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Gemeinderat, 8. Sitzung vom 17.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 71 von 112

 

rend andere zum Beispiel - nur, um tatsächlich ein Beispiel zu nennen - die Förderung des Vereines Poika ablehnen, wollen wir gerade eben gendersensible Bubenarbeit vorantreiben, um Sexismus hier endlich den Garaus zu machen. Während andere Frauen wieder zurück nach Hause an den Herd schicken wollen, wollen wir in dieser Stadt eines, nämlich Selbstbestimmtheit. Wir wollen Unabhängigkeit, wir wollen Wahlfreiheit von Frauen. Und in diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu diesem Antrag, weil er eben einen Baustein dazu darstellt.

 

In diesem Sinne darf ich mich ganz herzlich bedanken. Ich darf mich bei dir, liebe Frau Vizebürgermeisterin, bedanken. Ich darf mich aber auch bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Geschäftsgruppe bedanken, allen voran bei all jenen, die einen Beitrag dazu leisten, Gewaltprävention tatsächlich zu leben. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.).

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Wirnsberger. Selbst gewählte Redezeit: zehn Minuten. - Sie sind am Wort.

 

16.40.46

GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE)|: Ja, ich möchte ganz kurz zu Beginn auch die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Menschen, die sich in dieser Stadt, in diesem Haus, im Magistrat, aber vor allem auch da draußen in den Institutionen, tagtäglich für Gleichstellung, für Gleichberechtigung, für Gewaltschutz und gegen Gewalt an Frauen einsetzen. Da gibt es von mir und von meiner Fraktion ein sehr herzliches Danke an alle, die sich da engagieren. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ein Budget ist immer auch in Zahlen gegossene Politik, und wir GRÜNE bewerten es unter dem Gesichtspunkt, wie es um die Unterstützung jener bestellt ist, die es im Leben nicht immer leicht haben. Und ich muss sagen, als Feministin schmerzt mich dieses Budget schon ein bisschen, denn wenn wir uns die Sozialkürzungen anschauen, dann muss auch klar sein, dass die die Frauen besonders hart treffen werden, entweder weil sie direkt unmittelbar betroffen sind oder weil sie in den Bereichen arbeiten, in denen jetzt die Mittel gestrichen werden. Meine Kollegin Barbara Huemer wird später noch ein bisschen näher darauf eingehen, was wir damit meinen.

 

Unsere Haltung als GRÜNE ist jedenfalls klar: Frauen und Mädchen, Buben und Männer, alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht oder dem Geschlecht, dem sie sich zugehörig fühlen, sollen in Wien sicher, selbstbestimmt und gleichberechtigt leben können. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Deshalb beginne ich heute - beziehungsweise beginne ich nicht; das war bereits Thema - mit einem Thema, das besonders dringlich ist, mit der Gewaltprävention. Da sagen wir ganz klar: Keine Kürzungen bei den entsprechenden Stellen! Jede Frau, die in Wien Gewalt erlebt, braucht Zugang zu Beratung, Schutz und Unterstützung. Und die Frauen- und Mädchenberatungsstellen, aber auch die Männer- und Burschenberatung, leisten unverzichtbare Arbeit, von Prävention, Berufs- und Lebensberatung bis hin zu spezialisierten Angeboten für MigrantInnen oder für Frauen mit Behinderung. Und jeder in diese Beratung investierte Euro erzeugt bis zu 9 EUR gesellschaftlichen Nutzen. Aber ganz abgesehen von diesem ökonomischen Argument sollte vor allem im Vordergrund stehen, dass diese Beratungen wirken. Und das wissen wir: Beratung wirkt. Wir waren vor kurzem beim Gewaltschutzzentrum Wien und konnten uns da wieder selbst davon überzeugen.

 

Und deshalb ist es mir auch wirklich unverständlich, warum es etwa eine Kürzung bei Vereinen wie Poika gibt, der gendersensible Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht fördert. Die bieten Workshops unter anderem in Schulen an. Da geht es darum, wie junge Menschen Gewalt erkennen, wie sie die toxischen Einflüsse auf Social Media verstehen, bewerten und einordnen können, wie man gesunde Beziehungen leben kann. Und - und das ist wirklich wichtig - sie bringen jungen Männern, sie bringen Buben bei, ihre Gefühle wahrzunehmen und diese Gefühle zum Ausdruck zu bringen - und zwar gewaltfrei. Warum ist das so wichtig? - Leider belegt das einmal mehr die Statistik: Jeder dritte Mann zwischen 18 und 35 Jahren findet es akzeptabel, bei einem Streit mit seiner Partnerin handgreiflich zu werden, jeder dritte junge Mann findet es akzeptabel, gegenüber seiner Partnerin handgreiflich zu werden, wenn er mit ihr streitet. Ich finde, das ist wirklich erschreckend. Da frage ich tatsächlich nach dem Verständnis der Koalition von Gewaltprävention, weil Prävention genau das bedeutet, dass man möglichst früh verhindert, dass jemand zum Täter wird. Genau dafür sind solche Angebote gendersensibler Bubenarbeit da. Die gehören nicht gekürzt, sondern sie gehören ausgebaut, das ist doch völlig klar. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ich möchte die Zeit nutzen, um ein bisschen was zu den Anträgen zu sagen, die wir heute zu diesem Thema einbringen. Einer betrifft das Codewort "Dr. Viola". Da geht es darum, dass Frauen, die von Gewalt betroffen sind, so rasch wie möglich aus dieser bedrohlichen Lebenssituation herauskommen. Dazu brauchen sie häufig Hilfe, und eine wichtige erste Anlaufstelle sind dabei häufig Gesundheitseinrichtungen, aber leider ist es oft auch so, dass die Täter die Frauen zum Arzt, zur Ärztin, ins Krankenhaus begleiten, weil - die Kollegin Bakos hat es vorhin gesagt - es um Kontrollsucht, um Besitzansprüche geht. Deshalb wäre die Einführung des Codeworts "Dr. Viola" in Gesundheitseinrichtungen in Wien ein wichtiger Schritt, der einfach, kostengünstig und wirksam ist. Was bedeutet dieses Codewort? - Es bedeutet ganz einfach, dass wenn eine Frau in eine Gesundheitseinrichtung kommt und dort nach Dr. Viola fragt, das geschulte Personal Bescheid weiß, dass sie von Gewalt betroffen ist, und sofort Schritte in die Wege leitet, um ihr zu Hilfe zu kommen. Das Pilotprojekt gibt es in der Universitätsklinik Innsbruck bereits, Wien könnte hier nachziehen. Da sind wir uns hoffentlich alle einig, und zu diesem Antrag hoffe ich auf breite Zustimmung aus euren Reihen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

So, und jetzt zu einem Antrag, zum Nur-Ja-heißt-Ja-Konsensprinzip. Ich habe mich sehr gefreut. Wir hatten ursprünglich diesen Antrag selbst eingebracht, aber ich habe mich sehr gefreut, als die Kollegin Bakos auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir diesen Antrag ge

 

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