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Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 107 von 109

 

aber übrig bleibt, sind die beiden von Frau Berner angesprochenen Förderungen.

 

Ich will jetzt nicht die Populismuskeule schwingen, denn das wurde einander vorhin eh schon sehr hart gegenseitig vorgeworfen. Es kommt aber schon immer ein bisschen darauf an, was und wie viel man von der Geschichte erzählt.

 

Ja, bei Superar wurden zum Beispiel nicht die 110 000 EUR genehmigt, die es gefordert hat. Die Förderung wurde aber schon dieses Jahr um 10 000 EUR erhöht. Da wurde sie auf … (Zwischenrufe) - Entschuldigung, das war "Hunger auf Kunst und Kultur". Da wurde die Förderung dieses Jahr von 90 000 EUR auf 100 000 EUR angehoben. Bei Superar wurde die Förderung im Jahr 2023 von 50 000 EUR auf 100 000 EUR angehoben. Es ist also schon immer ein bisschen die Geschichte, die man erzählt, um auch die ganze Wahrheit nach außen zu bringen.

 

Ja, wir haben heute über Einsparungen und über ein Budget gesprochen, das kleiner ist als im letzten Jahr. Ich habe aber halt leider auch viel Dramatik gehört. Ich finde, das wird der Sache gerade im Kulturbudget nicht gerecht. Ein großer Teil der Einsparungen kommt aus Projekten, die einfach auslaufen. Beim Rest haben wir eine ganz klare Linie: Wer stark ist, trägt mehr bei. Wer schwach ist, wird gestützt.

 

Die Vereinigten Bühnen Wien mit ihren Musicalproduktionen und internationalen Koproduktionen können einen Beitrag leisten. Ja, das Sommernachtskonzert der Philharmoniker wird nicht mehr gefördert. Das ist schmerzhaft, aber es ist verkraftbar. Es ist für die Philharmoniker verkraftbar.

 

Die Mittelbühnen werden aber von uns geschützt - Volkstheater, Josefstadt und Festwochen - stabile Förderungen. Auch die freie Szene wird stabil. Das war nämlich die ganz klare rote Linie. Denn wir wissen genau, wo in dieser Stadt Menschen oft unter schweren, leider zu oft auch immer noch prekären Bedingungen arbeiten, wo aber gleichzeitig experimentiert wird, wo Bewegung ins Feld gebracht wird, und wo das künstlerische Herz schlägt. Deshalb bleibt die freie Szene auch in diesem Budget ein wesentlicher Fokus. Das ist sozialdemokratische Kulturpolitik. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Ich habe heute gehört, wir würden die Kultur kaputtsparen - und das auch noch mit sehr absurden Quervergleichen zu anderen Geschäftsgruppen. Ich sage: Schauen wir uns die Fakten an! Das Theater bleibt stark, das Theater bleibt vielfältig, und vor allem bleibt das Theater für alle da. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Genau das ist der Punkt, um den es wirklich geht - da gebe ich Kollegin Berner natürlich recht: Kultur darf kein Luxus sein. Der Kultursommer bleibt, die Gratiskultur bleibt, der freie Eintritt ins Wien Museum bleibt. Denn wir wollen nicht, dass Kultur nur für die da ist, die es sich leisten können. Jedes Kind in unserer Stadt soll Zugang zum Theater, zu Musik und zu Kunst haben - und das in ganz Wien.

 

Ja, es ist ein herausforderndes Budget. Ja, bei gleich bleibenden Förderungen und steigenden Kosten entsteht Druck. Das verschweigen wir auch nicht. Was es aber ganz klar nicht geben wird, sind pauschale Kürzungen bei allen - 10 Prozent hier, 10 Prozent da. Die Kleinen hätten das nicht überlebt. Stattdessen wird differenziert. Es wird hingeschaut. Es werden Prioritäten gesetzt. Danke, Frau Stadträtin. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Wir denken auch an die Zukunft. Das Atelierhaus am Otto-Wagner-Areal wird eröffnet. Das Kinderkulturhaus kommt 2028, ein ganz wunderbares Projekt. Der Kultureuro wird erarbeitet, um Kultur langfristig breit abzusichern.

 

Meine Damen und Herren, ist dieses Budget perfekt? - Nein. Würden wir uns mehr wünschen? - Natürlich. Wir haben aber die Vielfalt gesichert. Wir haben unsere Werte nicht aufgegeben. Genau das ist es: Das Theater bleibt, und die Kultur bleibt - für alle. - Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Redezeit betrug vier Minuten.

 

Als Nächste ist Frau Amtsf. StRin Mag. Kaup-Hasler zu Wort gemeldet. Es sind 15 Minuten Redezeit. - Bitte schön.

 

21.32.00

Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler|: Sehr geehrte Damen und Herren! Am Ende eines langen Tages möchte ich Sie via Livestream, Sie auf den Bänken da oben und Sie alle, Kolleginnen und Kollegen, ganz herzlich willkommen heißen und noch einmal daran erinnern, wofür wir hier stehen und was uns in der gemeinsamen Arbeit an Kunst und Kultur in dieser Stadt verbindet.

 

Ich darf Ihnen heute eben vorschlagen, was am Ende eines sehr langen Arbeitsprozesses gestanden ist, einem Nachdenken, wie wir in dieser Stadt mit diesem Budget und diesen Budgetvorgaben, die wir uns nicht ausgesucht haben, umgehen. Ich kann Ihnen versichern: Jeder Cent, der weniger in Wissenschaft und Kultur ausgegeben wird, schmerzt mich persönlich sehr. Es freut mich, dass wir uns hier alle einig sind.

 

Es ist schade, wenn gespart werden muss. Es kommt aber nicht vom Himmel, sondern es hat eine große Geschichte. Sie hat auch etwas mit den letzten beiden Bundesregierungen zu tun. Das ist so. Kein Land hat so schlecht gegen die Inflation gekämpft wie dieses Land. Wir sind Schlusslicht. (Beifall und Zwischenruf.)

 

Das hat eine wissenschaftliche Betrachtung. (Neuerlicher Zwischenruf.) - Hören Sie doch auf! Hören Sie doch einmal zu! Ich höre Ihnen auch zu. Benehmen Sie sich, bitte! (Beifall bei der SPÖ.)

 

Ich glaube, wir müssen Politik in einem großen Zusammenhang begreifen und sehen: Wie gehen wir denn mit diesen Sparvorgaben um? - Das ist das Entscheidende. Wir müssen hier kulturpolitische Prioritäten setzen. Wir haben in diesem Konsolidierungspfad ganz klare Linien vorgegeben, das stimmt. Sie wurden schon genannt. Wir sparen dort, wo wir Resilienzen geschaffen haben.

 

Zum Beispiel gab es gerade beim Konzerthaus in den letzten Jahren wegen Corona und der Herausforderungen eine Steigerung, die enorm war. Das hat aber dazu geführt, dass wir diesen Publikumsverlust wieder auffangen konnten. Jetzt wird es besser besucht denn je - so wie auch andere Institutionen.

 

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