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Gemeinderat, 9. Sitzung vom 18.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 6 von 103

 

bekanntmachen sollen. Ein Ergebnis der Studie ist aber auch: Gewalt an Frauen kann unabhängig von Alter, Herkunft und finanziellem Hintergrund passieren. Was tut Wien? - Wien bietet konkrete Unterstützung, im Bedarfsfall 365 Tage im Jahr, nämlich mit dem 24-Stunden-Frauennotruf. Besonders wichtig als wesentlicher Player ist da auch der Verein der Wiener Frauenhäuser, ein ganz wichtiger Partner in unserem eng geknüpften Gewaltschutznetz. Dort stellen wir den Frauen, die von Gewalt betroffen sind, 228 Plätze zur Verfügung, inklusive einer auf das Bedürfnis von jungen Frauen spezialisierten Einrichtung. Für die Zeit nach dem Frauenhaus-Aufenthalt, also für den ersten Schritt in ein gewaltfreies Leben, gibt es bei Wiener Wohnen 54 Übergangswohnungen.

 

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist auch das sichere Fortgehen. Wir arbeiten da wirklich intensiv mit Clubs und Veranstaltern zusammen. Diesbezüglich hat zum Beispiel das Frauenservice der Stadt Wien einen Empowerment-Workshop entwickelt. Er startet jetzt im Jänner 2026. Da geht es auch um das sichere Fortgehen.

 

Parallel informieren wir schon des Längeren und immer wieder, weil es mir sehr wichtig ist, mit Kampagnen. Da fokussieren wir auf das Thema K.o.-Mittel, es finden laufend Rettungsanker-, Zivilcourage-Workshops statt, Selbstverteidigungsworkshops. Wir empowern die Mädchen bei unserem Projekt "Respekt: Gemeinsam stärker"; da haben wir im September zu Schulbeginn wieder mit zehn weiteren Schulen starten können. Es haben insgesamt schon 40 Schulen bei diesem Respekt-Projekt mitgemacht. Dort arbeiten wir ja ganz bewusst - das ist auch ein wesentlicher Teil unserer Gewaltschutzpolitik - mit den Burschen, denn sie sind - das habe ich gestern auch ausführen dürfen - wirklich Teil der Lösung. Deshalb war es auch ganz klar, dass wir die Mittel der Männerberatung erhöhen, als diese ganz dringend gebraucht wurde.

 

Ich könnte noch einiges anführen, wie zum Beispiel unseren Gewaltschutz-Jour-fixe, den es seit Jahrzehnten gibt, wo wir uns auch eng mit der Wiener Polizei vernetzen. Ich danke auch den Supermarktketten, die uns unterstützen und bei den Rechnungen unsere Notrufnummern niederschwellig abdrucken. So hoffen wir, auch Frauen zu erreichen, die wir sonst vielleicht nicht erreichen würden. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Danke für die Beantwortung. Üblicherweise steht der Anfragenstellerin die 1. Zusatzfrage zu, in meinen Unterlagen ist es anders verzeichnet. Haben Sie eine Zusatzfrage? Nein? - Gut, dann kommt die 1. Zusatzfrage bitte von GRin Keri.

 

9.09.59

GRin Sabine Keri (ÖVP): Guten Morgen!

 

Ich habe eine Frage an Sie, Frau Stadträtin. Wir wissen, dass sich jetzt immer mehr Migrantinnen trauen, um Hilfe zu fragen, wenn sie von Gewalt bedroht oder betroffen sind, und das ist auch gut so.

 

Gleichzeitig steigt natürlich der Druck auf unser Gewaltschutzsystem. Gibt es einen Plan, wie man diesen steigenden Bedarf sozusagen decken kann?

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Bitte.

 

VBgm.in Kathrin Gaál: Schönen guten Morgen, Frau Gemeinderätin!

 

Ja, die Herausforderungen werden nicht kleiner. Deswegen war es mir auch wirklich sehr, sehr wichtig, dass wir in diesen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, die die Planbarkeit noch schwieriger machen, unser Budget in diesem Bereich wirklich stabil halten. Wir haben viele, viele großartige Vereine - und ich weiß, dass du das weißt -, die auch gerade in diesem Bereich, den du angesprochen hast, tätig sind und Frauen mit Migrationshintergrund besonders unterstützen, die unsere Hilfe brauchen.

 

Wir konnten garantieren, dass diese Vereine auch weiterhin unsere Unterstützung und die Stadt Wien als verlässliche Partnerin an ihrer Seite haben. Also ich tue alles, um unser dichtes Gewaltschutznetz aufrechtzuerhalten und mitunter noch dichter zu machen, und das ist unser Plan.

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Die 2. Zusatzfrage kommt von GRin Wirnsberger.

 

9.13.10

GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Schönen guten Morgen, Frau Vizebürgermeisterin!

 

Danke schön für die Ausführung über die vielfältigen Aktivitäten, die zu den wichtigen 16 Tagen stattgefunden haben. Auch die GRÜNEN-Frauen waren auf der Straße in den "16 Tagen gegen Gewalt", haben unter anderem Unterschriften gesammelt für die Petition "Nur Ja heißt Ja", die ins Leben gerufen wurde, nachdem der Dringliche Antrag der GRÜNEN im Parlament abgelehnt wurde, unter anderem von SPÖ und NEOS.

 

Eine ganz wichtige Initiative, auf die Sie auch hingewiesen haben zum Auftakt der 16 Tage am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, ist "Orange the World". Da geht es darum, dass man mit der Signalfarbe Orange ein sehr klares Zeichen setzt und darauf aufmerksam macht. Beim Rathaus wird seit letztem Jahr, glaube ich, die Fahne gehisst. Ich freue mich sehr, dass wir uns da einig sind, dass solche Symbole auch ein ganz wichtiger Mosaikstein sind, aufmerksam zu machen auf die Bedeutung und Awareness zu schaffen.

 

Wenn es um Awareness schaffen geht, dann spielt der öffentliche Raum eine ganz wichtige Rolle. Deshalb lautet meine Zusatzfrage heute an Sie, ob Sie sich vorstellen könnten, nächstes Jahr zum Auftakt der "16 Tage gegen Gewalt" zu unterstützen beziehungsweise sich dafür einzusetzen, dass in den Bezirken Sitzbänke orange eingefärbt und mit der Schrift versehen werden "Kein Platz für Gewalt" und auch mit Hinweisen versehen werden, analog oder digital, wo Frauen Hilfsangebote finden. Es gibt solche Bänke schon. Es wäre schön, sie überall zu haben.

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Frau Vizebürgermeisterin, bitte.

 

VBgm.in Kathrin Gaál: Also ich bin ja grundsätzlich für vieles zu haben, und ich teile Ihre Einschätzung, dass das Sichtbarmachen etwas ganz Wesentliches ist und sicher nichts, was man irgendwie lächerlich machen soll oder wo man sagen soll, was löst denn das für ein Problem, wenn wir zum Beispiel eine Bank orange machen

 

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