Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 108 von 109
Das heißt, dass diese gleichgebliebene Förderung in diesem Maße gar nicht mehr notwendig war. Es war daher in diesen vielen Gesprächen, die wir geführt haben, durchaus möglich und auch von Verständnis getragen, dass wir gesagt haben: Bitte, helft jetzt auch mit, dass wir diesen Humus der Vielen, die kleinen Szenen und Vereine, wie zum Beispiel eben auch im Amerlinghaus, … Das ist wichtig. Wir sind das kleinste Ressort in der Stadt. Wir haben gerade bei den kleinen Vereinen und Institutionen keine Kürzungen vorgenommen, weil wir wissen: Die sind fatal. Ich kann ja nicht alles kompensieren, was sozusagen anderweitig gespart wurde, aber wir sind auf einem guten Weg.
Der Ausgabenrahmen für das Kulturbudget 2026 beträgt 354 Millionen EUR. Das bedeutet von 2025 auf 2026 eine Steigerung um rund 5 Millionen EUR oder um 1,4 Prozent. Das ist ein bisschen komisch, hat aber damit zu tun, dass wir jetzt die VHS dazubekommen haben. In Wahrheit ist es also natürlich eine Einsparung, die wir verkraften müssen, nämlich um 26,5 Millionen EUR. Das entspricht einer Reduktion um 7,6 Prozent.
Die Tragweite dieser Einsparungen ist mir völlig bewusst. Wir müssen aber einfach schauen, wie wir als Gemeinschaft und als demokratisches Gemeinwesen jetzt auch unsere Verantwortung tragen ohne zu skandalisieren, ohne populistisch aufzuheizen und ohne hier ein Bild zu prägen, das die Leute, die sowieso verunsichert sind - wer ist das nicht in diesen Zeiten - noch mehr in Verunsicherung und Angst treibt.
Denn egal woher diese Zurufe und das Skandalisieren kommen: Es ist eine Attacke auf die Demokratie, würde ich sagen, wenn wir jetzt anfangen, politisches Kapital herauszuschlagen, wissend, dass wir alle hier jetzt aufgefordert sind, gemeinsam durch diese Zeiten zu gehen. Wir müssen sachlich argumentieren. Kritik ist immer erlaubt, aber bitte bleiben wir auf der sachlichen Seite. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich hätte die budgetären Vorgaben, die mir einfach vorgegeben waren, niemals geschafft, hätte ich die unterschiedlichsten freien Szenen - vom Volksliedwerk bis hin zur Basiskultur und zu so vielen Kleininitiativen - jetzt einfach prozentuell gekürzt. Wir hätten wirklich einen Kahlschlag. Stattdessen möchte ich jetzt nicht nur verteidigen, was wir erhalten. Ich möchte eigentlich sagen: Dieses Budget macht auch Raum für Neues auf.
Dieses Budget lässt zu, dass wir weiterhin am Ausbau der Kinderkultur arbeiten und dass wir im Sophienspital einen neuen Kulturraum für Künstlerinnen und Künstler aus dem globalen Süden haben, der nicht nur den Süden, sondern auch den Osten und unterschiedliche Weltregionen umfasst. Es gibt neue Räume. Es gibt Räume für die freie Szene. Es gibt Proberäume. Es gibt für die freie Szene mehr Möglichkeiten denn je, in unterschiedlichen Institutionen Platz zu finden, zu probieren und Aufführungen zu machen.
Das ist um Gottes Willen nicht nur eine linke Ecke. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was das sein soll. Das ist ein sehr wunderbarer, vielfältiger und bunter Strauß von Kulturinitiativen, von Musik, von Genres und von unterschiedlichen Bereichen, die wir stärken, die wir weitergeben und die wir sich auch weiterentwickeln lassen.
Die Raumoffensive ist so wichtig. Ich habe gerade am Otto-Wagner-Areal den Spatenstich für das Atelierhaus gemacht. Daran halten wir fest. Die Kulturankerzentren werden weiterhin gestärkt und ausgebaut. Die versorgen nämlich die Grätzeln kulturell in unterschiedlichen Regionen dieser Stadt. Das ist wichtig. Die Leute müssen das spüren. Der Bürger und die Bürgerin sowie alle, die in dieser Stadt leben, müssen in unmittelbarer Nähe Kontakt zu Kunst und Kultur haben. Ja, das ist halt wichtig.
Ich kenne auch Daniel Froschauer gut und bin den Philharmonikern - abgesehen davon, dass ich als junge Studierende mit ihnen im Chor singen durfte - natürlich verbunden. Das ist ja alles klar. Davon können wir ja ausgehen. Sie sind aber mächtig und stark. Sie bekommen große Sponsoren.
Sie können anders als kleine Vereine einfach große Unterstützer aus der Wirtschaft gewinnen. Unser Anteil, der im Übrigen vor Jahren auch noch von einem anderen Ressort, nämlich vom Tourismus, mitgetragen wurde, ist ein kleiner. Es sind 12 Prozent. Bei aller Liebe, ich war Intendantin. Ich weiß, mit einer solchen Einschränkung kann man noch reagieren. Man kann es trotzdem leben lassen.
Auch das "Junge Theater Wien" wird weitergeführt, eine Initiative, die für die nächste Generation wichtig ist, weil wir wollen, dass unsere Theater auch in 20 oder 30 Jahren, wenn wir längst nicht mehr hier im Amt sind, noch voll sind.
Es bleibt mein Credo: Kultur und Kunst für alle. Jedem und jeder, egal mit welchem akademischen oder nicht akademischen Background und mit welchem sozialen oder finanziellen Background er oder sie, he, she oder it ausgestattet ist, muss es ermöglicht werden, Kunst und Kultur zu genießen. Deswegen ist das Wien Museum wirklich ein leuchtendes Beispiel.
Ja, wir spüren: Auch dieses muss einen Teil tragen. Diese 2,5 Prozent und die 5 Prozent 2027 treffen das Wien Museum, die VHS und auch den WWTF. Das schmerzt. Diese Rückhalteklauseln, die wir in den Verträgen haben und die bei guter Gebarung eigentlich immer mitbedacht werden müssen, sind nicht auf Dauer möglich. Das wissen wir alle. Das ist so in diesen Jahren, die wir durchstehen werden. Wir werden sie gut durchstehen - sozial, vielfältig und einer Metropole entsprechend. Das werden wir schaffen.
Deswegen nehmen wir einander echt an der Hand und gehen durch diese Zeiten. Ich habe sie nicht gebucht. Sie haben sie nicht gebucht. Wir sind damit konfrontiert. Wir schaffen das aber, und wir schaffen das nur in Gemeinsamkeit und im Respekt voreinander. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt, werde auch ich versuchen, mich immer wieder an der eigenen Knollnase zu packen. Ich habe viel Temperament, Sie wissen das. Ich bin schlagfertig. Ich denke aber schon, dass wir hier auch ein Beispiel für die Zukunft und für die Menschen dieser Stadt geben müssen. Die haben es sich verdient, dass sie sich auf die Kultur der Politik in dieser Stadt verlassen können.
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