwickeln können, die in der Lage sind, ihr Leben in ihrem Sinne zu meistern." - Das klingt gut und nachvollziehbar. Ich möchte aber dazu anmerken, dass es die originäre Aufgabe der Schulen ist, nämlich Wissen zu vermitteln und Jugendliche zu selbstbestimmten und verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Entweder gestehen Sie sich auf Grund der Existenz all dieser unzähligen Vereine Ihr eigenes Versagen in der Bildungspolitik ein, oder wir nennen das Kind beziehungsweise die Kinder beim eigentlichen Namen: Hier handelt es sich um hochsubventionierte Spaßvereine, die mit Kindern "Mensch ärgere Dich nicht", Tempelhupfen oder Playstation spielen. (GR Mag. Lukas Burian: Waren Sie schon einmal bei einer solchen Veranstaltung?)

 

Das kann man natürlich machen, wenn das Geld dafür vorhanden ist. Das ist es aber nicht. Ich bringe dazu nur den Titel in Erinnerung: Verein für kreatives Spielen und Kommunikation. Das kann man machen, wenn das Geld dafür vorhanden ist. Das habe ich schon gesagt. Und ich sage Ihnen, dass man das aus Sparsamkeitsgründen auch vereinheitlichen und einen einzigen Verein damit betrauen kann. Das macht man allerdings auch nicht. Die - deswegen auch mein kurzer Beitrag, Sie sind bei diesem Poststück gleich erlöst - genannten Vereine sind leider oder für uns jetzt Gott sei Dank nur zweite Liga. Keiner dieser Vereine bekommt mehr als eine Million im Jahr, dafür muss man nämlich erst in die SPÖ-Oberliga aufsteigen. Allerdings bekommen diese Vereine natürlich Kooperationsmöglichkeiten mit und Hilfestellung von den 1A-Top-Vereinen, die genau dasselbe machen, jedoch halt um 20 Millionen EUR teurer sind im Jahr, wie zum Beispiel die Wiener Kinderfreunde oder auch die Wiener Jugendzentren.

 

Allesamt vermitteln Spaß und Spiel, ohne auf das eine oder andere ernste, zukunftsweisende Thema genauer einzugehen, ausgenommen natürlich auf Genderfragen, die überall mit Akribie erörtert werden. Hier werden also im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch Millionen

 

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