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Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 47 von 103

 

den Kosten haben, kompensieren. Das wird nicht möglich sein.

 

Das ist schade, denn genau solche Orte sind ja so etwas wie der Kulturklebstoff der Stadt. Das sind, und das haben Sie auch schon öfter gehört, niederschwellige Begegnungsräume, in denen Menschen sich kennenlernen, hoffentlich das gegenseitige Fremdeln ein bisschen abbauen und gemeinsam vielleicht auch wirklich Erinnerungen begründen, um dann zu sagen: Eigentlich können wir ganz gut zusammenleben in der Stadt!, was ja auch de facto fast überall so ist, auch wenn manche sich davor fürchten. In Wirklichkeit leben wir in dieser Stadt sehr multikulturell, sehr multiethnisch, sehr multimulti schon sehr lange zusammen, immerhin über zwei Millionen Menschen über 100 Jahre. Ich glaube, dass wir diesen Weg weiterführen sollten, egal wie es weitergeht.

 

Wenn man aber an solchen Kulturklebstoffen der Stadt kürzt, dann schwächt man natürlich nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch das Zusammenleben, und das ist schade. Wir sollten da mehr Kraft hineinsetzen, auch diese Orte zu erhalten, bitte, meine Kollegen und Kolleginnen.

 

Auf der anderen Seite wird ein Millionenprojekt wie Kultur Raum Wien GmbH weiter mit beträchtlichen Mitteln ausgestattet. Sie wissen, wir sind für ein Kinderkulturhaus Floridsdorf, wir wollen, dass das endlich entsteht, aber jetzt ist es um ein Jahr verschoben und die Kosten laufen trotzdem weiter, und es kostet trotzdem für heuer wieder 450 000 EUR. Wir wissen aber nicht genau, wohin diese 450 000 EUR fließen sollen. Deshalb sind wir da ein bisschen kritisch und hätten gerne mehr Infos zu dem Projekt. Deshalb werden wir das vorerst ablehnen. Wir wissen nicht, was von wem geplant wird, ob das stadtintern oder extern vergeben wird, wie weit die Planung im letzten Jahr vorangegangen ist. Immerhin sind auch letztes Jahr 360 000 EUR in dieses Projekt geflossen. Was im Akt steht, ist: Es gibt 80 000 EUR Personalkosten, und der Rest, 370 000 EUR, sind Verwaltungskosten. Das wissen wir aus dem Akt, und wir wissen, dass für einen Markenfindungsprozess weitere 80 000 EUR notwendig sind; die sind auch stattgegeben.

 

Ich würde mich freuen, wenn wir hier ähnlich wie beim Wien Museum mehr Infos über den Planungsstand bekommen. Beim Wien Museum hat das dann großartig funktioniert und wir haben immer wieder, nicht in jedem, aber fast in jedem Ausschuss, einen kleinen aktuellen Bericht bekommen. Ich fand das sehr spannend und wichtig, und ich würde mich freuen, wenn wir bei solchen Großprojekten, bei denen es um 13 Millionen EUR und mehr geht, zeitgemäß immer wieder darüber informiert werden, was da jetzt wirklich stattfinden soll, denn es sind große Summen, die hier vergeben werden. 450 000 EUR, da können andere Institutionen ein ganzes Jahr damit arbeiten und Ausstellungen machen. Das ist keine Kleinigkeit, gerade im Kulturbetrieb.

 

So, ich hätte jetzt auch noch kurz ein Zitat von Herrn Herheim hier, aber ich werde Sie damit nicht weiter quälen, sondern ich werde nur unsere Forderungen zusammenfassen. Das heißt, wir wollen erstens, dass die Kammeroper als zentraler Ort der Nachwuchsförderung und experimenteller Musikformen erhalten bleibt und dass da ein tragfähiges Sanierungskonzept und eine verlässliche Finanzierung statt einer schleichenden Abwicklung vorgenommen wird. Wir werden das in jeder Form unterstützen, wie auch immer Sie da im Hintergrund verhandeln.

 

Zweitens, wir wollen, dass die Förderpraxis so reformiert wird, dass mehrjährige Planbarkeit wieder möglich wird und dass Inflation auch irgendwie mitgedacht wird, anstatt dass eine reale Kürzung mit sogenannten stabilen Zahlen passiert.

 

Wir wollen, dass die Ankerzentren und dezentralen Kulturorte als soziale Infrastruktur anerkannt werden und ihnen keine existenzbedrohenden Kürzungen zukommen.

 

Und wir hätten gerne, das habe ich gerade ausgeführt, dass wir über das Großprojekt Kultur Raum Wien mehr Infos in den Ausschuss darüber bekommen, was da jetzt eigentlich passiert. Weil, wir wissen es alle, Wien lebt nicht nur von sogenannten Sonntagsreden über die Kultur - ich glaube, heute hat das schon jemand gesagt -, es gibt leider montagmorgens dann Proben, es gibt viele unbezahlte Überstunden, vor allen Dingen im Off-Bereich, und wir haben lange Nächte in Häusern, die versuchen, Neues auszuprobieren. Wer diese lebendige Szene auf Sparflamme setzt, riskiert, dass die Kulturstadt Wien nur noch eine schillernde Vergangenheit, aber keine schillernde Zukunft hat. Ich hätte gerne eine schillernde Kulturzukunft für Wien und würde mich freuen, wenn wir deshalb mit den Budgets im kommenden Jahr anders umgehen. - Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Brucker. - Bitte, Herr Kollege, Sie haben das Wort.

 

13.50.50

GR Lukas Brucker, MA (FPÖ)|: Danke, Herr Vorsitzender! - Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Wir reden heute bei der Förderung an den Verein Wiener Kulturservice und damit eigentlich indirekt an das Donauinselfest von einem Lieblingsprojekt von Ihnen, das Wiener Donauinselfest. Ich gestehe Ihnen ja zu, dass es sich da um ein großes Festival handelt, das ein Millionenpublikum anzieht und bei vielen auch sehr beliebt ist, aber - und jetzt kommt das große Aber - diese Vermischung aus Parteifest und öffentlicher Förderung zeigt eigentlich das Problem, das Sie hier in der Stadt haben, nämlich dass Sie als SPÖ diese Stadt als Ihr Eigentum sehen, und das muss endlich gestoppt werden. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Es wurde schon kurz vor mir der Verein Wiener Kulturservice erwähnt. Der Verein erhält dieses Jahr eine Förderung von 2,145 Millionen EUR. Im Vorjahr, 2025, waren es 2,16 Millionen EUR. Das entspricht einer Reduktion von lediglich 15 000 EUR, also einer Einsparung von 0,69 Prozent. Da sind wir wieder beim Thema ausgewogene Sparpolitik im Wiener Kultursystem trotz massiver Budgetprobleme im Kulturbereich. Viele Kulturinitiativen müssen kürzen oder gar zusperren, kleinere Vereine bluten, während das SPÖ-Lieblingsprojekt komplett geschont wird. Das ist keine echte Sparanstrengung

 

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