Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 90 von 112
Mittlerweile sind wir ein paar Jahre später. Wir hatten Covid, wir hatten andere Krisen. Wir wissen, dass der Betreuungsbedarf, der Bedarf an psychologischer Unterstützung, bei Kindern und Jugendlichen insgesamt gestiegen ist. Jetzt komme ich zu dem Punkt: Was hätte Kevin damals gebraucht? - Es sind zwei Dinge, die wir in den letzten Jahren eingeführt haben und für die sich vor allem die NEOS ganz besonders eingesetzt haben, zwei Themen, die uns sehr am Herzen liegen. Wir haben sie heute bereits erwähnt. Das eine sind die School Nurses. Das andere sind die multiprofessionellen Teams.
Bei den School Nurses - meine Kollegin Jing Hu hat sie hier ja schon erwähnt, ich fasse es kurz noch einmal zusammen - geht es um diplomierte Pflegefachkräfte, die direkt an den Schulen eingesetzt werden. Es geht um Akutversorgung, aber auch um Aufklärung, um Gesundheitsbildung und um einen ganz niederschwelligen Zugang, eine ganz niederschwellige erste Anlaufstelle für medizinische Belange für Kinder und Jugendliche an Schulen, aber eben auch an Kindergärten, was sehr wichtig ist. Die gab es als Pilotphase. Da hatten wir sie an vier Standorten.
Wir haben sie natürlich begleitend evaluiert. Das Ergebnis war hervorragend. Die Kompetenz der School Nurses, die thematisch breite Aufstellung, die sie hatten, und die Hilfeleistung, die sie gegeben haben, wurden gelobt. Wenn ich sage, sie waren an vier Schulen, dann meine ich, es waren vier verschiedene Schultypen. Das ist, glaube ich, ganz wichtig zu erwähnen: Bildungscampus, Volksschule, Mittelschule und ein sonderpädagogisches Zentrum. Das heißt, wir haben an ganz verschiedenen Standorten evaluiert.
Während vier jetzt vielleicht nicht nach viel klingt, sind es doch über 1 600 Kinder, die damit erreicht wurden. Ungefähr 72 Prozent von denen hatten auch Kontakt zu diesen School Nurses. Das Einzige, was bemängelt wurde, war, dass es nicht mehr davon gibt und dass sie nicht lang genug da waren. Der Bedarf und der Wunsch nach mehr waren also da.
Dieses Projekt wird jetzt ausgeweitet. Hier ist der Budgetbezug. Wir investieren hier weiter. Wir führen es nicht nur weiter, sondern es ist geplant, 40 zusätzliche School Nurses für das Schuljahr 2025/2026 zu schaffen. Das Schuljahr ist zur Hälfte vorüber. Wir haben 20 neue School Nurses. Wir sind also genau im Zeitplan.
Für den kleinen Kevin wäre so ein School Nurse damals wahrscheinlich die erste niederschwellige Anlaufstelle für sein Problem gewesen. Was er aber noch viel dringender gebraucht hätte - oder wer wahrscheinlich die Versorgung und die Unterstützung übernommen hätte -, sind die multiprofessionellen Teams.
Das sind Teams der psychologischen Dienste in Wien. Diese Teams setzen sich aus klinischen PsychologInnen - Männer sind mitgemeint -, SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen zusammen. Je nach Bedarf können dann andere Berufsgruppen hinzugezogen werden, also ErgotherapeutInnen oder andere. Dabei ist es das Ziel, frühzeitig Probleme zu erkennen, zu beraten, bei psychosozialen Themen Unterstützung zu leisten und eine ganz rasche Krisenintervention zu machen, wo es nötig ist. Das schließt dann eine Lücke in dem auch davor schon guten, aber noch nicht hinreichenden System in Wien. Es schließt auch eine ganz bedeutende Lücke, glaube ich.
Das wurde auch zwei Jahre lang pilotiert. Es wurden damals 19 Schulen in Margareten, Favoriten und Floridsdorf abgedeckt. Mittlerweile haben wir zwölf permanente multiprofessionelle Teams und zwei, die permanent an Schulen platziert sind, also eine Person pro Schule und im regelmäßigen Austausch. Wir haben auch zwei mobile Teams, die in ganz Wien unterwegs sind. Dazu kommt noch eine Hotline für DirektorInnen.
Ich will Sie auch gar nicht länger aufhalten, aber wir werden auch dieses System ausbauen. Das Ziel sind 60 Mitarbeiter in 17 multiprofessionellen Teams in 17 Schulverbünden. Das heißt, 57 Schulen werden in dieses System eingebunden sein. (Beifall bei den NEOS und von GRin Mag. Stefanie Vasold.)
Das heißt, wir haben in diesem Bereich, der so wichtig ist und in dem es um die psychosoziale und körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht, in den letzten Jahren Fortschritte erzielt. Wir werden trotz Sparpakets weitere Fortschritte erzielen und diesem Thema weiter folgen. - Danke sehr. (Beifall bei den NEOS und von GRin Mag. Stefanie Vasold.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Redezeit betrug sechs Minuten. Für die NEOS heißt das noch weitere sechs Minuten.
Als Nächster ist GR Ellensohn zu Wort gemeldet. Die gewählte Redezeit beträgt zehn Minuten. - Bitte schön.
GR David Ellensohn (GRÜNE): Herr Vorsitzender, Herr Stadtrat, meine Damen und Herren!
Jetzt werden Existenzen zerstört. Es ist einfach nur unbegreiflich und traurig, dass so etwas in einem sozialen Wien geschehen kann.
Ich erlebe tagtäglich, was passiert, wenn soziale Leistungen gekürzt werden: mehr Krisenfälle, mehr Überforderung, mehr Burnout. Die Armut wird sich verfestigen. Das wird höhere Kosten im Gesundheitsbereich und im Sozialbereich verursachen. Nach der Streichung der Leistungen kann sie, die Klientin, die Miete nicht mehr zahlen. Die Folgen sind die Zwangsräumung und die dauerhafte Rückkehr in ein Sammelquartier. Die Streichung der Mindestsicherung nimmt Frauen, die sich aus Gewaltbeziehungen lösen wollen, jede Perspektive.
Ein Budget auf dem Rücken jener zu sanieren, die ohnehin schon am wenigsten haben, ist nicht akzeptabel. Es wird ausgerechnet dort gespart, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird, bei jenen, von denen kaum Widerstand zu erwarten ist.
Mehr als 1 300 Menschen haben sich die Mühe gemacht, eine Stellungnahme zu dem Budget, das wir diskutieren, abzugeben. Ich bin schon länger in diesem Haus und in diesem ganzen Jahrhundert waren das vorher noch keine 20, in der letzten Periode waren es genau null, jedes Mal, und früher waren es meistens eine oder zwei Personen. Jetzt haben sich 1 300 die Mühe gemacht und nahezu alle kritisieren den größten Sozialabbau, den die Stadt Wien jemals veranstaltet hat. Wenn Sie jetzt unruhig werden, weil Sie einen größeren vorzuweisen haben, dann sagen Sie ihn mir bitte, denn der liegt dann auch in
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