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Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 46 von 103

 

sante und aufregende Berichte und Dokumente geben, die die Arbeit vom QWIEN darstellen werden.

 

Wir haben mit dem QWIEN einen Ort für queere Geschichte, für ein queeres Archiv auf 900 Quadratmetern geschaffen. Da wird wirklich die Stadtgeschichte von der Vergangenheit bis zur Gegenwart dargestellt. Es ist ein Archiv und eine Wissensdrehscheibe. Es gibt dort zum Beispiel das gesamte Archiv des Aids-Hilfe-Hauses über die Entstehung hinweg. Ich habe mir das vor Ort angeschaut, das ist wirklich massiv viel, das sind viele Kartons, Schachteln, wo das alles fein säuberlich eingearbeitet ist. Das ist aber noch immer nicht aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich sage Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist ein extrem wichtiger Schritt, dass wir diese, unsere queere Geschichte in dieser Stadt darstellen können. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Dafür möchte ich mich ausdrücklich beim Team von QWIEN bedanken, dass sie diese Arbeit machen. Ich sage das hier ganz offen, wir, die queere Community, haben ein Recht auf unsere eigene Geschichte. Und wir haben ein Recht, dass diese Geschichte zugänglich gemacht wird. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Ein Schwerpunkt für 2026 von QWIEN ist die Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte, wie man mit queeren Menschen umgegangen ist. Wie so oft hat Österreich da keine besonders rühmliche Rolle gespielt. Es ist eine Tatsache, dass das Totalverbot für homosexuelle Handlungen, nämlich für Männer und Frauen, erst 1971 überhaupt aufgehoben wurde. Nahtlos von der NS-Zeit weg ist diese Verfolgung weitergegangen.

 

Die Menschen, die in KZs im rosa Winkel gewesen sind, sind danach nicht rehabilitiert worden. Es ist ihnen weiterhin Unrecht widerfahren, sie sind weiterverfolgt worden. Das ist etwas, was genau dieses queere Archiv festhalten und aufarbeiten wird. Ich weiß, dass das auch unangenehm sein kann, aber es ist das Recht unserer Community, dass auch das dargestellt wird. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Bei der Eröffnung hat QWIEN mit einer Ausstellung gestartet, die mich persönlich wirklich sehr berührt hat, weil es darum ging, wie man in einer Ausstellung queere Geschichte darstellt. Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, das queere Leben hat über Jahrhunderte und Jahrtausende immer im Geheimen stattfinden müssen. Es gibt wenig Evidenz, und es gibt kaum Objekte aus der Vergangenheit, die queeres Leben wirklich zeigen und darstellen. Denn wie war die Realität? - Die Liebesbriefe wurden nicht in die Schuhschachtel gesteckt und in den Keller getragen, die wurde meistens in der Sekunde vernichtet, weil sie gefährlich waren. Alle Zeichen des queeren Lebens wurden unter der Tuchent behandelt, somit können wir in einer Ausstellung kaum Objekte hervorzaubern, die wirklich das queere Leben dokumentieren.

 

Umso berührender, finde ich, ist die Ausstellung, die jetzt noch erweitert wurde und noch länger läuft, wo 27 dokumentierte Objekte ausgestellt werden, die natürlich wissenschaftlich und sachlich erforscht wurden. Nur die Objekte dazu mussten nachgebaut werden, weil sie nicht vorhanden waren. Somit bringe ich euch hier einen Hut mit. (Die Rednerin hält ein bedrucktes Blatt Papier in die Höhe.) Das ist der Hut von Johann Carl Smirsch. Dieser Johann Carl Smirsch trat Anfang des 19. Jahrhunderts regelmäßig als Frau auf einer Bühne auf. Von diesem Hut sind nur ganz rudimentäre Skizzen übrig. Diese Skizzen wurde rekonstruiert, der Hut wurde nachgebaut, und dieser Hut ist jetzt kombiniert mit der Geschichte von Johann Carl Smirsch in diesem Museum anzuschauen.

 

Aus diesem Grund bitte ich wirklich um Zustimmung zu dieser Förderung, damit wir noch viele von diesen Objekten sehen können und damit wir noch viel von dem Museum lernen können. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu diesem Akt. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Kickert, und ich erteile es ihr. - Bitte.

 

13.43.11

GRin Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, werter Gemeinderat!

 

Ich möchte dem, was die Kollegin Haase gesagt hat, das hinzufügen, was ich glaube, was zusätzlich zur Unterstützung eines Museums für queere Geschichte ein allgemeiner Gewinn für die Stadt ist. Da spreche ich ganz spezifisch den Wissenschaftssprecher der ÖVP an. Denn was braucht es, um ein Museum führen zu dürfen und als Museum genannt zu werden? - Es braucht nicht nur eine Sammlung, die ständig erweitert und auch ausgestellt werden sollte, es braucht auch eine wissenschaftliche Arbeit. Ich lade den Dr. Gorlitzer, aber auch alle anderen, die daran interessiert sind, ein, das neue QWIEN zu besuchen und sich anzuschauen, was für eine wissenschaftliche Arbeit dort geleistet wird.

 

Denn neben den Ausstellungen und den Veranstaltungen und neben der Fortsetzung der Digitalisierungsarbeit all dieser Akten und Bestände, von denen Kollegin Haase geredet hat, der Erfassung und Digitalisierung der Straftaten und der Strafakten, zu genau dem Zweck, auf den die Kollegin Haase schon eingegangen ist, gibt es unzählige Forschungsprojekte, von denen ich jetzt nur einen kurzen Ausschnitt mache.

 

Neben der internationalen Zusammenarbeit gibt es Zusammenarbeit und Forschungsprojekte mit der österreichischen Akademie der Wissenschaft, mit dem Institut für Konfliktforschung, eine sehr enge Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Gusen und weitere Projekte, zum Beispiel mit dem Jüdischen Museum Wien und dem Theater an der Wien. Also ich glaube, dass das darstellt, was das QWIEN für die Stadt Wien als Museum in der wissenschaftlichen Aufarbeitung bringt.

 

Es kombiniert sehr, sehr viele Aspekte der Geschichte dieser Stadt mit Lesben und Schwulen und deren Geschichte, aber nicht ausschließlich. Genau darum geht es auch uns GRÜNEN bei der Unterstützung des QWIEN.

 

Wir können uns sehr gerne auch mit Ihnen, den Kolleginnen und Kollegen der FPÖ, extra Führungen ausmachen. Es wäre jedenfalls etwas, was auch Ihnen guttut, ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Selbst wenn ich überzeugt davon bin, dass ich jetzt mit meiner

 

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