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Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 100 von 112

 

eines Dreijährigen schildern. Geboren wurde er mit einem Gendefekt, der zu einer Stoffwechselerkrankung geführt hat. Seit seiner Geburt ist er daher in der Kinderabteilung des AKH jährlich beim Screening und hat ein gutes Ärzteteam, das sich bei Problemen um ihn kümmert. Innerhalb eines Jahres hatte der Dreijährige zwei klassische Kinderkrankheiten, die mit Antibiotika behandelt werden mussten, und fünf Mittelohrentzündungen, die auch mit Antibiotika behandelt werden mussten, bevor die Kinderärztin ihn zum HNO-Arzt überwiesen hat. Der HNO-Arzt hat deutlich vergrößerte Polypen diagnostiziert. Die Eltern des Dreijähren haben dann die Kinderklinik im AKH kontaktiert, um einen OP-Termin zu vereinbaren - Wartezeit: neun Monate. Da der Kleine auch privat versichert ist, wurden die Privatspitäler durchgerufen. Die haben alle eine OP abgelehnt, weil es sich wegen der Stoffwechselerkrankung um ein krankes Kind handle und kranke Kinder nicht operiert würden. Gefunden wurde dann eine HNO-Ärztin des St. Anna Kinderspitals, die den Eltern mitgeteilt hat, dass die Mandeln zum Glück nicht vergrößert seien, weil sie sonst einen 15-minütigen statt eines zehnminütigen OP-Slots benötigen würde, was zu einer Wartezeit von acht Monaten geführt hätte. So konnte die OP nach fünf Monaten stattfinden. Während der Wartezeit kamen drei weitere Mittelohrentzündungen inklusive Antibiotikabehandlung hinzu.

 

Wegen eines fehlenden OP-Slots von zehn Minuten werden Kinder dieser Stadt mit Antibiotika vollgepumpt. Und wer ist schuld an den langen OP Wartezeiten? - Die Gastpatienten aus Niederösterreich und dem Burgenland. Zusammenfassend, wenn im Wiener Gesundheits- und Sozialsystem etwas falsch läuft, sind immer alle anderen schuld, nur der zuständige Gesundheitsstadtrat ist nicht nur in der Vorweihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über ein unschuldiges Engerl. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Redezeit war fünf Minuten. Die Restredezeit für die FPÖ ist daher sechs Minuten.

 

Zum Wort gemeldet: GRin Däger-Gregori. Ich erteile es ihr. Sieben Minuten Redezeit.

 

20.03.48

GRin Luise Däger-Gregori, MSc (SPÖ)|: Vielen Dank, Herr Vorsitzender, sehr geehrte Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, liebe Kolleginnen und Kollegen und sehr geehrte Damen und Herren, die Sie jetzt noch am Livestream ausharren!

 

Es stellt sich die Frage, wie Wien soziale Sicherheit auch unter schwierigen Rahmenbedingungen organisiert. Mein Schwerpunkt ist heute die Pflege, umfasst drei zentrale Säulen des Pflegesystems, nämlich den Fonds Soziales Wien, das Kuratorium der Wiener Pensionistenhäuser oder Häuser zum Leben und den Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen. Diese drei Bereiche, meine Damen und Herren, zeigen sehr klar: Dieses Budget steht für Stabilität, steht für Entlastung und gezielte Weiterentwicklung.

 

Zum Fonds Soziales Wien: Die Pflege wird weiterhin gesichert, bedarfsgerecht und leistbar. Er ist die soziale Drehscheibe dieser Stadt. Rund 139 700 Menschen erhalten jährlich Unterstützung, gemeinsam mit etwa 170 Partnerorganisationen. Der FSW stellt sicher, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird, rasch, professionell und leistbar.

 

Und mit geplanten Aufwendungen von rund 3 Millionen EUR - wir haben es heute schon gehört - für 2026 zeigt sich eine klare Prioritätensetzung. 93 Prozent der Mittel fließen beim FSW direkt in Leistung, nur 7 Prozent in Verwaltung und Eigenaufwand. Das ist ein klares Bekenntnis zur Wirkung im Alltag der Menschen. Ein großer Teil dieses Budgets entfällt auf Pflege und Betreuung. Gesichert werden mobile, teilstationäre Angebote - Heimhilfe, Hauskrankenpflege, Tageszentren - ebenso wie betreutes Wohnen, Pflegeplätze und Pflegeeinrichtungen mit ärztlicher Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

 

Der FSW setzt dabei bewusst auf ein starkes ambulantes System. Pflege zu Hause bedeutet Selbstbestimmung, Entlastung von Angehörigen und eine nachhaltige Nutzung öffentlicher Mittel. Gleichzeitig reagiert der FSW auf zentrale Herausforderungen 2026 mit klaren Schwerpunkten, nämlich Sicherung von Fachkräften durch Ausbildung, Bindung und gezielte Anwerbung aus Drittstaaten, Stärkung pflegender Angehöriger etwa durch das Netzwerk der pflegenden Angehörigen, Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung, damit Würde bis zuletzt gewährleistet werden kann, Digitalisierung und Weiterentwicklung, um Pflegekräfte spürbar zu entlasten, und die Eröffnung eines neuen Pflegewohnhauses im 10. Bezirk in Wien, das die Versorgung im Süden Wiens stärkt. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Der zweite Schwerpunkt - KWP, Häuser zum Leben - zeigt besonders deutlich, wie Pflegepolitik 2026 gedacht wird: weniger starre Kategorien, mehr Orientierung am tatsächlichen Bedarf. Es gibt keine neue formale Einstufung nach Pflegestufen, aber es gibt konkrete Neuerungen, die Aufnahmeprozesse und den Umgang mit Pflegebedarf grundlegend verbessern. Digitale Tourenpläne im betreuten Wohnen ermöglichen eine präzise Erfassung von Kapazitäten und Bedarfssituationen. Digitale Spracherkennung in der Pflegedokumentation erhöht die Qualität und reduziert den Zeitaufwand. Die digitale Organisation von Krankentransporten entlastet die Teams massiv, würde ich meinen. Und die Weiterentwicklung der digitalen Notfallmedizin hilft, unnötige Spitalsaufenthalte zu minimieren.

 

Der entscheidende Punkt ist: Aufnahmen orientieren sich stärker am tatsächlichen Unterstützungsbedarf und weniger an formalen Stufen. Das bringt klare Vorteile, nämlich Pflegeplätze können passgenauer vergeben werden, Menschen mit komplexen Bedürfnissen - etwa Pflege plus psychosoziale Unterstützung - werden besser abgeholt, Übergänge zwischen ambulantem und stationärem Bereich werden flüssiger, und Pflegekräfte werden entlastet, wodurch die Qualität der Entscheidungen sich drastisch verbessert. Und ergänzt wird das durch eine stärkere Kooperation mit Primärversorgungszentren und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, durch Gewaltschutzprogramme, durch Qualitätsmanagement, BewohnerInnenpartizipation und den Ausbau des Freiwilligenwesens.

 

Auch die Pensionistenklubs sind Teil dieses Verständnisses der Pflegepolitik. Sie wirken gegen Vereinsamung,

 

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