«  1  »

 

Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 97 von 112

 

Doch statt Abläufe zu reformieren, spart man bei den Sportstätten, statt Bürokratie zu reduzieren, spart man bei den Sportstätten, statt Geldflüsse zu verbessern, spart man bei den Sportstätten. Das ist das Gegenteil von weitsichtiger Sportpolitik, und deshalb brauchen wir jetzt eine neue Gesamtstrategie, eine klare Priorisierung und den Bürokratieabbau.

 

Wenn wir das alles ernst nehmen und ernst machen wollen, brauchen wir eine Politik, die nicht verwaltet, sondern gestaltet, die nicht nur sagt, dass Sport wichtig ist, sondern es auch wirklich zeigt und umsetzt. Denn Wien kann eine starke, moderne Sportstadt sein, die fair und chancengerecht ist. Dazu braucht es Mut, Planung und Investitionen für unsere Sportler, für unsere Gesundheit, für unser Wien. - Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Restredezeit für die ÖVP ist eine Minute.

 

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich GR Löcker, die gewählte Redezeit ist fünf Minuten, die Fraktionsredezeit ist sieben Minuten. Ich stelle fünf ein. - Bitte, Sie sind am Wort.

 

19.40.11

GR Theodor Felix Löcker (GRÜNE)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werter Herr Stadtrat, liebe KollegInnen im Saal!

 

Sportlich ist nicht nur mittlerweile die Dauer unseres Sitzungsmarathons, sondern auch endlich das Thema der Debatte. Es ist die letzten Jahre viel gut gelaufen im Sportbereich, wir haben viele tolle Projekte gesehen, die auch - wie die Sportarena - eine grüne Handschrift tragen. Darüber freuen wir uns sehr. Aber die finanziell angespannte Lage spüren Verbände und Vereine. Viele Projekte der MA 51 müssen sehr zum Leidwesen der engagierten MitarbeiterInnen momentan auf Eis gelegt werden. Es ist verständlich, dass gespart werden muss, aber langfristig kommt es uns teurer zu stehen, wenn wir nicht investieren.

 

Die Kollegin hat das angesprochen mit dem Erhalt der Sportstätten. Gerade in so einer schwierigen Wirtschaftslage wie der, in der wir uns befinden, ist es für die Vereine oft sehr, sehr schwierig, private Sponsoren aufzustellen. Umso mehr ist die öffentliche Hand gefragt, um sie nicht in Stich zu lassen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich rede jetzt einfach weiter, vier Minuten ist auch eine sportliche Zeit, um alles zu sagen, was ich sagen möchte.

 

Ein großes Thema im Sport ist Gewalt. Wir sehen steigende Gewalt zwischen SpielerInnen, Fans und gegen SchiedsrichterInnen. Aber ohne Schiris gibt es keinen geregelten Sportbetrieb. Das führt das ganze System ad absurdum. Wenn Menschen aus Angst vor Beschimpfungen oder körperlichen Übergriffen ihre Tätigkeit an den Nagel hängen, dann haben wir echt das Problem, dass wir noch Matches sehen können. Umso wichtiger ist es, die Gewaltprävention auch in einer angespannten budgetären Lage wie der, die wir jetzt haben, nicht stiefmütterlich zu behandeln, sondern ernst zu nehmen. Denn jeder, der sagt: Ah, Gewaltprävention im Sport, wozu, das kommt uns teuer zu stehen - und ich unterstelle nicht, dass Sie das tun, Sie machen das nicht, ich referenziere auf andere Leute -, der hat nicht verstanden, wie viel es kostet und wie viele Ressourcen es bündelt, wenn die Polizei ausrücken muss zu unnötigen Feindschlägereien, die nichts bringen außer gebrochener Nasen und noch mehr Hass.

 

Ganz im Gegenteil, der Sport selber kann ein super gesamtgesellschaftliches Instrument sein, um Verständnis zu fördern. Fairplay-Regeln, Respekt - all das lernt man beim Sport, und man kann noch dazu Dampf ablassen. Wir müssen Vereine unterstützen, die darauf achten, dass das hochgehalten wird.

 

Ich möchte Ihnen kurz eine Geschichte erzählen. Als ich angefangen habe, Sport zu machen, war das in keinem Fußballverein, sondern an der Roßauer Lände bei den Calisthenics-Parks, die sind öffentlich zugänglich. Ich bin dort als 14-Jähriger gestanden, und ich habe mich nicht ausgekannt, was man da eigentlich macht und habe die erstbeste Person gefragt: "Naja, kannst du mir Tipps geben?" - So sind zusammengekommen: ein Banker nach der Arbeit, ein syrischer Flüchtling und eine Mutter mit zwei kleinen Kindern, und alle haben auf 10, 15 Quadratmetern miteinander geredet, sich gegenseitig geholfen. Das ist doch ein wahnsinnig positiver Effekt von Sport. Da verbindet uns die körperliche Tätigkeit und bringt Menschen zusammen, die sonst nicht zusammenkommen würden. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Sport ist ein Motor für Durchmischung und Integration. Aber ich blicke mit Sorge auf eine wachsende Anzahl an Vereinen, die sich als klare ethnische Gruppen abgrenzen. Das ist nichts per se Schlechtes, und ich kann auch verstehen, dass man dadurch Identitätsstiftung sucht, aber es wird dann zum Problem, wenn das Trennende im Vordergrund steht und nicht mehr das Gemeinsame und wenn nationale und religiöse Konflikte plötzlich am Spielfeld ausgetragen werden, die nichts mit dem Sport zu tun hätten. Dann verliert der Sport nämlich sein gesamtes gesellschaftliches Potenzial.

 

Integration und Verständnis füreinander entstehen dort, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam trainieren, gewinnen und verlieren, Regeln akzeptieren und Verantwortung übernehmen. Dafür braucht es offene Vereinsstrukturen, gezielte Fördermodelle und klare Kriterien.

 

Außerdem ein Punkt, der mir jetzt noch ganz besonders wichtig ist: Es ist immer noch sehr, sehr wichtig zu beleuchten, gerade für uns Männer, die Sportpolitik machen, was für eine enorme Geschlechterdifferenz wir im Sport haben. Wir werden nicht müde, das herauszustreichen. Bis Frauen und Männer im Sport gleichgestellt sind, ist noch ein weiter Weg zu gehen. Ich möchte fast sagen, es ist ein Marathon zu laufen. Aber Sie können sich sicher sein, die GRÜNEN-Fraktion wird da nicht lockerlassen, gerade in herausfordernden Zeiten. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ich habe nur noch 20 Sekunden - gerade in herausfordernden Zeiten ist Sport keine Nebensache, Investitionen in Sport sind Investitionen in die Gesundheit, in die Sicherheit, in die Integration und in den Zusammenhalt. Es geht nicht um Tore oder Medaillen, es geht um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Wenn wir den nicht ernst nehmen, dann schießen wir uns ein Eigentor. - Punktlandung! (Beifall und Heiterkeit bei den GRÜNEN.)

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular