Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 74 von 112
wo man irgendwie einwirken muss, es wurde ja schon öffentlich gefordert.
Ich bin mir also sicher, dass wir mit solchen Partnerinnen für mehr Gerechtigkeit für Frauen in Österreich und damit auch in Wien sorgen werden. Die Stadt Wien ist nämlich Vorreiterin im Gewaltschutz, und das zeigt sich auf mehreren Ebenen. An dieser Stelle ein großes Danke an die Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál und ihr Team, die sich diesem Thema in den letzten Jahren so stark angenommen haben. Erstens, wir stellen eine solide Basis zur Verfügung, das heißt, es gibt den 24-Stunden-Frauennotruf, die Frauenhäuser, den Rettungsanker, die gesetzliche Anpassung im Veranstaltungsgesetz, Unterstützung bei der Männerarbeit, und, und, und. Zweitens, wir setzen breite Angebote, das heißt Zivilcourage-Workshops der MA 57, die Workshopreihe "Safer Feiern" der Vienna Club Commission, Empowerment-Workshops für Mädchen und junge Frauen, Selbstverteidigungskurse im Gemeindebau, you name it, wir informieren, "16 Tage gegen Gewalt"-Kampagne, die Kampagne gegen K.-o.-Tropfen, oder "Wir helfen dir", die Kampagne rund um Weihnachten und Silvester.
Aber ein gewaltfreies Leben beginnt woanders, es beginnt nämlich dort, wo Kinder und junge Menschen lernen, dass sie mehr sind als ihre Geschlechterrollen, dass Mädchen nicht nur mit der Küche spielen müssen und Buben nicht nur mit irgendwelchen Schwertern und Autos, dort, wo Kinder lernen, dass sie respektvoll miteinander umgehen. Und wir kennen die Realität. Kinder testen Grenzen aus, respektvoll geht anders. Aber genau da liegt der Moment, wo sie lernen, eben Grenzen zu respektieren, und wo sie lernen, dass jeder Mensch woanders Grenzen zieht. Mit "Respekt: Gemeinsam stärker" verfolgen wir genau dieses Ziel. Über 30 Schulen beteiligen sich daran, und ich freue mich wirklich, dass so viele Kinder die Möglichkeit bekommen, über sich hinauszuwachsen und Vorurteile gemeinsam abzubauen.
Es ist uns aber auch ein besonderes Anliegen, Mädchen zu stärken. Mit dem bereits bewährten Wiener Töchtertag können Mädchen in die unterschiedlichsten Bereiche reinschnuppern und spielerisch ihre Interessen und Stärken kennenlernen. Mit "Mädchen feiern Technik" bekommen Mädchen zwischen acht und dreizehn Jahren bei der MA 39, Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle, Einblick in technische Berufe. Und ein weiterer Baustein, um Mädchen die Berufsbandbreite schmackhaft zu machen, ist mit "Girls in Politics" dieses Jahr gelungen. Es ist ja wirklich spannend, dass wir Frauen zwar mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, aber nach wie vor, und das gerade in der Kommunalpolitik, massiv unterrepräsentiert sind. Und um Politik auch jungen Frauen schmackhaft zu machen, begleiten Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren unsere Vizebürgermeisterin oder auch Bezirksvorsteherinnen einen Tag lang und gewinnen so einen Einblick in das politische Arbeiten.
Ich habe meinen Beitrag mit dem Gewaltschutz begonnen. Ein Leben in Unabhängigkeit, ist ein zentraler Baustein, um sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Wir wissen, Unabhängigkeit bedeutet vor allem ökonomische Unabhängigkeit. An dieser Stelle dürfen die gratis Kindergärten und auch die gratis Ganztagesschule nicht unerwähnt bleiben, denn das ermöglicht Eltern überhaupt erst arbeiten zu gehen und nicht vom Partner abhängig zu sein, und das entlastet Alleinerziehende. Mit der neuen Frauenarbeitsstiftung bekommen Frauen ab 25 Jahren, die keinen Abschluss haben und Arbeitslosengeld beziehen, eine erste abgeschlossene Berufsausbildung. Das ist ein extrem wichtiger Schritt, um Frauen den Wiedereinstieg nach der Karenz oder überhaupt den Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Über 24 000 Wienerinnen wurden 2024 im Rahmen von waff-Programmen gefördert, das ist wirklich super, wenn sie sich beruflich verändern oder höher qualifizieren wollen. Ich habe gestern bereits die Kampagne "Väter haben ein Recht darauf" erwähnt. Das ist ein deutliches Zeichen unserer Stadt für Halbe-Halbe, für eine Elternschaft auf Augenhöhe, für eine Elternschaft, die beiden Eltern Zeit für ihre Kinder, Zeit für sich und Zeit für den Beruf einräumen will.
All diese Maßnahmen zeigen ihren messbaren Erfolg, denn in keinem anderen Bundesland ist die Lohnschere geringer als in Wien und in keinem anderen Bundesland sind die Pensionen gerechter. Verstehen Sie mich nicht falsch, die Lohn- und Pensionsschere sind nach wie vor zu hoch und ungerecht, und vielleicht ein kleiner Exkurs, Kollege Lorenz, da hilft vielleicht kein Eigentum. Ich glaube, das Einzige, was gegen Altersarmut hilft, ist aktuell ein Mann zu sein. Aber wir bleiben dran. (Beifall bei der SPÖ.) Wir kämpfen auch für jene Rädchen, wo wir auf Bundesebene drehen müssen, wie zum Beispiel die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie, um eben Halbe-Halbe in allen Bereichen zu ermöglichen.
Neben den Maßnahmen am Arbeitsmarkt braucht es auch ein besonderes Augenmerk auf die Frauengesundheit. Wir Frauen wissen sehr genau, wie oft unsere Schmerzen kleingeredet werden, wie oft Symptome ignoriert werden, und wie die Forschung nur sehr langsam aufwacht, um sich unserer Gesundheit anzunehmen. Mit dem Frauengesundheitszentrum FEM Med am Reumannplatz gibt es seit 2023 eine eigene medizinische Clearingstelle, wo Frauen aller Altersgruppen niederschwellige Infos zu Befunden, chronischen Krankheiten oder Therapien erhalten. Beraten werden sie von einem Team aus ganz unterschiedlichen Gesundheitsberufen und in mehreren Sprachen. Mit der Gesundheitsgreißlerei setzen wir ein gezieltes Angebot an suchtkranke Frauen, eine einzigartige Einrichtung mit einem multiprofessionellen Team, welches auf die besonderen Bedürfnisse der Frauen eingehen kann. Mit der Roten Box, den gratis Periodenprodukten in öffentlichen WCs, den 30 Tage für Frauengesundheit mit 180 kostenlosen Veranstaltungen oder der Kampagne gegen Schönheitsdruck wollen wir in ganz unterschiedlichen Bereichen Frauen unterstützen, informieren und ihnen die Türen zu einer guten Gesundheitsversorgung öffnen.
Nicht unerwähnt will ich in diesem Zusammenhang alle Vereine lassen, die wir fördern und die Frauen in so unterschiedlichen Lebensbereichen erreichen und stärken, allen voran der Verein Wiener Frauenhäuser, der seit Jahrzehnten Frauen Schutz vor Gewalt bietet und im kom
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