«  1  »

 

Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 61 von 103

 

versprochen. Der kam nie. (GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Aber eine U-Bahn!)

 

Der Radhighway, der da durchführt - als Superradhighway bezeichnet ihn die Frau Stadträtin -, schaut dort so aus: Er geht durch ein zwei Meter breites Betonloch. Das teilen sich die Radfahrer mit den Leuten, die mit den Trolleys ins Austria Center gehen. Sie teilen es sich mit den Eltern, die zum Kindergarten gehen. Bei uns gibt es auch eine Wohnhausanlage für Rollstuhlfahrer. All das quetscht sich durch diesen Betonschlauch, den die Frau Stadträtin als Megahighway bezeichnet.

 

Die Donau City war immer schon ein Liebling der Medien, weil es dort immer etwas zu berichten gibt. Vor drei Tagen war darüber etwas in der "Presse", wo wirklich schonungslos mit dieser Fehlplanung abgerechnet wurde. Ich glaube, das aufsehenerregendste Ereignis - daran können sich vielleicht manche noch erinnern - war der Windunfall 2007, bei dem eine Frau von einer Windböe erfasst, gegen eine Betonwand geschleudert und schwer verletzt wurde. Sie hat die Stadt Wien geklagt, es war aber chancenlos.

 

Wissen Sie, was so frustrierend ist? - Die Leute wohnen eigentlich gern dort. Warum? - Weil einfach klasse Leute dort wohnen. Es ist sehr bunt. Dort wohnen, ich glaube, 70 verschiedene Nationen. Es ist eine super Lage. Gerade deswegen ist es wahnsinnig ärgerlich, dass dort so gepfuscht wurde. Noch schlimmer ist, dass die Stadt jetzt nicht mehr eingreifen kann, weil dieses ganze Areal eigentlich privatisiert wurde.

 

Zum Wind übrigens noch: Der hat auch damit zu tun, dass man die Investoren dort hat schalten und walten lassen. Ich kann Ihnen Videos zeigen, in denen sich Menschen an Zäune klammern, damit sie nicht weggefetzt werden. Ein Video habe ich von einem Vater, der sein Kind auf eine Bank legt und sich selbst drauflegt, damit das Kind nicht weggeweht wird. Auch da ist im Nachhinein nicht mehr sehr viel zu machen. (GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Ich meine, das ist Vergangenheit!) - Es ist durch sogenannte Windbremsen ein bisschen besser geworden. Das sind riesige Betonkübel, die jetzt wirklich potthässlich in der Gegend herumstehen.

 

Ein weiteres Problem war der CopaBeach. Dort ging in den Discos bis in die Früh die Post ab. Da muss ich sagen, das hat die StRin Sima wirklich gelöst. Dafür gebührt ihr mein Respekt. Sie ist dort einen wirklich unmöglichen Pächter losgeworden. Jetzt kippt das Ganze aber ins Gegenteil. Jetzt wird dort um 22 Uhr zugesperrt. Dort ist es um 22 Uhr zappenduster - an einem der schönsten Orte in Wien, wo man die Sommernächte verbringen könnte.

 

Böse Zungen behaupten, der Herr Bezirksvorsteher hat Angst vor Lärmbeschwerden aus den teuren Wohntürmen, die dort jetzt entstanden sind. (GR Mag. Thomas Reindl: Natürlich! Es ist immer der Bezirksvorsteher schuld!) - Ja wirklich. Der sagt das auch so. Frag ihn! Du hast ja die beste Beziehung zu ihm. (GR Mag. Thomas Reindl: Deswegen haben wir trotzdem in Stadlau …!)

 

Ein weiteres Problem, das sich bis in die Gegenwart zieht: Das Ganze steht ja auf der Platte. Als die Leute dort eingezogen sind, haben sie Broschüren bekommen: Sie werden von der A22 nichts hören, nichts lesen und nichts hören und nichts sehen. (Neuerlicher Zwischenruf von GR Mag. Thomas Reindl. - GR Mag. Josef Taucher: Sie haben ja eine Obsession!) - Nein, da ist der Faymann drauf, Entschuldigung.

 

Sie werden von der A22 nichts hören, nichts riechen und nichts sehen. Tatsache ist: Die endet genau unter den Schlafzimmerfenstern. Die Platte hätte bis zur Floridsdorfer Brücke reichen sollen. Auch das ist nie passiert. Heute haben die Leute 65 Dezibel in den Schlafzimmern. Die ASFINAG hat eine Lärmstudie machen lassen. Lärmschutz ist dort wahnsinnig schwierig. Übrigens hat die ASFINAG voriges Jahr angeboten, wieder eine Lärmstudie zu machen, vielleicht um eine andere Lösung zu finden. Die MA 22 hätte nur ein Ansuchen stellen müssen. Das hat sie nicht gemacht. Ich kann nur vermuten, warum nicht - weil man sich vor diesen Zahlen gefürchtet hat.

 

Ich möchte jetzt noch ganz kurz auf die Geschichte eingehen. Wie kam es überhaupt dazu? - Das ist jetzt wirklich nicht uninteressant. Wie Sie vielleicht wissen, war dort ja die Expo 85 geplant. Dort hätte sie entstehen sollen. Wie Sie wissen, wurde sie abgesagt, weil die Volksbefragung so ausgegangen ist. Dann war natürlich Feuer am Dach. Was machen wir? - Dann ist die WED gegründet worden. Der hat man das ganze Areal - das sind 16 Hektar - um 890 Millionen Schilling verkauft. Das ist nichts. Das ist ein Pappenstiel.

 

Wissen Sie, was das Herrichten gekostet hat, also die Mülldeponie zu entfernen und die A22 gut zu überplatten? - Das hat 1 Milliarde Schilling gekostet. Die WED hat aber nicht einmal die 890 Millionen Schilling bezahlt. Es wurde über die Hälfte gestundet, und zwar unbefristet. Kein Mensch weiß, ob die Stadt Wien jemals ihr Geld bekommen hat. Dieses Stunden war nämlich mit einer Auflage verbunden: dass die WED dort eine Uni entwickelt. Glauben Sie, dass die Uni jemals dort hingekommen ist? (GR Mag. Thomas Reindl: Ist sie ja auch! Die Tech Gate Vienna ist eine Forschungsstätte!)

 

Wo die Uni hätte hinkommen sollen, sind heute hochpreisige Wohnungen um 10 000 EUR pro Quadratmeter. Die hat man nicht verkaufen können. Was hat man gemacht? - Man hat in China inseriert. Jetzt haben wir dort eine sehr, sehr nette chinesische Community.

 

Ich habe das jetzt wirklich ganz absichtlich erzählt, weil wirklich wenige Leute wissen, was dort abgegangen ist. (Zwischenruf von GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi.) Ich will die Donau City überhaupt nicht als gescheitertes Projekt sehen, sondern echt als warnendes Beispiel, das sich nie wiederholen darf. Ein ganzer Stadtteil ist privatisiert worden. Man hat die Investoren dort walten lassen. Der Windunfall ist übrigens nur passiert, weil einfach höher gebaut wurde und die Gebäude gedreht wurden - und keine Windstudien gemacht wurden. (GR Mag. Thomas Reindl: Hat das irgendeine Beziehung zum Akt?)

 

Es geht, wie Sie sehen, bei diesem Geschäftsstück nicht um einen Fußweg. Das sage ich ganz ehrlich. Es geht hier um die Frage, wer zahlt und wer die Stadt gestaltet und darum, dass so etwas bitte hoffentlich nie

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular