Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 55 von 103
alles okay. Auch im West End kann man es sich anschauen, natürlich auch in New York.
Die leben, und die leben gut so. Wir werden das auch in Wien ab der Musicalbühne im Prater erleben, weil die ähnlich funktionieren wird. Das ist ganz eindeutig, da brauchen wir uns keine Illusionen zu machen. Ich sage jetzt gar nicht, ob das gut oder schlecht ist. Es ist einfach so. Wenn im Prater diese Musicalbühne kommt, wird das mit einem Stage Entertainment Center in Stuttgart vergleichbar sein: viele Sitzplätze, und wir werden dort halt "Der König der Löwen" sehen und werden dort auch Hamburger, Pommes und Popcorn während der Vorstellung essen - auch okay. Das hat ein Publikum, und ich sage nicht, dass das schlecht ist. Und ich gebe dir recht: Es wird dort sicher kein 40-köpfiges Orchester geben.
Jetzt kommt aber schon ein bisschen das Aber auch. Die Kollegin hat es richtig gesagt: Der Selbstfinanzierungsgrad der Musicalsparte der Vereinigten Bühnen sinkt. Er sinkt - ein schlechtes Zeichen -, obwohl die Preise höher geworden sind, obwohl gute Stücke da sind, obwohl die Auslastung sehr, sehr gut ist und obwohl - und das muss man auch dazusagen ... Warum die Förderung letztes Jahr schon, als man über die Höhe diskutieren können hätte, weil zum Beispiel "Das Phantom der Oper" verlängert worden ist ... Und natürlich, wenn ein Musical in den Long Run geht, entstehen logischerweise weniger Kosten. Wenn man im Jahr zwei-, dreimal das Bühnenbild wechseln muss und alles wechseln muss, ist das teurer, als wenn man ein Musical durchspielt.
Man hat sowohl das Falco-Musical als auch "Das Phantom der Oper" - "Das Phantom der Oper" ist übrigens verlängert worden, wird jetzt sogar noch bis nächstes Jahr im Sommer gespielt - das ganze vorige Jahr durchgespielt. Da hat es keinen Wechsel gegeben, obwohl eigentlich geplant war, dass es im Raimund Theater schon im Sommer zu einem Wechsel kommt. Daher: weniger Kosten, mehr Einnahmen, höhere Preise - alles super. Trotzdem sinkt der Selbstfinanzierungsgrad, und das muss man ganz wertfrei sagen und sagen dürfen. Kollege Reindl, da muss man sagen dürfen, dass man da sehr wohl hinschauen muss.
Zum Orchester: Ich gebe dir recht. Es ist das beste Orchester, das man sich vorstellen kann. Aber man muss fairerweise auch sagen - wie soll ich das sagen? Das Wort Beamte darf ich nicht in Mund nehmen, das ist falsch -, es haben sich halt im Laufe der Jahrzehnte bei diesen großen Kulturhäusern auch Annehmlichkeiten angesammelt, die man halt schwer wieder hergibt. Das ist halt so, ich will das jetzt gar nicht werten. Aber natürlich ist es auch das teuerste Orchester, natürlich gibt es da auch besonders hohe Gehälter und Prämien, und was es halt so gibt, wenn man lang quasi beamtet tätig ist. Das muss man halt auch sagen, und man muss hinschauen. Es ist nicht nur im Orchester so, sondern natürlich auch bei den Bühnenarbeitern und -arbeiterinnen und, und, und. Also der ganze Staff dahinter ist natürlich größer als bei allen anderen vergleichbaren Bühnen, weil wir halt in Österreich so sind und weil wir uns das halt auch über die Jahrzehnte, fast Jahrhunderte, gut leisten können haben. Da muss man aber schon fairerweise sagen, in Zeiten von knappen Kassen, muss es auch erlaubt sein - und da hat die Kollegin recht -, da hinzuschauen, vor allem, wenn der Selbstfinanzierungsgrad sinkt. Da muss man einfach hinschauen, es geht gar nicht anders.
Und noch ein Aspekt, der bei den Vereinigten Bühnen, vor allem bei der Musicalsparte, dazukommt, ist, was wir nicht dazusagen: Dadurch, dass eben selten Walt-Disney-Stücke gespielt werden, haben wir auch eigene Stücke gemacht, was super ist. Wir sind urstolz auf "Elisabeth", weniger stolz vielleicht auf "Rudolf", aber auf "Elisabeth" sind wir sehr stolz.
Aber die Einnahmen, wenn "Elisabeth" in Japan oder irgendwo gespielt wird, sind schon zusätzliche Einnahmen. Und ich möchte nicht sagen, ich glaube, dass die ... Ich kenne sie nicht, weil wir die Zahlen sehr, sehr schwer im Detail sehen. Aber ich gehe davon aus, dass das nicht wenig ist, und das ist ja eine zusätzliche Einnahme, die wir auch finanziert haben, ebenso wenn vor Schönbrunn gespielt wird oder was auch immer. Auf jeden Fall sind diese Auslandseinnahmen nicht zu vernachlässigen. Sie sind gut, und Gott sei Dank haben wir sie.
Trotzdem sage ich es noch einmal: All diese Gründe verlangen sehr wohl, dass man da hinschauen kann, warum der Selbstfinanzierungsgrad sinkt.
Und ja, wir werden wie jedes Jahr zustimmen. Letztes Jahr haben wir ein bisschen die Höhe kritisiert, haben im Ausschuss auch erlebt, dass es jetzt weniger ist. Aber was uns schon noch aufstößt - und da muss ich dem Kollegen Berger zu 100 Prozent recht geben: Wir haben auch nicht gewusst, dass die Kammeroper schließt, und das eine Woche - ein paar Tage; ich weiß nicht; drei Tage - nach der Ausschusssitzung, nachdem wir die Subvention, die die höchste Subvention in unserem Kulturbudget ist - ich sage es noch einmal dazu -, erfahren. Wir überlegen uns: Wie können wir die einsparen? Die Fragen werden noch gestellt: Wie könnt ihr sie einsparen? Was macht ihr? - und keiner sagt uns, dass sie eigentlich eines der vier Häuser zu schließen vorhaben, auch wenn es das günstigste ist, auch wenn es das Mietobjekt ist. Da bin ich bei allem d'accord, aber sagen hätte man uns das auf jeden Fall können. Das heißt ja nicht, dass wir deswegen dagegen gewesen wären, aber wir hätten es einfach besser verstanden und hätten es anders einordnen können. So bleibt immer ein bisschen ein schaler Nachgeschmack da, und man denkt sich: Aha! Okay! - Das ist irgendwie schade. Ich kann es nicht anders sagen.
Also ja, wir werden zustimmen. Wir haben aber auch intern diskutiert, ob wir zustimmen oder nicht zustimmen. Es ist ein Akt, bei dem wieder alle zustimmen, was gut ist. Ich sage es noch einmal: Ich bin sehr froh, dass wir die Vereinigten Bühnen haben, aus wirtschaftlicher Sicht, aus touristischer Sicht, besonders, was die Musicalsparte betrifft, hoffe aber trotzdem, dass Anregungen - ich nenne es nicht Kritik, sondern Anregungen - von der Opposition weiterhin gewünscht sind und man sich vielleicht auch das eine oder andere zu Herzen nimmt. - Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)
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