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Gemeinderat, 10. Sitzung vom 20.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 33 von 103

 

In Wirklichkeit ist das Künstlerhaus also nicht nur ein Ort von Kunst und Kultur, es ist vor allem ein Bildungsraum. Dieser Bildungsraum des Künstlerhauses wird auch bei den Wiener Bildungschancen 2026 sichtbar. Schulen können kostenlose Workshops und Führungen im Künstlerhaus nützen, in denen Kinder und Jugendliche Kunst aktiv erschließen, inhaltlich gemeinsam reflektieren und die eigene Erfahrung damit verbinden. Das stärkt das Selbstbewusstsein von jungen Menschen, das fördert die Inklusion und das öffnet reale Bildungschancen für Wiener Pflichtschulen. Darum finde ich das Künstlerhaus so wichtig. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler.)

 

Zum KunstHaus selber mag ich nicht viel reden, da wird Stefan Gara vor allem über die Klima Biennale reden, aber nur so viel: Das KunstHaus ist natürlich eine Institution, die ganz stark auf Vermittlung setzt, gezielt mit Schulen, mit jungem Zielpublikum, mit Menschen arbeitet, die nicht selbstverständlich einen Zugang zu Kunst und Kultur haben. Das macht das Haus natürlich kulturpolitisch höchst relevant und wichtig.

 

Das dritte Thema, über das wir sprechen, ist das Depot, der Verein zur Förderung der Diskussionskultur in der Gegenwartskunst. Da geht es, das finde ich auch besonders schön, um einen Schwerpunkt, über den wir eher selten reden, wenn wir über Kulturpolitik reden, nämlich Kultur als öffentlicher Denkraum. Das Depot ist nämlich kein klassischer Ausstellungsort, es ist ein Ort des Gespräches, des Widerspruchs und der Reflexion.

 

Genau deshalb ist dieser Verein auch kulturpolitisch so wertvoll, weil Demokratie eben Orte braucht, in denen nicht immer alles sofort verwertbar sein muss, in denen einfach nur Fragen gestellt werden, ohne dass diese Fragen sofort beantwortet werden, Orte, an denen Kunst, Wissenschaft und alle Generationen miteinander ins Gespräch kommen. Das ist das Wertvolle und das Wichtige an der Arbeit des Vereines Depot.

 

Auch das ist Kinder- und Jugendkultur, denn wer früh erlebt, dass Denken öffentlich sein kann, dass Widerspruch erlaubt ist und dass Kunst auch Fragen stellen kann, der wird auch später nicht so leicht für einfache Antworten empfänglich. Somit sind Kunst und Kultur, wir sehen es immer wieder, auch ein sehr gutes Immunsystem für unsere Gesundheit. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Die drei Förderungen zeigen also, wie ich meine, sehr deutlich, worum es in der Wiener Kulturpolitik eigentlich geht. Es geht nicht darum, Geschmack vorzuschreiben, es geht nicht darum, Kultur auf ihre touristische oder auf die kurzweilige Verwertbarkeit zu reduzieren. Es geht darum, Zugänge zu eröffnen und Sichtweisen zu ermöglichen. Darum setzen wir in Wien ganz bewusst bei allem, was wir kulturpolitisch tun, auf kulturelle Vielfalt, nicht als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis.

 

Wir setzen auf viele Sparten, auf viele Formate, auf viele Zielgruppen, auf große Institutionen, auf freien Diskursräume, auf Hochkultur, aber auch auf die freie Szene, auf Vermittlung, auf Bildung und auf Teilhabe. Gerade der Schwerpunkt Kinder- und Jugendkultur ist dabei ganz zentral, weil kulturelle Teilhabe wahrscheinlich eher nichts ist, was man dann mit 30 plötzlich nachholt. Sie entsteht früh oder sie entsteht gar nicht, und genau deshalb ist Kinder- und Jugendkultur so wichtig.

 

Ich möchte aber auch noch ein paar allgemeine Bemerkungen machen. Für mich ist eine liberale Kulturpolitik oder Kulturpolitik generell immer dann gefährdet, wenn sie vereinfacht wird, wenn sie reduziert wird, nämlich dort, wo man beginnt Kunst nach unmittelbarem Nutzen zu bewerten, wo man Kultur auf Gefälligkeit, auf Eindeutigkeit, auf politische Verwertbarkeit reduziert. Ein liberaler Zugang zur Kulturpolitik hält davon bewusst Abstand, weil er die Freiheit der Kunst und die kulturellen Räume offenhält.

 

Kultur ist kein Mittel zur Identitätsfindung von oben herab, sie ist ein Produkt, das sich nicht ständig rechtfertigen muss. Kultur lebt von Freiheit, sie lebt von Vielfalt, sie lebt von Widerspruch, und sie lebt von der Offenheit. Populistische Zugänge versuchen diese Offenheit zu begrenzen. Sie ordnen Kunst in "brauchbar", in "überflüssig", sie setzen Zugehörigkeit vor Qualität, sie setzen Erwartung vor Neugier. Damit wird Kultur in Wirklichkeit nicht gestärkt, sie wird eingeengt.

 

Ich möchte Kultur ermöglichen, statt sie zu normieren. Ich möchte Räume öffnen, statt Inhalte vorzuschreiben. Und ich möchte, dass wir in eine offene Gesellschaft vertrauen, die mit kultureller Vielfalt umgehen kann, auch mit jener Vielfalt, die möglicherweise irritiert. Davon profitieren besonders Kinder und Jugendliche, denn wer früh lernt, Ambivalenz auszuhalten und sich eigene Urteile zu bilden, der wird nicht abhängig im Leben von einfachen Antworten und vorgefertigten Weltbildern. Das ermöglicht Kulturpolitik. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler.)

 

Ich meine, dass sich Kulturpolitik nicht auf Sonntagsreden beschränken soll, sondern auf konkrete Entscheidungen, auf Entscheidungen, wie wir sie hier im Gemeinderat treffen, nämlich auf Vermittlung statt Abschottung, auf Teilhabe statt Exklusivität, auf Diskurs statt Vereinfachung. Die heute anstehenden Förderungen stehen genau für diese kulturpolitische Haltung. Sie stärken junge Menschen, sie öffnen Räume für unterschiedliche Menschen, sie halten Diskussion lebendig. Darum finde ich diese drei Poststücke, die wir heute diskutieren, so wichtig. Ich bitte Sie um Zustimmung und freue mich auf die Debatte. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler.)

 

Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank.

 

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Berner. - Bitte.

 

12.13.25

GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE)|: Schönen Vormittag!

 

Ich freue mich wirklich, dass wir heute einmal eine Kulturdebatte als Schwerpunkt haben. Das ist ganz selten, und ich finde, das muss man auch genießen. Die Reihen sind ein bisschen dünn besetzt, es ist auch Mittag, aber ich freue mich trotzdem, dass wir heute diesen prominenten Standort im Gemeinderat bekommen. Danke für diese Tagesordnung heute. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

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