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Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 105 von 109

 

letzt hat, ein Tag, der mir bis heute eine Gänsehaut bereitet. Jeder von uns weiß wahrscheinlich - ähnlich wie am 11. September -, was er an diesem Abend, als die Nachrichten hereingeschossen sind, gemacht hat.

 

Es ist ein Tag, der uns alle aufgerüttelt hat und in Wirklichkeit hoffentlich auch in vielen Köpfen der hier Anwesenden zumindest die Frage aufgeworfen hat: Kann es so weitergehen? Sind die Maßnahmen, die bis jetzt gesetzt worden sind, die richtigen gewesen? Können wir so etwas in Zukunft verhindern? Wenn ja, wie? Wollen wir das verhindern, oder leben wir mit dieser neuen Realität? - Offenbar glauben manche, dass das der richtige Weg ist.

 

In meiner Rede geht es aber konkret um diesen Gedenkstein. Ich war zu Allerseelen dort und habe mir das zum ersten Mal auch persönlich angeschaut. Ich stand dort und habe eine Kerze angezündet. Ich kannte indirekt auch Leute, die an diesem Abend dort waren und zum Glück mit dem Leben davongekommen sind. Das hat mich auch sehr berührt.

 

Ich bin dort vor dem Gedenkstein gestanden und war ehrlich gesagt fassungslos. Ich war fassungslos über die Textierung des Gedenksteines. Es stehen dort ein Satz auf Deutsch und ein Satz auf Englisch. Auf Deutsch steht der Satz: "Im Gedenken an die Opfer des Terroranschlages vom 2. November 2020". Auf Englisch: "In memoriam of the victims of the attack on 2nd november 2020".

 

Das Erste, was ich mir gedacht habe, ist, dass in der deutschen Fassung ganz klar der Hinweis auf den islamistischen Hintergrund dieses Anschlags fehlt. Es wird nicht erwähnt, dass es sich um einen islamistisch motivierten Anschlag handelt, obwohl dieser Hinweis auch wirklich wesentlich für das Verständnis dieses schrecklichen Ereignisses ist. (Zwischenruf.) - Warum die Aufregung, Kolleginnen und Kollegen von den NEOS? Warum?

 

In der englischen Fassung geht es ja noch wesentliche Schritte weiter. Da wird die eindeutige Bezeichnung als "terrorist attack" nicht verwendet, sondern lediglich das Wort "attack", also Attacke, obwohl dieser Begriff im englischsprachigen Kontext eindeutig verwendet werden muss, um den Charakter des Ereignisses korrekt wiederzugeben. Somit fehlt sowohl in der deutschen als auch in der englischen Version der Inschrift des Gedenksteins die Präzisierung der Tat. - Was Sie daran lustig finden, Herr Kollege, werde ich noch im persönlichen Gespräch mit Ihnen klären. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Eine eindeutige, genaue und unmissverständliche Formulierung auf diesem Stein ist wohl, geschätzte Damen und Herren, ein Mindestmaß an Respekt gegenüber den Opfern, gegenüber den Angehörigen der Opfer und gegenüber der gesamten Öffentlichkeit. Es ist nicht nur angemessen und notwendig. Es sollte eigentlich eine politische Selbstverständlichkeit sein. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Eine Kontextualisierung könnte anders ausschauen. Aus einem falschen Toleranzverständnis von dieser Seite wird sie aber offenbar zurückgehalten. Das ist jetzt meine Interpretation. Ich lade die Kolleginnen und Kollegen aber gern ein, nach mir das Wort zu ergreifen und zu erklären, warum das so mangelhaft durchgeführt wurde. Auf Deutsch könnte der Text auf dem Stein etwa lauten: "Im Gedenken an die Opfer des islamistischen Terroranschlages vom 2. November 2020". (Beifall bei der FPÖ.)

 

Auf Englisch könnte der Satz etwa lauten: "In memoriam of the victims of the islamist terrorist attack of 2nd november 2020". Die Umsetzung obliegt Ihnen. Es ist die Frage, ob Sie es als wert empfinden, das umzusetzen - den Opfern und Angehörigen gegenüber im Sinne einer wirklich gelebten Gedenkkultur. Das tun Sie nicht. Das wollen Sie nicht - oder Sie tun es. Sie können unserem Antrag zustimmen.

 

Wenn Sie es nicht gleich per sofortiger Abstimmung tun wollen, dann lade ich Sie dazu ein, beim nächsten Kulturausschuss darüber zu debattieren, welche Möglichkeiten es gibt, hier eine korrekte Kontextualisierung sicherzustellen. Das haben sich die Wiener verdient. Das ist ehrliche Politik. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Restredezeit der FPÖ beträgt vier Minuten.

 

Als Nächste ist GRin Anderle zu Wort gemeldet. Die gewählte Redezeit beträgt acht Minuten, die Restredezeit beläuft sich auf 24 Minuten. - Bitte.

 

21.17.26

GRin Patricia Anderle (SPÖ)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Frau Stadträtin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

 

Welche Stadt wollen wir sein, wenn es enger wird? - Kultur ist nicht Dekoration. Kultur ist das, was eine Stadt zusammenhält, wenn der Alltag drückt.

 

Es wurde heute schon mehrfach zitiert: Kultur darf kein Luxus sein - nicht für die, die sie besuchen, und nicht für die, die sie machen. Wien zeigt das jeden Tag ganz konkret. Peko hat es vorhin schon erwähnt: Es gibt 30-mal am Tag ein offenes Angebot.

 

Der Kultursommer in Wien ist dafür ein Paradebeispiel - kostenlos und dezentral. Denn Kultur beginnt dort, wo jemand stehen bleibt. Kultur, die nichts kostet, ist nicht weniger wert. Sie ist ein Mehrwert für unsere Stadt. Dazu gehört auch eine zweite ebenso wichtige ganz klare Setzung. Fair Pay bleibt - gratis fürs Publikum, aber niemals gratis für die Arbeit dahinter. 2025 wurden neue Kultursommerbühnen im 10., im 20. und im 23. Bezirk eröffnet. Sie waren so erfolgreich, dass sie auch in diesem Jahr weitergeführt werden.

 

Weil heute dieser Antrag zum Thema Transparenz beim Kultursommer diskutiert worden ist: Transparenz ist wichtig. Was aber in diesem Antrag steht, finde ich schon sehr kreativ. Da werden 4 Millionen EUR für sechs Wochen, für ganz Wien sowie für hunderte Auftritte gegen 250 000 EUR für eine einzelne Förderung gestellt. Das bedeutet nicht, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das sind eher Äpfel mit ein bisschen einem Obstsalat, würde ich sagen.

 

Der Kultursommer ist nämlich kein einzelnes Event, sondern eine kulturelle Nahversorgung. Man darf nicht vergessen: Er wurde 2020 als Antwort auf die Pandemie geschaffen und hat eine Tür aufgestoßen, die wir nie wieder zumachen dürfen - Gratiskultur bis in den letzten Winkel dieser Stadt zu bringen, weil viele Menschen eben nicht die Möglichkeit haben, regelmäßig Karten zu kaufen. Manche docken bei diesen öffentlichen Bühnen überhaupt zum ersten Mal an Kultur an. Das ist nicht nur

 

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