Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 90 von 109
kommt, dass große Institutionen ihren Beitrag leisten, weil sie das können. Gleichzeitig setzen wir mit diesem Budget auch ganz gezielte Maßnahmen um, mit denen wir die Vielfalt der Wiener Kulturszene weiterhin erhalten, sichern, ausbauen, denn die Förderlandschaft bleibt weitgehend erhalten.
Wenn wir über Budgets reden, ist immer der langfristige Ausblick entscheidend, und dieser langfristige Ausblick zeigt eines eigentlich ganz deutlich: Seit 2018 haben wir das Wiener Kulturbudget massiv erhöht, nominal über 44 Prozent, das heißt inflationsbereinigt um rund 11 Prozent. Die Erhöhung dieser Jahre seit 2018 ist kein Zufall, das ist das Ergebnis einer klaren kulturpolitischen Haltung, für die die Kulturstadträtin auch verantwortlich ist und die wir alle hier auch mittragen mit fachlicher Expertise und mit einem konsequenten Blick auf die langfristige Wirkung statt auf kurzfristige Effekte.
Die gute Nachricht ist, von dieser langfristigen Entwicklung seit 2018 können wir heute tatsächlich auch profitieren, denn diese langfristige Entwicklung ist Grundlage dafür, dass wir in diesen aktuell besonders herausfordernden Zeiten die Stabilität und die Vielfalt der Wiener Kunst- und Kulturszene nachhaltig absichern können. Dahinter steht eine jahrelange und klare Entscheidung, nämlich konsequent in die Resilienz der Wiener Kunst- und Kulturszene zu investieren - und zwar nicht kurzfristig, sondern vor allem nachhaltig und strukturell, nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern ganz gezielt und wirksam. (Beifall bei NEOS sowie von GRin Mag. Dr. Ewa Samel und GR Petr Baxant, BA.)
Ich möchte an dieser Stelle daher klar und deutlich sagen: Mit diesem Budget schützen wir die Vielfalt der Wiener Kulturlandschaft. Wir sorgen weiterhin für leistbare, frei zugängliche Kulturangebote für alle Wienerinnen und Wiener, und den besonderen Fokus - und das freut mich ganz besonders - setzen wir dabei auf Kinder- und Jugendkultur. Das ist kein Lippenbekenntnis, das ist die Leitlinie dieses Kulturbudgets.
Der Vorwurf, die Stadt spart Kultur kaputt, ist - entschuldigen Sie - absurd. Weder zerstören wir Strukturen, noch lassen wir die Szene im Stich. Was wir tun, ist, verantwortungsvoll zu konsolidieren, nämlich dort, wo es möglich ist. Gleichzeitig schützen wir die Vielfalt der freien Szene und die kulturelle Teilhabe. Das zeigt sich vor allem auch darin, dass wir es schaffen, mit diesem Kulturbudget alleine im Jahr 2026 11 000 geförderte, frei zugängliche Kulturveranstaltungen zu ermöglichen. 11 000, das sind mehr als 30 pro Tag. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Das ist Kulturpolitik, die Teilhabe ernst nimmt, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Zwischenrufe von der Zuschauergalerie.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert (unterbrechend): Darf ich Sie (in Richtung der Zuschauergalerie) bitten … Danke. Ich darf Sie ersuchen, auf der ZuschauerInnengalerie einfach nur zuzuhören, sonst müssen Sie tatsächlich gehen. (GR Georg Prack, BA: Echt jetzt?)
GR Thomas Weber (fortsetzend): Weil wir hier über Verantwortung sprechen, sprechen wir auch über verantwortungsvolle Politik und über verantwortungsvolle Verwaltung. Da ist es mir besonders wichtig, eines zu sagen: Alle Fördernehmerinnen und Fördernehmer, die von Kürzungen im Kulturbereich betroffen waren, wurden im Vorfeld in persönlichen Gesprächen informiert. Diese Gespräche wurden von der Leitung der MA 7 geführt. Es wurde erklärt, es wurde transparent kommuniziert - und zwar nicht erst, nachdem die Entscheidung getroffen worden war, sondern davor. Ich weiß, das waren mit Sicherheit keine einfachen Gespräche. Aber so sieht verantwortungsvolles Change Management aus.
Ich möchte mich für diese Vorgangsweise auch wirklich sehr herzlich bedanken bei der MA 7, vor allem beim Leiter der MA 7, den ich heute hier schon gesehen habe, bei Patricio Canete-Schreger, der diese Gespräche geführt hat. Ich weiß, das waren keine leichten Gespräche, aber noch einmal: So sieht verantwortungsvolles Change Management aus. Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang natürlich allen bei der MA 7, die in diesen Prozess eingebunden waren. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Ich habe schon gesagt, Kinder- und Jugendkultur, verantwortungsvolle Kulturpolitik heißt nicht nur, mit Veränderungen gut umgehen, sondern auch klar in die Zukunft zu investieren. Das machen wir mit diesem Budget und richten einen ganz klaren Blick nach vorne. Ein besonderer Schwerpunkt dabei ist die Kinder- und Jugendkultur, denn wenn wir wollen, dass die Kultur von Morgen auch noch Publikum hat, dass kulturelle Teilhabe nicht von der Herkunft oder vom Einkommen der Eltern abhängt, dann ist es wichtig, in Kinder- und Jugendkultur zu investieren.
2026 werden daher alle kulturellen Bildungsprojekte und alle Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche fördertechnisch stabil gehalten. Darüber hinaus investieren wir auch weiter. Das "Junge Theater Wien" in etwa wird weiter ausgerollt oder das Zentrum für Kinderkultur Floridsdorf - ein echter Leuchtturm nicht nur im Zentrum der Stadt, sondern bewusst in einem Außenbezirk, ein Ort für kulturelle Bildung, für künstlerisches Erleben, für Neugier, für Fantasie. Ein Ort, der vor allem eines sagt: Kultur gehört den Kindern unserer Stadt.
Neben der Kinder- und Jugendkultur sind es auch strukturelle Maßnahmen, weil Kultur ja in Wirklichkeit mehr als Projekte braucht. Da blicke ich dieser Tage auf den Spatenstich am Otto-Wagner-Areal, ein starkes Symbol. Dort entstehen Atelierräume, Werkräume, Residenzen, ein Ort, wo nicht nur Kultur gezeigt wird, sondern vor allem ein Ort, wo Kultur gemacht wird. Wissen Sie, was das ist? - Das ist verantwortungsvolle Resilienzpolitik.
Ich möchte hier auch ganz bewusst das Jüdische Museum nennen, denn beim Jüdischen Museum erhöhen wir das Budget. Aber nicht nur erhöhen wir das Budget, wir investieren dort auch zusätzlich in den Stadttempel, ein klares und wichtiges Signal. Wir stehen zu unserer jüdischen Geschichte, wir stehen zu unserer jüdischen Gegenwart und vor allem zum jüdischen Leben in Wien in der Zukunft. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - GR Mag. Josef Taucher: Bravo!)
Ein Thema, über das auch medial viel diskutiert worden ist im Zusammenhang mit dem Kulturbudget, sind die Arbeitsstipendien. Ja, die Zahl der Arbeitsstipendien wird reduziert, und das hat einen klaren Hintergrund, weil die Arbeitsstipendien bei Einführung eine gezielte Corona-
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