Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 38 von 103
Filme anschaut, und man sieht dann meistens nur zwischen 15 und 20 Teilnehmer. Es gibt eine Ausnahme, das war ein Film mit Bruno Kreisky, da war es natürlich voll, da war es ausverkauft, aber sei's drum.
Wenn man sich das ausrechnet - es gibt leider keine Jahresberichte, wie das so oft der Fall ist - und sagt, die haben eine Totalauslastung von 40 Plätzen pro Spieltag, ergibt das insgesamt 2 640 Personen, die das in drei Jahren besucht haben. Ich ziehe einen Verwaltungsaufwand von 33 Prozent ab, bleiben noch immer 223 333 EUR über. Wenn man dieses Fördergeld pro Filmabend pro Besucher jetzt umrechnet, ergibt sich, dass man jeden Besucher, der einen Film anschaut, mit 85 EUR fördert. Wissen Sie, was der normale Kinopreis in Wien ist? - Wenn ich mit meiner Familie ins Kino gehe, gebe ich so zwischen 8 und 10 EUR aus. Das heißt, Sie fördern dieses "Filmarchiv der Arbeiterbewegung" mit dem Zehnfachen eines normalen Kinotickets. Das ist eigentlich unglaublich. (Beifall bei der ÖVP.)
Wenn Sie dort nicht ins Kino gehen und einen Film ansehen wollen, können Sie auch DVDs um 20 EUR erstehen, zum Beispiel mit dem Titel "Dr. Fred Sinowatz - Alles sehr kompliziert", oder Sie können auch eine DVD mit den historischen Maifeiern der SPÖ Wien kaufen. (Heiterkeit bei der FPÖ.) Also das Einsparen auf der Ausgabenseite ist wirklich kompliziert, das gestehe ich zu, aber das Verteilen von Fördermitteln fällt Ihnen deutlich leichter.
Übrigens steht auch ganz klar auf der Website geschrieben, was der Auftrag des Filmarchivs ist, ich zitiere: "Die Wiener Filmabende" - das ist die Hauptaktivität -, "mit denen die SPÖ Wien die Basis der Partei, ihre Vertrauenspersonen, regelmäßig mit Informationen versorgt werden soll". Dazu dienen die Filmabende des "Filmarchivs der Arbeiterbewegung". Und jetzt komme ich auf Stefan Weber zu sprechen: Ja, Kultur soll nicht für politische Arbeit und Agitation verwendet werden, da gebe ich dir völlig recht, aber was ist das denn sonst? (GR Thomas Weber: Du weißt nicht einmal meinen Namen!)
Das ist ja ein Ausleger der SPÖ Wien und die SPÖ Wien kriegt genug Parteienförderung. (GR Thomas Weber: Du weißt nicht einmal meinen Namen!) Da kann sie sich ihren eigenen Kinobetrieb vielleicht auch noch leisten und soll nicht öffentliche Steuermittel dafür einsetzen, dass sie ein kleines privates Kino betreibt. (Beifall bei der ÖVP. - GR Thomas Weber: Ich sage jetzt Stefan zu dir!) Und das ganz bestimmt in einer Zeit, wo wichtige Kulturinstitutionen - die Wiener Philharmoniker sind hier schon angesprochen worden, die Hermesvilla und andere -sträflich vernachlässigt werden. Im Kulturbereich wird in jene Vereine investiert, die ihrer Gesinnungsgenossenschaft nahestehen und nicht in wichtige, bekannte Kulturgüter, die ganz viele Leute begeistern. Das ist mit Sicherheit der falsche Weg. - Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP.)
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Gara. - Bitte.
GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich freue mich heute auch, dass wir eine Schwerpunktdebatte zum Thema Kultur führen, wie es mein Kollege Thomas Weber schon gesagt hat. Ich freue mich, dass diese Schwerpunktdebatte auch ein bisschen um das Thema Kultur und Klimakrise erweitert wird, weil gerade die Kulturpolitik hier eine ganz wichtige Rolle auf mehreren Ebenen spielt.
Sie spielt eine wichtige Rolle, in dem, wie wir Kulturbetriebe gestalten, also klimafitte Museen, klimafitte Kulturbetriebe und natürlich auch wie wir Räume für Interaktion schaffen, Räume für eine inklusive Klimabildung, Räume für Diversität und Teilhabe in Fragen der Klimakrise, wie wir Räume für wissenschaftlichen Austausch und für Diskurs schaffen statt Vereinfachung. Gerade in Fragen der Klimapolitik, die heutzutage auf dem Altar des Populismus geopfert werden, in den Medien geopfert werden und wir nicht mehr unterscheiden können, was real und was nicht real ist.
Deswegen spielt die Kultur hier eine ganz wesentliche Rolle. Ich bin wirklich froh, dass wir genau diese Räume zur Verfügung stellen, um diese Frage auch entsprechend zu behandeln, sehr breit zu behandeln und auch der Wiener Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich partizipativ einzubinden. Denn eines ist klar, die Klimakrise ist die größte gesellschaftliche Transformation letztendlich der Menschheitsgeschichte. Sie führt zu einem so massiven strukturellen Wandel, dass es wesentlich ist, auch in der Wiener Kulturpolitik hier einen Schwerpunkt zu setzen.
Wir haben das auch gemacht, wir haben das im Bereich der Kulturstrategie gemacht. Da ist ein Handlungsfeld, nämlich das Handlungsfeld Klimaverträglichkeit in Kunst und Kultur als Schwerpunkt gewählt. Da geht es darum, ökologisch nachhaltiges Bewusstsein zu fördern. Da geht es darum, ökologische Standards zu setzen, wie wir unter dem Titel "Green Producing" Kulturveranstaltungen gestalten können, die ressourcenschonend umgehen. Und da geht es auch darum, wie wir Investitionen in die ökologische Umrüstung der kulturellen Infrastruktur schaffen.
All das haben wir in der Strategie festgelegt, aber es bleibt nicht bei der Strategie, es geht letztendlich immer um die Umsetzung, und auch das ist passiert. Wir sehen das am Prater Museum als ein zukunftsweisendes Modell für ökologisch nachhaltigen Museumsbau, ein wirkliches Vorzeigemodell. Wir sehen es am Wien Museum, wo doch ein massiver, drastischer Umbau erfolgt ist, aber dieser Umbau auch als Chance genutzt wurde, ein Prunkstück in der Wiener Museumslandschaft zu schaffen, das eine intelligente Nutzung von verschiedenen Energieformen ermöglicht, das nachhaltig gebaut ist, wo wir auch quasi die solare Moderne der Photovoltaik am Dach etabliert haben.
Wir sehen es auch am KunstHausWien, das auch massiv renoviert wurde, eines der Vorzeigeprojekte für "Raus aus Gas", wo wir es wirklich schaffen, durch Wärmepumpen kühlen und heizen zu ermöglichen und
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