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Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 42 von 103

 

des historischen Werdens dieser Stadt. Er ist ein Teil dieser Stadt, er war ein wichtiger Bürgermeister, und das werden wir nicht verleugnen. Ich will das auch nicht verleugnen. Ich will zur Geschichte dieser Stadt stehen, möge sie positiv oder negativ sein, aber etwas zu verleugnen, bedeutet quasi auch, die Geschichte anzulügen. Ich bin da einfach dagegen und bekenne mich dazu, dass wir Bürgermeister gehabt haben, auf die wir stolz sein können, und Bürgermeister gehabt haben, die halt ganz einfach Raum für Diskussionen und für Diskurs geben, aber sie waren Bürgermeister dieser Stadt. (GR Armin Blind: Viktor Adler!) Und wenn ein Platz so heißt, und wenn irgendwo eine Statue steht, die in einer ganz anderen Zeit, in der es ganz andere Motivationen und Hintergründe gab, aufgestellt wurde, dann ist das auch Tatsache, es ist historische Tatsache. Das wollen wir nicht verleugnen, ganz im Sinne des Begriffes Denkmal. Wir denken über unsere Geschichte nach, und wir verleugnen sie nicht. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Zur Klima Biennale: Die Klima Biennale bekommt heuer 850 000 EUR - wurde evaluiert; zuerst war 1 Million EUR angedacht, jetzt bekommt sie 850 000 EUR. Das wurde reduziert, und ich glaube, das ist inhaltlich sehr plausibel. Man konzentriert sich nämlich auf die Festivalzentrale im KunstHausWien - nur mehr eine künstlerische Leitung, ein fokussierter Festivalmonat statt längerer Laufzeit und Einsparungen im Marketing. Somit ist der Weiterbetrieb des KunstHausWiens möglich und auch ein Weiterführen der Klima Biennale. Ich finde, es sind unglaublich tolle Lösungen. Das sind sehr gute, lebensnahe und realitätsnahe Lösungen, die es ermöglichen, dass das KunstHaus bestehen bleibt und die Klima Biennale weitergeführt werden kann - wie gesagt, nicht selbstverständlich in Zeiten von Konsolidierungsmaßnahmen.

 

Das heißt, das Budget der Klima Biennale ist klar vom laufenden Betrieb des KunstHausWiens getrennt, ja, und hier wird nicht versteckt gekürzt, wie es unterstellt wurde, sondern transparent angepasst.

 

Einige ganz wenige Worte, weil das heute auch gefallen ist, zur Kammeroper: Die Kammeroper ist erstens einmal eine Institution, sie ist im Grunde ein Zweithaus in der Struktur der Wien Holding. Sie hat also im Grunde mit unserem Thema in der Kultur nichts zu tun, ist eigentlich eine Themenverfehlung in diesem Ressort. Reden wir aber trotzdem kurz darüber. Die Immobilie, die auch nicht im Einflussbereich, im Eigentum der Stadt Wien und auch nicht im Eigentum der Wien Holding ist, wird gerade saniert. Das heißt, das gibt im Grunde den Verantwortlichen die Möglichkeit, ein Jahr lang Konsolidierungsmaßen, Einsparungsmaßnahmen zu klären und zu klären, wie es nach diesem Jahr weitergeht. Der Anspruch der Stadt und auch der Wien Holding ist natürlich, dass die Kammeroper in welcher Art auch immer weitergeführt wird, das ist ja vollkommen klar. Diese Art von Festlegung gibt es schon, aber dass die Kammeroper in Zeiten von Konsolidierungsmaßnahmen - während die Immobilie saniert wird - den Spielbetrieb nicht weiter aufrechterhalten kann, ist ja vollkommen logisch. Aber es wird wieder. Spätestens in einem Jahr werden wir mehr wissen.

 

Das heißt, der Wiener Weg der Konsolidierung heißt nicht kaputtsparen, sondern zusammenhalten, nicht nivellieren, alles gleichbehandeln, sondern differenzieren, nicht Kultur als Kostenfaktor sehen, sondern als gesellschaftliche Infrastruktur, die notwendig ist. Wien bleibt eine Stadt der kulturellen Vielfalt, der Offenheit und der Zugänglichkeit - auch und gerade in herausfordernden und schwierigen Zeiten der Konsolidierung. Das ist kein Zufall, sondern das ist bewusste kulturpolitische Entscheidung. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu den vorgelegten Poststücken. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr StR Berger.

 

13.15.36

StR Stefan Berger|: Danke, Frau Vorsitzende.

 

Der Vorredner hat es provoziert, deshalb an dieser Stelle noch einmal meine Wortmeldung zu folgendem Punkt: Der Vorredner hat auf die Kritik meines Kollegen Lukas Brucker betreffend die Vereinigten Bühnen Wien und die Schließung der Kammeroper repliziert. (GR Mag. Josef Taucher: Weil das in eine andere Geschäftsgruppe gehört!) Ich sage es Ihnen allen jetzt an dieser Stelle ganz offen: Wenn Sie noch einmal hier heraußen sagen, die Vereinigten Bühnen Wien haben alle nichts mit Kultur an sich zu tun, dann weiß ich nicht, was passiert. Das sage ich an dieser Stelle schon ganz offen, weil das einfach eine Kindesweglegung und der Versuch ist, ein Problem von sich zu schieben, wobei man sich aber mittlerweile offensichtlich einen massiven, nämlich rostigen Nagel eingetreten hat. Die Vereinigten Bühnen Wien sind an sich bei der Wien Holding angesiedelt und damit beim Finanzressort. Herr Kollege Klubobmann Taucher nickt da ganz ausführlich und zustimmend. Jetzt sage ich Ihnen aber ganz offen: Wenn Sie zum größten Fördernehmer aus dem Kulturbudget sagen: Der hat eigentlich nichts mit uns zu tun!, dann ist das glatt die Unwahrheit und nichts anderes. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Die Vereinigten Bühnen Wien haben bis zum Vorjahr knapp 60 Millionen EUR erhalten, bei einem Gesamtkulturbudget von ein bisschen über 300 Millionen EUR - waren es 320, 330, ich weiß es nicht -, und ohne das jetzt schnell auszurechnen: Wenn jeder siebente Euro aus dem Kulturbudget in die Vereinigten Bühnen Wien wandert, dann ist, ganz offen gesagt, die Aussage, das habe an sich mit dem Kulturressort nichts zu tun, schlichtweg falsch und eigentlich mehr als die Unwahrheit, um es einmal an dieser Stelle auf den Punkt zu bringen. (GR Mag. Josef Taucher: Was ist "mehr als die Unwahrheit"?)

 

Wenn Sie es nicht schaffen, sich das auszudiskutieren und sich gegenseitig den schwarzen Peter hin und her schieben, dann machen Sie schlichtweg eine Regelung! Dann sollen die Vereinigten Bühnen Wien auch vom Finanzressort ausgehend gespeist werden. Wenn das Ihr Zugang ist und wenn Sie damit ihren innerparteilichen Konflikt oder Ihren Konflikt innerhalb des Ressorts und vor allem auch mit den Vereinigten Bühnen Wien

 

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