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Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 78 von 103

 

international anerkannter Bildungs-, Arbeits- und Lebensstandort ist.

 

Wenn Sie ein Problem mit Flucht haben, dann könnten Sie ja zum Beispiel im Fall der Ukrainer, auf die Sie immer sehr gerne losgehen, einfach auch einmal mit Ihrem Freund Wladimir Putin reden, sodass er seinen Angriffskrieg in der Ukraine beendet. Dann müssen die Leute von dort auch nicht flüchten.

 

Dieses Wachstum, das die Stadt hat, ist auch kein Zeichen von Kontrollverlust. Es ist vor allem ein Zeichen von Attraktivität und Anziehungskraft, die so kaum eine andere europäische Metropole in den letzten 20 Jahren entwickelt hat.

 

Wir schauen ganz genau darauf, und wir geben wirklich alles, um in diesem starken Wachstum trotzdem ausreichend Wohnraum bereitzustellen. Und wir bauen deswegen selber. Wir bauen gemeinnützigen Wohnbau, wir bauen Gemeindebauten, wir ermöglichen privaten Wohnbau und schauen immer ganz besonders auf die soziale Kategorie, ja, wie zum Beispiel die neue Widmungskategorie "Geförderter Wohnbau", die wir erst vor einigen Jahren eingeführt haben, ganz eindeutig zeigt.

 

Ich denke, wir müssen uns auch über eine Tatsache ganz besonders klar werden: Eine Stadt, die niemanden anzieht, hat vielleicht kein Wohnungsproblem, dafür hat sie aber ein Zukunftsproblem. Schrumpfende Städte haben zwar keine Herausforderungen beim Wohnraum oder bei der Integration, dafür haben sie aber leere Schulen, leere Straßen und geraten in eine Abwärtsspirale. Wer sich das anschauen will, kann gerne einmal in den von Ihnen so hochgelobten Trumpschen USA in die Midwestern States, in den Rust Belt, schauen, wie es zum Beispiel der Stadt Detroit geht, die seit vielen, vielen Jahren in einem Abwärtsstrudel ist. Dann, glaube ich, ist die Diskussion sehr schnell zu Ende. Ja, diese Städte verlieren junge Menschen, Betriebe und Hoffnung.

 

Wien wächst aber, weil es einfach funktioniert. Unsere Aufgabe ist nicht, dieses Wachstum zu beklagen, sondern es sozial zu gestalten. Genau deshalb ist die entscheidende politische Frage nicht "Wie verhindern wir Zuzug?", sondern "Wie gestalten wir dieses Wachstum, diesen Zuzug so, dass es dabei sozial zugeht?" - Bildung ist dabei - und das ist ja auch in Ihrem Antrag angesprochen worden - ein Fundament dieser Stadt. Bildung entscheidet darüber, ob soziale Mobilität möglich ist. Bildung entscheidet auch darüber, ob Kinder ihre Talente entfalten können oder nicht. Und Bildungspolitik beginnt eben nicht mit Leistungstests, nicht mit Sanktionen und schon gar nicht mit der Idee, Kinder möglichst früh auszusortieren. Bildung beginnt mit Förderung.

 

Was Sie hingegen fordern, sind immer neue Prüfungen, immer frühere Bewertungen, immer schärfere Abgrenzungen, immer mehr Segregation. (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Besonders deutlich wird das bei Ihrer Forderung nach verpflichtenden Sprachüberprüfungen bei Dreijährigen, um ihren Sprachstand festzustellen. Das klingt auf den ersten Blick super, ist pädagogisch aber höchst fragwürdig (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.), denn Fachleute sind sich eigentlich weitgehend einig: Ein einmaliger Test bei Dreijährigen sagt kaum irgendwas Verlässliches aus. Die Sprachentwicklung ist in diesem Alter extrem unterschiedlich, sie verläuft sprunghaft und stark situationsabhängig. Viele Kinder sprechen mit drei Jahren noch überhaupt nicht klar, ganz unabhängig davon, welche Sprache sie zu Hause hören. Mehrsprachig aufwachsende Kinder brauchen oft ein bisschen länger - das stimmt -, um sich in allen Sprachen sicher zu bewegen. Das ist aber keine Schwäche, das ist eine normale Entwicklung. Ein isolierter Test mit einer fremden Person in einer künstlichen Situation misst daher nicht die Sprachkompetenz von diesen Kindern im Alltag, sondern vor allem die Tagesverfassung und den Stress dieser Kinder in dieser speziellen Situation.

 

Pädagogisch sinnvoller ist das, was in der Praxis längst anerkannt ist: kontinuierliche Beobachtung im Kindergartenalltag, dort, wo Sprache tatsächlich verwendet wird - im Spiel, im Miteinander, in den Beziehungen die die Kinder zueinander und zu den Betreuerinnen und Betreuern aufbauen. (StR Dominik Nepp, MA: Das funktioniert doch nicht!)

 

Der entscheidende Engpass ist daher nicht ein fehlender Test, sondern - und das haben wir hier in diesem Gremium schon ganz, ganz oft diskutiert - das ausreichende Personal ist die entscheidende Frage. Sprachförderung wirkt dann, wenn qualifizierte Erwachsene Zeit haben, mit Kindern zu sprechen, zuzuhören und sie regelmäßig zu begleiten. Ein Test ohne ausreichende Förderkapazitäten danach ist kein Fortschritt, sondern ein Ablenkungsmanöver. Wien setzt deshalb auf den Ausbau von Sprachförderkräften und auf frühe alltagsnahe Förderung statt auf Symbolpolitik. Nicht bewerten, bevor man fördert, sondern fördern, damit Entwicklung möglich wird: Genau das ist verantwortungsvolle Bildungspolitik, meine Damen und Herren. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Der richtige Weg ist daher nicht frühe Bewertung, frühes Testen, sondern frühe Begleitung. Genau deshalb setzt Wien eben auf den massiven Ausbau der Sprachförderung in den Kindergärten, genau deshalb werden zusätzliche Sprachförderkräfte eingesetzt, genau deshalb wird Sprache im Alltag gefördert - spielerisch, kontinuierlich und professionell. Und dieser Weg wirkt natürlich. Dort, wo gezielt gefördert wird, verbessert sich die Sprachkompetenz auch merklich. Dort, wo Ressourcen erhöht werden, sinkt später der Anteil außerordentlicher SchülerInnen. Bildungspolitik ist eben kein Sprint, sondern Bildungspolitik ist ein Langstreckenlauf.

 

Ein weiterer Punkt, den Sie konsequent ausblenden, ist die Frage der Chancengerechtigkeit. Wir wissen seit Jahrzehnten: Bildungserfolg hängt in Österreich noch immer stark vom Elternhaus ab. Wer aus einem bildungsnahen Haushalt kommt, hat bessere Chancen, und wer es schwerer hat, braucht mehr Unterstützung. Wer das ignoriert, wie Sie das etwa in Bezug auf unser extrem ungerechtes Schulsystem tun, in dem Kinder im Alter von zehn Jahren in unterschiedliche Schultypen sortiert werden (StR Dominik Nepp, MA: ... Bundesregierung! Ändert es! Ändern Sie es!) und

 

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