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Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 92 von 103

 

Problem mit dem Hals. Also ich hoffe, Sie werden mich trotzdem verstehen. Gut.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Vorsitzende, liebe Berichterstatterin, ich habe mir überlegt, ob ich das ... Der Kollege hat mich vorhin gefragt. Also ich werde jetzt schon sagen, warum ich zum Amerlinghaus so spreche. (GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi reicht der Rednerin ein Glas Wasser.) - Das ist sehr nett. Danke.

 

Das Erste ist: Ja, ich weiß, der Akt geht zur Frauenintegration. Wir werden diesem Akt zustimmen. Wer aber das Amerlinghaus kennt, weiß, dass da alles sehr eng beieinander ist und dass unter anderem auch die Frauenintegration davon abhängig ist, dass es den Kulturverein Amerlinghaus gibt, weil der Kulturverein Amerlinghaus die Mieten für die Räume zahlt, in denen die Frauenintegration ihre Sprachkurse, ihre Kinderbetreuung und ihre anderen Angebote stattfinden lässt. Das heißt, die sind sehr eng miteinander verwoben. Deswegen werde ich jetzt auch etwas zum Kulturverein sagen.

 

Eigentlich habe ich vorhin mit einem Kollegen von der SPÖ geredet, und er hat gefragt, warum ich so viel zum Amerlinghaus sage. Ich habe mir dann überlegt: Gut, es ist eh schon spät, jetzt erzähle ich ein bisschen Geschichten aus meinem Leben. Und ich kann sagen, es beginnt damit, dass ich tatsächlich mit 15 - na, vielleicht war ich früher schon im Amerlinghaus, aber bewusst mit 15 - das erste Mal ins Amerlinghaus gegangen bin, weil es dort damals eine Gruppe gegeben hat, die "Schüler gegen Antisemitismus" geheißen hat. Die haben natürlich null Kohle gehabt, aber wir haben uns dort getroffen, um uns abzusprechen. Der Hintergrund, warum wir uns dort getroffen haben, war - ich weiß nicht, wer das hier noch kennt; manche kennen das ja noch von der Altersklasse her - die Waldheim-Affäre. Dort haben sich die Schülerinnen und Schüler getroffen, um miteinander zu reden, was sie da machen sollen. Das war die Gruppe, die dann das Pferd, das bekannte Holzpferd, nach Rom mitgebracht hat. Also das war der Beginn im Amerlinghaus.

 

Aber wir sind alle Erwachsene geworden. Später war ich dort lang ... (Zwischenruf von GR Hannes Taborsky.) - Was?

 

Dann war ich lang Eltern im Amerlinghaus, und später habe ich das Bezirksmuseum geleitet. Sie können mir also glauben, ich kenne wirklich viele Gruppen im Amerlinghaus, ich weiß, wie es funktioniert, und ich weiß, was die Qualität ist, und natürlich auch, was die Schwierigkeiten sind. Aber ich weiß ganz genau, was es bedeutet, wenn dort zu wenig Geld hinfließt. Dann ist dort nämlich das alles zerstört, was über Jahrzehnte aufgebaut worden ist.

 

Ja, das Amerlinghaus - das wisst ihr - steht für sogenannte partizipative Politik. Ihr wisst, wie es entstanden ist. Es war ein besetztes Haus, Leute sind dort hingekommen und haben gesagt: Wir gehen nicht mehr hinaus! Das Ziel war eine solidarische Gemeinschaft dort aufzubauen. Ich weiß nicht, wer den Spittelberg noch aus den 70ern kennt, viele von euch nicht. (Zwischenruf bei der ÖVP.) - Du nicht?

 

Damals war es ziemlich arg dort. Die Häuser sind zum Teil mit Holzpflöcken stabilisiert worden, weil die Häuser sonst nämlich zusammengebrochen wären. Es war noch vor der Gentrifizierungsphase. Damals haben Jugendliche dort auf der Straße einfach gespielt, und es gab ein Bedürfnis, diese Jugendlichen einzubinden, und das ist im Amerlinghaus passiert. Die erste Form von Jugendarbeit im Amerlinghaus war, dass diese Gruppen, die das Haus besetzt haben, dort begonnen haben, mit den Jugendlichen zu arbeiten, Theaterworkshops zu machen, ihnen ein bisschen Nachhilfe zu geben und sie von der Straße wegzuholen. Das ist die Geschichte des Amerlinghauses - das nur für alle, die es nicht so genau wissen.

 

Dann ist ziemlich schnell die Frauenintegration gekommen und hat als Erste Deutschkurse angeboten, bei denen sie auch Kinderbetreuung dabei gehabt haben. Oh Wunder! Plötzlich sind Frauen zu den Deutschkursen gekommen und haben es auch geschafft, Deutsch zu lernen, obwohl sie kleine Kinder gehabt haben. Die machen das bis heute. Das sind auch die, die in dem Akt stehen. Ich finde es gut, dass die unterstützt werden. Ich hoffe, sie werden weiter unterstützt. Ich weiß aber, dass sie die Ressourcen aus der Miete im Amerlinghaus brauchen, damit sie die Räume dort nützen können. Sonst wird das Projekt so nicht weitergeführt werden können. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ja, man sieht am Amerlinghaus: Es gibt eigentlich auch eine solidarische sozialdemokratische Tradition. Deshalb würde ich mich freuen, wenn die Kollegen von der Sozialdemokratie sich auch mehr für das Amerlinghaus hineinhauen. Aber das wird irgendwann schon passieren.

 

Was man aber dort gesehen hat, ist, dass diese Form von soziokulturellen Projekten, diese Form von partizipativen Projekten, in denen alle gemeinsam Verantwortung übernehmen und miteinander arbeiten, zum Glück aufgenommen worden ist. Sie gilt heute als Vorbild für Stadtentwicklung. Wir wünschen uns eigentlich in vielen Stadtteilen in Wien solche Zentren, wo Leute mit unterschiedlichen Hintergründen, aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenkommen, miteinander ins Gespräch kommen und miteinander Projekte entwickeln. Zum Beispiel macht die Caritas - in dem Fall in der Brunnenpassage beziehungsweise in der Ankerbrotfabrik - genau das. Sie hat so eine Idee weiterentwickelt und hat mehrere solche Räume entwickelt. Einer ist eben die Ankerbrotfabrik, einer ist die Brunnenpassage am Yppenplatz, und dann gibt es noch einen anderen Marktstand.

 

All diese Orte erzählen eigentlich auch eine Geschichte von Wien, wie Teilhabe, wie Chancengleichheit, wie solidarisches Zusammenleben funktionieren kann. Daher verstehe ich nicht genau, warum Sie beginnen, diese Projekte auszutrocknen und die Finanzierung zu reduzieren, obwohl genau hier der Zusammenhalt gezeigt wird, der in dieser Stadt ja funktioniert. Es zeigt sich auch, dass es ganz viele engagierte Menschen in der Stadt gibt, die gerne daran arbeiten, dass wir gemeinsam gut leben können. Das passiert dort - und denen werden

 

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