Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 52 von 103
teilt wird, läuft es im Endeffekt auf dasselbe hinaus. (Beifall bei der FPÖ.)
Ich möchte an dieser Stelle schon auch ausdrücklich festhalten, ich begrüße das ja immer sehr, wenn die Frau Stadträtin Interviews macht, sei es mit der einen oder anderen Zeitung oder, wie auch am vergangenen Montag, mit dem ORF. Aus einem Interview erfährt man nämlich viel, viel mehr, nämlich sogar ein Vielfaches von dem, was man in einem Gemeinderatsausschuss oder hier auch im Gemeinderat mitgeteilt bekommt. Und ich sage Ihnen an dieser Stelle schon ganz offen: Von einem Fördernehmer, der jeden siebenten Euro aus dem Kulturbudget erhält, würde ich mir an Ihrer Stelle als Stadträtin nicht gefallen lassen, dass mehr oder weniger frei geschaltet und gewaltet wird, sondern da würde ich mir sehr wohl von einem Geschäftsführer erwarten, dass er mir laufend Bericht erstattet, welche Maßnahmen getroffen werden, was der größte Fördernehmer aus dem Kulturbudget mit diesen Fördermaßnahmen vorhat. Das sollte nämlich eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, nicht nur für die Stadt Wien, sondern schlichtweg auch jenen gegenüber, die die Mittel dazu beisteuern, und das sind die Wiener Steuer- und Gebührenzahler, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Und dass ich es sehr bevorzuge, das der Frau Stadträtin tatsächlich auch von Angesicht zu Angesicht mitzuteilen, hat den Grund, dass wir immer wieder auf Nachfragen zu diesem größten Fördernehmer der Stadt Wien hören: Ja, die Eigentümerschaft ist ja in einem anderen Ressort angesiedelt, das ist das Finanzressort, das ist die Wien Holding, und wir sind ja nur der Fördergeber!
Ich darf noch einmal daran erinnern: Jeder siebente Euro wird in diesen Fördernehmer investiert. Und ja, da erwarte ich mir auch, sage ich ganz offen, von einer Ressortspitze, von einem Politiker, von einer Politikerin entsprechende Leadership, Führungsverantwortung und auch Managementqualitäten, um sich laufend informieren zu lassen, sich entsprechend auf den aktuellen Stand der Dinge bringen zu lassen, wenn hier solche Fördersummen ausgezahlt werden, und nicht, wie Sie es auch in Ihrem Interview ausgedrückt haben: Na ja, ob die Kammeroper jetzt offen hat, soll allein die Geschäftsführung entscheiden. - Nein, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Stadt Wien ist der Fördergeber. Wenn ein nicht unwesentlicher Bestandteil der bisherigen Struktur, des bisherigen Programmes schlichtweg eingestellt werden soll, dann ist das kein unerhebliches Faktum. Und hier appelliere ich wirklich an Ihre Führungsqualität und möchte, dass Sie dem eindringlich nachgehen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Denn eines sage ich ganz offen: Zu Veranstaltungen von Fördernehmern zu gehen, dort eine amüsante Eröffnungsrede zu halten, schlichtweg Schönwetterpolitik zu betreiben, das hat in den letzten Jahren eh ganz gut geklappt. So, jetzt sind die Zeiten halt nun einmal andere, ja. Und ich schätze den Herrn Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen wirklich durchaus, er hat in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt, was entsprechende Renovierungen und so weiter und so fort anbelangt. Aber hier appelliere ich wirklich eindrücklich an Ihre Leadership, an Ihre Managementqualitäten, an Ihre Führungsqualitäten, um entsprechend einzufordern, dass eben die Kammeroper hier erhalten bleibt.
Wir wissen auch als gewissermaßen gelernte Österreicher - wir haben gehört, ab dem Herbst soll der Betrieb eingestellt werden - bei allem, wovon einmal in Aussicht gestellt wird, dass es ein Jahr geschlossen bleibt, wird sich das dann auch in Zukunft entsprechend so fortsetzen. Wir haben die Budgetzahlen der Stadt Wien mit Prognosen für 2030, 2031 gehört. Da werden keine Wunderdinge mehr möglich sein, und dementsprechend warnen wir davor, hier bezüglich der Kammeroper ein Begräbnis erster Klasse vorzunehmen. Wir appellieren an Sie als Stadträtin, hier entsprechend auch den Fördernehmer, an der Nase zu nehmen - um es einmal so zu formulieren - und schlichtweg diese wichtige Einrichtung auch in Zukunft sicherzustellen. (Beifall bei der FPÖ.)
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Reindl.
GR Mag. Thomas Reindl (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin!
Kurz, die Akten, die heute vorliegen - eine Subvention für das Volkstheater und die Vereinigten Bühnen Wien -, sind, glaube ich, vom Grundsatz her insofern nicht problematisch, als wir ja wollen, dass diese Häuser weiterhin Kunst auf hohem Niveau betreiben.
Das, was aber eingetreten ist, ist das, was die Opposition über viele Jahre gefordert hat, nämlich, dass die Subvention an die Vereinigten Bühnen nicht dauernd ins Unermessliche steigen darf, weil die Subvention viel zu stark steigt, weil die Subvention ins Uferlose geht - ich zitiere hier aus Reden von KulturpolitikerInnen der Opposition. Ja, und heuer ist es der Fall, dass die Subvention nicht steigt, sondern gekürzt wird, und zwar um einen sehr erheblichen Betrag. Das macht niemandem Spaß, das ist auch keine Freude, aber es ist halt eine finanztechnische Notwendigkeit. Und sich auf der einen Seite hinzustellen und zu kritisieren, wenn Subventionen steigen, und auf der anderen Seite, wenn dann Kürzungen stattfinden, zu sagen: Na ja, also das geht doch alles nicht so!, ist bitte eine Einstellung, die ich nicht nachvollziehen kann, die viele meiner Kollegen nicht nachvollziehen können. Wenn man Geld ausgibt, werfen Sie uns vor, wir sparen zu wenig. Wenn wir sparen, werfen Sie uns vor, dass wir nicht mehr Geld ausgeben. Also das ist ein Widerspruch in sich, und das löst sich sowieso auf. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Ich war kürzlich in der Kammeroper bei L'Orontea. Die spielt es noch - falls sie jemand noch nicht gesehen hat -, eine 400 Jahre alte Oper, sehr erfrischend, sehr lustig, ein vergnüglicher Abend, drei Stunden auf kleiner Bühne mit einem kleinen Staff, einem kleinen Orchester. Übrigens, die Nachwuchskräfte, die dort gesungen haben, haben zum Teil jahrzehntelange Erfahrung in der Volksoper und in der Josefstadt, haben lange Erfahrungen als Sängerinnen und Sänger in anderen Theatern, und die waren alle super. Ja, es waren auch zwei, drei
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