Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 96 von 112
kann nicht warten, Prävention kann nicht warten, unsere Kinder können nicht warten. (Beifall bei der ÖVP.)
Alles andere wäre ein schreckliches Signal - wie beispielsweise die Sportplätze. Glauben Sie mir, Sie wissen, ich bin oft und ich war auch in den letzten Monaten auf vielen Sportplätzen dieser Stadt, was ich dort teilweise gesehen habe, das macht mich durchaus betroffen. Denn immer noch finden wir Laufbahnen mit Einrissen und Löchern, in denen sich Kinder verletzen können. Wir finden Kunststoffbeläge, die aufbrechen, Plätze, die nicht wettkampftauglich sind, und auch noch Anlagen, die im 21. Jahrhundert nicht einmal barrierefrei sind. Genau dort wird jetzt wieder stärker gekürzt, dort, wo wir ohnehin einen großen Bedarf haben. (Beifall bei der ÖVP.)
Wie kann es sein, dass man gerade bei den Sportstätten den größten Brocken spart? - Statt sinnvoll zu planen, wird einfach gekürzt. Wir müssen die Prioritäten neu setzen, denn sonst verlieren wir das an die Verwaltung. Statt vorauszudenken, reagiert man, wenn es meist schon zu spät ist - und zu spät ist meist auch wesentlich teurer.
Ein weiteres Beispiel, von dem mir zahlreiche Vereine berichtet haben, ist der Sportförderungsbeitrag. Ein Verein, egal ob er jetzt 3 000 Mitglieder hat oder nur ein ganz kleiner ist mit 30 Mitgliedern, zahlt immer wieder seine 10, in Zukunft 12,5 Prozent. Das heißt, wenn ein kleiner Handballverein 10 EUR Eintritt verlangt, völlig gerechtfertigt, um seine Kosten zu decken, was passiert dann? - 12,5 Prozent des Eintritts wandern in die Fördertöpfe, wo Organe der Stadt Wien entscheiden. Und der Verein kann dann eine zusätzliche Förderung beantragen, um sein Geld wieder zurückzubekommen, wenn diese Organe der Stadt Wien es erlauben, denn dort geschieht die Verteilung über Dach- und Fachverbände, über den Umfang, die Prioritäten und die genaue Zuteilung. Aber das ist doch kein Fördermodell, sehr geehrte Damen und Herren, das ist ein administrativer Hindernislauf! (Beifall bei der ÖVP.)
Genau das führt dazu, dass viele kleine Vereine sagen, dann verlangen wir lieber überhaupt keinen Eintritt mehr, denn der Aufwand steht in keinerlei Relation. Aber damit nimmt man genau diesen kleinen Vereinen, die die Leute in den Grätzeln, in den Bezirken zu sich holen, die die Leute in Bewegung bringen, was sie am dringendsten brauchen, die Planbarkeit, die Hoffnung und den Handlungsspielraum. Wir brauchen da ganz dringend Möglichkeiten und Fördermodelle, die die Eigeninitiativen der verschiedenen Vereinssportarten stärken. Das gehört alles neu gedacht, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Ich habe auch gleich noch ein weiteres Beispiel. Vereine, die am Abend oder zum Beispiel in den Sommerferien an einer Schule trainieren, dürfen, wenn ganz offensichtlich kein Unterricht stattfindet, wo vorhanden, nicht die Lehrerparkplätze verwenden. Sie müssen Parkplätze suchen, Gebühren zahlen und oftmals schwere Geräte schleppen. Da stellt sich mir nur eine einzige Frage: Warum? - Das würde ja nicht einmal etwas kosten, das kann es doch nicht sein, nur, weil es eine Vorschrift ist! Das können wir besser, das müssen wir besser. (Beifall bei der ÖVP.)
Denn leere Parkplätze, Abendtraining heißt null Konflikt, null Risiko. Wir brauchen mehr Unterstützung, wir brauchen da ein neues Ordnungssystem - und das ist leider der Alltag für viele Wiener Sportvereine. Wir alle wissen oder sollten zumindest wissen: Sport ist Prävention, Sport ist Zusammenhalt, Sport ist Integration. Genau deshalb ist das kein Bereich, der irgendwie mitläuft. Wir reden da von einer der wichtigsten Formen der Gesundheitsprävention, die wir haben, über ein Werkzeug gegen Übergewicht, gegen Bewegungsmangel, auch gegen Depressionen, über den einfachsten Weg, gesellschaftliche Vorurteile abzubauen, über Gemeinschaft und über Teamgeist und Respekt.
Ein Kind, das in einem Sportverein ist, hat im Durchschnitt nun einmal bessere schulische Leistungen, weniger psychische Belastungen, ein sicheres soziales Netz und gesündere Routinen. Warum wollen wir denn diese Kinder auf diesen veralteten Plätzen oder in den alten Hallen spielen lassen, in Anlagen, von denen immer noch viel zu viele nicht modernisiert sind? - Das ist der falsche Weg. Ich halte das absolut für den falschen Weg, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Mit der neuen Sportarena haben wir für viele Sportarten neue Maßstäbe gesetzt, wichtige Perspektiven geschaffen, und das ist auch großartig und wichtig. Gerade im Lichte eines Budgets, in dem gekürzt werden muss, darf das aber nicht alles gewesen sein. In der Sitzung des Landessportrates haben wir auch schon ein paar großartige Projekte gesehen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch wirklich für das konstruktive Miteinander dort in dieser Sitzung bedanken. Aber gerade, wenn Mittel knapper werden, ist es umso wichtiger, diese Prioritäten neu zu setzen, konkrete Zeitpläne, eine strategische Achse zu finden und vor allem Wissen, welche der dort geplanten Projekte umsetzbar sind, was verschoben werden muss. Denn das brauchen unsere Vereine - Klarheit und Transparenz. Damit können sie verantwortungsvoll planen und wir verlässlich im Sinne des Wiener Sports und der Bewegung alles eintakten, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Die Vereine wollen verlässliche Strategien mit klaren Zielen und Verantwortlichkeiten, klare Prioritäten und einen Zeitplan. Was sehen wir? - Noch keine Priorisierung, keine klare Zielsetzung, kein Konzept für Jugendförderung und keine Visionen für den Leistungssport. Ich spreche, Sie wissen das, regelmäßig mit Sportvereinen, mit Trainerinnen und Trainern, mit Eltern, mit Jugendlichen. Die Energie ist da, der Wille ist da, das Engagement ist da. Was fehlt, ist genau diese eine extra Meile jetzt in diesen schwierigen Zeiten, damit die Leute nicht krank werden, damit die Leute in Bewegung bleiben. Deswegen ist der Sport so wichtig. (Beifall bei der ÖVP.)
Ich möchte es noch einmal unterstreichen: Ich weiß, dass im Sportbereich schon viel Gutes passiert, und ich weiß auch, dass wir sparen müssen. Aber wir können nicht einfach streichen, was am leichtesten geht. Wir müssen Abläufe effizienter machen. Es sind sehr oft ganz kleine Hindernisse. Die Verwaltung muss reduziert werden, Fördermodelle müssen vereinfacht werden und vor allem müssen auch unsere Vereine involviert werden.
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