Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 53 von 103
Jüngere dabei, die auch ein sehr gutes Programm gemacht haben.
Es ist richtig, die Kammeroper ist seinerzeit gegründet worden, nur um dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Jetzt ist es ein bisschen durchmischt. Warum? - Weil viele gute Sängerinnen und Sänger bereits den Weg ans Theater an der Wien gefunden haben.
Das, was mir aber bei der Kammeroper schon aufgefallen ist, ist, dass sie technisch, sage ich einmal, etwas in die Jahre gekommen ist. Und damit meine ich jetzt nicht nur die Be- und Entlüftung. Ich war Anfang Dezember dort und es hat in dem Raum, wo zirka 350 Menschen waren, zirka 30 Grad gehabt. Ich will gar nicht wissen, wie es im Sommer dort ist. Aber das ist halt so die Gegebenheit.
Zweitens: Das Haus gehört nicht der Stadt Wien, sondern wir sind dort Mieter, ja, das kommt auch noch dazu.
Und drittens: Wenn man dort eingreifen und sanieren will - und Teile des Hauses kann man nicht verwenden, zum Beispiel den Balkon, ja -, dann muss man das in Abstimmung mit den Mietern machen, und das soll jetzt stattfinden. Daher haben die Vereinigten Bühnen Wien gemeinsam mit dem Intendanten Herheim beschlossen, dass sie die Kammeroper nun pausieren werden. Und ich sage: pausieren. Ich hoffe natürlich, dass man in 2, 3, 4 Jahren, wann auch immer, dort wieder weiterspielen kann, sicher unter anderen Rahmenbedingungen, wenn das Haus saniert ist, beziehungsweise ändert sich vielleicht auch beim rechtlichen Status etwas, aber das ist das Um und Auf. Aber die Beschäftigten, die dort sind, und auch die Sängerinnen und Sänger - die sind zum Teil halt dazuengagiert worden -, die im Staff sind, werden die Chance bekommen, bei einer der 102 Vorstellungen im großen Haus, im Theater an der Wien, aufzutreten. Es gibt ja nicht nur die sieben großen Opernpremieren, sondern wir haben ja dort auch noch 42 Sonderveranstaltungen allein für nächstes Jahr geplant, bei denen es Opern konzertant oder auch andere Musikvorführungen oder Arienabende gibt. Und hier sollen die Personen eingebunden werden.
Es ist eine große Leistung vom Intendanten Stefan Herheim - der sicher nicht damit gerechnet hat, als er die Berufung bekommen hat, dass er mit einem Sparbudget beschäftigt sein wird - und seinem Team, dass die mit den neuen Rahmenbedingungen hervorragend umgehen, Superproduktionen dort machen werden und auch eine hervorragende Auslastung haben. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Eine meiner Vorrednerinnen hat gesagt: Na ja, in Deutschland gibt es beim Musical ja einen hohen Deckungsgrad und bei uns nicht! - Also das ist ja eigentlich ein Witz. Also ich finde es schon ein bisschen - wie soll ich denn sagen? - pietätlos, ein Blockbuster-Musical in Hamburg mit den Vereinigten Bühnen zu vergleichen, nicht weil dort schlechte Qualität geliefert wird, im Gegenteil. (Zwischenruf von GR Johann Arsenovic.) - Bitte? (GR Johann Arsenovic: ... kein Blockbuster?) - Nein, lass mich ausreden! Hör mir zu! - Ein großer Unterschied ist aber, ob man so wie in Wien 40 Personen im Orchestergraben sitzen hat, die live spielen und für die wir Arbeitsplätze schaffen, oder ob die Musik aus der Dose kommt. Das ist ein ganz großer Unterschied. (Beifall bei der SPÖ und von GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel.)
Ich war voriges Jahr in New York, habe mir auch zwei Musicals angeschaut. Bei einem hat es Livemusik gegeben - also zwei Musiker, der Rest war aus der Dose -, beim anderen Musical waren überhaupt keine Musiker. Das heißt, wir schaffen schon sehr viele hochwertige, hochqualitative Arbeitsplätze, die natürlich Geld kosten. Man ist dann halt natürlich in einer anderen Situation, wenn man ein Orchester hat, entsprechende Bühnentechnik hat, eine entsprechende Ausstattung hat und auch sehr gute Sängerinnen und Sänger und ein sehr gutes Ensemble hat, so wie wir es in Wien haben. Da hat man eine andere Preisgestaltung, als wenn man ein Standardprodukt hat, bei dem man Standards setzt und die MusikerInnen, also die KünstlerInnen sich an den Standard anpassen müssen, statt dass sich der Standard an die Kunst anpasst. Das ist schon bei uns ein bisschen anders.
Es ist auch dort sehr gut, es wird auch dort sehr gut besucht. Aber es ist keine Frage der Auslastung. Versuchen Sie jetzt einmal, im Ronacher eine Karte fürs neue Musical zu bekommen! Da wird es wahrscheinlich nächstes Jahr September oder Oktober, bis Sie sich Karten aussuchen können. Und wenn Sie zum "Phantom der Oper" gehen: Auch das wird in einer anderen Qualität gespielt. "Das Phantom der Oper" hat man sich auch in der Stadthalle anschauen können, aber halt mit amerikanischen Methoden, das heißt, mit Musik aus der Dose, und man kriegt eine Show vorgeführt. Das ist sehr gut, wird auch angesehen, aber wir haben eine andere Produktion. Daher, bitte das beachten!
Kurz noch zum Volkstheater: Also das Volkstheater hat schon einen schweren Wellengang hinter sich. Damit meine ich nicht nur die Pandemie, weil die alle Theater betroffen hat. Es hat auch einen Umbau gegeben, es hat eine lange Schließzeit gegeben. Das hat die Josefstadt nicht gehabt. Weder das Burgtheater noch das Akademietheater hat eine Schließzeit gehabt.
Es ist auch so, dass halt auch das Publikum ... Also wenn man jetzt zum Beispiel mit dem Volkstheater in die Außenbezirke geht ... Ich hatte hier als junger Mensch auch einmal ein Abo, aber ich war damals schon sehr, sehr jung, als ich das Abo hatte. Ich will niemanden kritisieren, aber das heißt, da ist eine Transformation notwendig, hier müssen neue Publikumsschichten erschlossen werden. Kay Voges hat schon sehr große Aufbauarbeit geleistet. Der neue Direktor wird das, wie wir jetzt schon sehen, mit sensationellen Stücken erfolgreich fortsetzen. Wenn man dort hineingeht und sich das anschaut: Es ist für mich inzwischen ein Jungbrunnen, weil ich nicht mehr der Jüngste bin, sondern mich jetzt wirklich schon etwas älter zwischen den vielen jungen Leuten dort fühle. Das ist eine Aufbauarbeit, das ist nicht so einfach. Aber ich habe großen Respekt davor, wie hier diese Aufbauarbeit gemacht wird. (Beifall bei der SPÖ und von GR Thomas Weber.)
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