Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 99 von 112
sehr unangenehme Krankheit Endometriose, die meist nicht diagnostiziert wird, nicht, weil man es nicht will, sondern weil man es nicht entdeckt und weil viele da schon über Jahre gelitten haben, bis man überhaupt dazu kommt, an Endometriose zu denken.
Die Wechseljahre sind auch ein nicht wirklich dominantes Thema in der männlich dominierten Frauenärzteschaft. Ja, die Frauenärzteschaft ist männlich, und das ist schlecht. Deswegen wird es Zentren geben, von denen es mehrere geben muss, das sind Gesundheitszentren für Frauen in der Frauenheilkunde. Dort werden sicherlich auch mehr Frauenärztinnen sein, weil in diesem Setting die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich sein wird. Wir wissen ja, dass noch immer die Frauen für Kinderbetreuung und sonstige Carearbeit in jeder Hinsicht zuständig gemacht werden. Das ist ein Übel, das gehört weg. Aber wir müssen sozusagen auch im Arbeitssetting reagieren.
Damit sind wir schon mitten in der Frauengesundheit und damit auch in der Gendermedizin. Unsere Gendermedizinprofessorin, Alexandra Kautzky-Willer, sieht die Ursachen für die gesundheitliche Kluft zwischen den Geschlechtern bei der Forschung. Frauen sind in klinische Studien unterrepräsentiert. Laut einer dänischen Studie zeigte sich, dass Frauen viereinhalb Jahre später mit Diabetes diagnostiziert werden, bei Herzinfarkt ist das Risiko, daran zu sterben, um 20 Prozent höher als bei Männern. Da gibt es hunderte ähnliche Beispiele, hunderte ähnliche Diagnosen, die bei Frauen viel später kommen als bei Männern. Die Gefahr ist daher, dass bei Anwendung von Künstlicher Intelligenz der Gender-Health-Gap in der Medizin verschärft wird, weil die KI nämlich aus überwiegend männlichen Daten lernt. Das ist schlecht. Was mich sehr freut, ist, dass das Thema Menopause im nächsten Jahr im Frauengesundheitsbeirat intensiv diskutiert werden wird und darauf sicher Daten folgen werden.
Ich komme nun zur Wiener Gesundheitsförderung. Da wird so viel gemacht, dass ich Ihnen nur einen kleinen Auszug bringen kann. Ich möchte mich auf die kommunale Gesundheitsförderung konzentrieren. Die Kollegin Hu hat das schon sehr schön ausgeführt, wie wichtig sie ist vor allem in einem Bezirk wie dem 15. Bezirk, aus dem ich komme, für den ich zuständig bin, einem armen Bezirk. Besonders wichtig ist es dort, weil wir wissen, dass Armut krank macht, und Krankheit macht noch ärmer. Dazu kommt noch die Einsamkeit, die auch wieder krank und traurig macht.
Wenn ich nur berichten darf - ich arbeite im Hanusch-Krankenhaus - da sind sehr viele aus dem 15. Bezirk und dort sind ausschließlich arme Menschen, ganz, ganz arme Menschen mit komplexen Diagnosen, die ganz schwierig zu behandeln sind. Wir schaffen das aber. Wir schaffen das, und die Menschen gehen dort mit einem positiven Ausblick wieder nach Hause. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Ich möchte nur sagen, dass wir seit zirka 20 Jahren in Rudolfsheim-Fünfhaus ein bis zwei Gesundheitskonferenzen veranstalten, die immer wieder in guten Projekten münden. Ein bis zwei seit 20 Jahren, wo wir in unserem Bezirk erreichen wollen - und das haben wir auch erreicht -, dass aus den Gesundheitskonferenzen auch Taten, Projekte folgen, die dann implementiert wurden, die auch teilweise wienweit ausgerollt wurden.
Ich möchte auch noch sagen, dass wir in unserem Bezirk mehr KassenärztInnen brauchen, da sich die Bevölkerung die Privatordinationen in so einem Bezirk wie dem 15. und anderen armen Bezirken nicht leisten kann. Deswegen werden wir weiter für eine gut ausgebaute Kassenmedizin kämpfen. Wir sind nicht zuständig für den niedergelassenen Bereich, aber wir tun es trotzdem. Die vielen Gesundheitszentren, die es schon gibt und die noch kommen werden, wären nicht möglich ohne die massiven Subventionen durch die Stadt Wien, obwohl sie dafür nicht zuständig ist. Das sind meiner Meinung nach Investitionen in die Zukunft des Gesundheitswesens in Wien. Das werden wir weiter umsetzen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Redezeit war acht Minuten. Die Restredezeit der SPÖ ist daher 17 Minuten.
Zu Wort gemeldet ist GR Harald Stark, die gewählte Redezeit ist sieben Minuten, die Restredezeit der Fraktion ist elf Minuten. Ich stelle sieben Minuten ein. - Bitte, Sie sind am Wort.
GR Harald Stark (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Kolleginnen und Kollegen!
Kann ein Paar 9 000 EUR netto in Wien verdienen? - Ja, mit einer guten Ausbildung, mit Fleiß und in 50-Stunden-Jobs ist das möglich. Kann dieses Paar Kinder bekommen und weiterhin 9 000 EUR netto erwirtschaften? - Vielleicht eines, beim zweiten Kind wird es schon schwierig. Kann ein Paar, das viele Kinder haben möchte, sagen wir vier bis fünf, und arbeiten möchte, sich diesen Wunsch erfüllen? - Nein, zeitlich wird das nicht möglich sein. Was man sich durch Fleiß nicht ermöglichen kann, bekommt man in Wien durch die Mindestsicherung geschenkt. Das ist eine falsche Politik, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Wer ist schuld daran? - Laut SPÖ der Bund. Wer in Wien Kinder hat, steht gleich nach der Geburt vor einem Problem. (GRin Mag. Stefanie Vasold: Ich habe das nicht verstanden mit dem Bund.) Um die Familienbeihilfe zu bekommen und zu behalten, sind Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen notwendig, und die erfolgen größtenteils beim Kinderarzt. Nur private Kinderärzte nehmen oftmals keine neuen Patienten mehr und Kinderkassenärzte sind seit viele, vielen Jahren ein ungelöstes Problem in dieser Stadt. Wer ist schuld daran? - Laut SPÖ die österreichische Gesundheitskasse und die Wiener Ärztekammer.
Im Gemeinderat hat uns StR Hacker am 18.11. erklärt, dass man personell gut aufgestellt sei. 92 Prozent der ärztlichen und 93 Prozent der pflegenden Positionen seien besetzt. Des Weiteren hat er erklärt, dass auf Grund des medizinischen Fortschrittes viele Patienten ambulant versorgt werden können und viele Spitalsbetten daher nicht mehr benötigt werden und im Zuge des Regionalen Strukturplanes Gesundheit 800 Betten abgebaut werden.
Wenn man personell so gut aufgestellt ist und so viele Betten leer stehen, warum kommt es dann zu immer längeren OP-Wartezeiten? Ich darf Ihnen dazu die Situation
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