Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 97 von 109
Im Musikbereich, das wurde auch schon erwähnt, betrifft das etwa den Entfall der städtischen Förderung von 250 000 EUR für das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker. Gleichzeitig muss man aber erwähnen, dass das Prater-Picknick mit den Wiener Symphonikern als frei zugängliches Konzert für alle Wienerinnen und Wiener erhalten bleibt, ebenso natürlich auch niederschwellige Formate wie der Kultursommer. Parallel zu den Ausgabenanpassungen arbeitet die Stadt Wien natürlich auch an der Einnahmenseite. Diesbezüglich wird ein zweckgebundener Kultureuro angedacht, um die Kulturlandschaft langfristig breiter und auch stabil abzusichern.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte aber auch noch auf den Wissenschaftsbereich eingehen, weil es sehr, sehr wichtig ist, diesen auch zu thematisieren. Wien ist heute einer der bedeutendsten Wissenschaftsstandorte Europas. Renommierte Universitäten, außeruniversitäre Einrichtungen und internationale ForscherInnen prägen unsere Stadt. Dieses Ökosystem entsteht nicht von selbst, es braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die geschaffen werden, langfristiges Denken und eine Politik, die Wissenschaft auch als gesellschaftlichen Auftrag versteht.
Investitionen in die Wissenschaft sind auch Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Gerade in den letzten Jahren haben wir gezeigt, wie wichtig eine starke Wissenschaft ist, zum Beispiel in der Pandemie, im Kampf gegen den Klimawandel, bei der digitalen Transformation, aber natürlich auch im Umgang mit Desinformation. Wissenschaft liefert natürlich auch immer wieder keine einfachen Antworten, aber sie schafft Fakten, was wichtig ist, sie schafft Vertrauen, und sie schafft Handlungssicherheit.
Auch im Wissenschaftsbereich leistet Wien einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung, aber bewusst ohne Substanzverlust. Beim WWTF zum Beispiel werden die bestehenden vertraglichen Anpassungsklauseln genutzt. Konkret bedeutet das eine Reduktion von 2,5 Prozent. Diese Maßnahme ist aber verantwortungsvoll gewählt, weil sie laufende und geplante zukunftsweisende Projekte nicht gefährdet. Der WWTF bleibt damit ein wesentlicher, zentraler Motor des Wiener Wissenschaftssystems. Er stärkt Exzellenz, bringt relevante PartnerInnen zusammen, was ganz, ganz wichtig ist, und ermöglicht neue, auch interdisziplinäre Kooperationen.
Ein weiteres, besonders starkes Signal setzt Wien auch mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge, das bereits seine Arbeit aufgenommen hat. Das Institut steht für eine Wissenschaft, die nicht im Elfenbeinturm passiert, sondern verständlich, zugänglich und auch dialogorientiert ist. Die Stadt Wien unterstützt dieses Projekt, weil gut erklärte Wissenschaft eines unserer wichtigsten Werkzeuge ist, um gesellschaftliche Resilienz aufzubauen und um auf künftige Krisen vorbereitet zu sein.
Es gibt in diesem Bereich noch ganz, ganz viele weitere Punkte, wie auch zum Beispiel das Institut für den Digitalen Humanismus und so weiter. Wichtig ist zu sagen, dass trotz der notwendigen Budgetkonsolidierung die Förderungen im Wissenschaftsbereich für über 80 Prozent der FördernehmerInnen gleich bleiben.
In einzelnen Schwerpunkten, etwa im Bereich Digitaler Humanismus oder auch beim Ludwig Boltzmann Institut werden sogar gezielt Investitionen getätigt. Das zeigt klar, ja, wir sparen, aber wir sparen mit Maß, wir sparen mit Verantwortung und mit einem Blick auf die Zukunft. (Beifall bei der SPÖ.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, abschließend lässt sich noch einmal sagen: Einschnitte erfolgen im Kulturbereich vor allem dort, wo große Institutionen die Kraft haben, sie zu tragen. Wir konsolidieren mit Achtsamkeit, und wir konsolidieren mit Sorgfalt. Wir sichern Vielfalt, schützen den Zugang und stärken jene, die das kulturelle Leben Wiens täglich tragen. Wien bleibt stabil und gut positioniert. Dieses Budget sendet trotz notwendiger Einsparungen ein klares Signal für Kultur, Wissenschaft und auch für die Zukunft. In diesem Sinne ersuche ich Sie um Zustimmung. - Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Tatsächliche Redezeit war elf Minuten.
Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Gorlitzer, selbst gewählte Redezeit und gleichzeitig auch Restredezeit der Fraktion, zwölf Minuten. - Bitte.
GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Wir reden heute über die Geschäftsgruppe Kultur und - lange Pause! - Wissenschaft. (Heiterkeit.) Ja, es gibt auch Wissenschaftler in dieser Stadt. Mir ist nur aufgefallen, in der einstündigen Rede der Finanzstadträtin ist das Wort "Wissenschaft" kein einziges Mal genannt worden. (Beifall. - Zwischenrufe.) Von den 322 Millionen EUR Kulturbudget stehen nicht einmal 7 Prozent für das Wissenschaftsthema zur Verfügung und in dem Voranschlag gibt es eine einzige konkrete Maßnahme im Bereich der Wissenschaft. Sie betrifft den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, und der wird um 2,5 Prozent gekürzt. - Na, das ist ein gutes Zeichen.
Ich sage Ihnen, wie das bei den anderen Städten ausschaut. München zum Beispiel investiert seit Jahren gezielt in Forschung, Exzellenzcluster und Technologietransfer, auch in wirtschaftlich sehr angespannten Zeiten. Zürich verbindet seine Stadtentwicklung ganz intensiv mit Universitäten und Forschungseinrichtungen, und da steht das Credo, jeder Euro in Wissenschaft kommt mehrfach zurück, sei es in Innovation, in Wertschöpfung oder internationaler Sichtbarkeit.
Kopenhagen ist heute schon oft genannt worden - das ist übrigens die lebenswerteste Stadt derzeit in Europa und auf der Welt -, hat eine urbane Zukunftsstrategie. Wer einmal in Kopenhagen war, das ist sehr spannend, die haben wirklich eine Region mit ganz vielen Start-up-Companies und Forschungseinrichtungen, die auch mit ganz klaren Budgets, klaren Zielen und klaren Verantwortungen gestützt werden. Eine Stadt, die bisher nicht im Fokus stand ist Lissabon, die seit einigen Jahren Wissenschaft als Motor der Erneuerung der Stadt erkannt hat. Sie investieren dort gezielt in internationale Forschungszentren,
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