Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 88 von 109
sind ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Bildung in dieser Stadt, und sie ermöglichen Kindern den Zugang zu musikalischer Ausbildung unabhängig vom sozialen Hintergrund. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch deutlich, dass das derzeitige Angebot nicht ausreicht um die steigende Nachfrage abzudecken. In Wien gibt es derzeit lediglich in 15 Bezirken eine Musikschule, ergänzt um eine Singschule. Damit ist ein flächendeckender Zugang nicht gewährleistet. Das Interesse an einem Musikschulplatz in Wien ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Im Schuljahr 2014/15 gab es 10 800 Anmeldungen, im Schuljahr 2024/25 liegen die Anmeldungen bei 17 223. Damit haben sich die Anmeldungen innerhalb von zehn Jahren um 60 Prozent erhöht. Dem gegenüber stehen im Schuljahr 2024/25 nur 8 025 reguläre Musikschulplätze zur Verfügung. Zwar wurden Kooperationsplätze geschaffen, doch bleiben 4 362 Kinder ohne jeden Platz. Das sind rund 25 Prozent aller angemeldeten Kinder. Ein Blick in andere Bundesländer zeigt, dass deutlich höhere Standards möglich sind. In Niederösterreich nämlich bestehen derzeit 113 Musikschulen mit über 47 000 MusikschülerInnen sowie zusätzlich mehr als 15 000 Kooperationsplätzen. Damit werden in Niederösterreich bei geringerer Bevölkerungszahl als in Wien mehr als viermal so viele Kinder und Jugendliche musikalisch ausgebildet. (Beifall bei der ÖVP.)
Dieses Beispiel demonstriert, welches Niveau der musikpädagogischen Versorgung durch konsequenten Ausbau erreichbar ist, und verdeutlicht den akuten, bestehenden Handlungsbedarf in Wien. Dazu kommt die immense Preissteigerung. Mir kommt das Grausen, wenn ich daran denke. Ab kommendem Schuljahr wird massiv erhöht. So müssen Eltern etwa für 50 Minuten Einzelunterricht statt bisher 362 EUR pro Semester nun 471 EUR berappen, das ist eine Preissteigerung von 30 Prozent. In verständlichen Zahlen: Bei drei Kindern kostet Eltern das Musikschulgeld ab nun fast 3 000 EUR im Jahr.
Mit dieser neuen Gebührenerhöhung wandert der Kostendeckungsgrad der Musikschulen aber nicht in ungeahnte Höhen, oh nein, wir bewegen uns von mickrigen 9 Prozent auf gerade einmal 12,5 Prozent hinauf. Jedes musikbegeisterte Kind in dieser Stadt soll die Chance bekommen, sein Talent zu entfalten. Wir möchten auch in Zukunft auf die Erfolge unserer Wiener Musikerinnen und Musiker stolz sein und diese gebührend feiern. (Beifall bei der ÖVP.)
Sehr geehrte Frau Stadträtin, gestern haben wir Sie wieder im ORF-Kulturmontag sprechen gehört vom sogenannten Kultureuro. Viel versteht man nicht davon. Die Kritik am geplanten Wiener Kultureuro, eine geplante Touristenabgabe, und am Kulturbudget 2026 ist ja recht vielfältig.
Während Sie, sehr geehrte Frau Kulturstadträtin, die Notwendigkeit dieser Einführung betonen, äußert vor allem die freie Szene Sorgen über wieder einmal mangelnde Transparenz und konkrete Zahlen. Die Details zum Kultureuro sind völlig unklar. Es fehlt an konkreten Plänen. Wie hoch sind die Einnahmen? Wie wird es verwertet? Das Thema Transparenz wird wohl auch wieder aufpoppen. Werden uns die maßgeblichen Stellen wohl Einblick gewähren? - Wie wir die Stadtregierung kennen wohl eher nicht.
Die Ortstaxe in Wien wird erhöht. Bis Juli 2027 steigt sie von aktuell 3,2 Prozent gestaffelt, damit es nicht gleich so schmerzhaft ist, auf sage und schreibe 8 Prozent. Ursprünglich sollte diese drastische Erhöhung bereits jetzt in Kraft treten, doch nach einem Aufschrei der Hotellerie wurde die Anpassung zur Eingewöhnung zeitlich gestreckt. Wohin fließen die Mehreinnahmen? Ist der Kultureuro da schon drin oder kommt er da noch dazu? Können Sie, sehr geehrte Frau Kulturstadträtin, uns das vielleicht schon einmal beantworten? - Da wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Eine weitere Baustelle der absoluten Intransparenz: der Kultursommer Wien. Der Kultursommer Wien wurde im Pandemiejahr 2020 geschaffen, um trotz der damals geltenden Einschränkungen Kulturangebote im öffentlichen Raum zu ermöglichen und Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit zu geben. Gratulation, ein wirklich gelungenes, tolles Projekt!
Inzwischen hat sich diese mehrwöchige wienweite Veranstaltung im Wiener Kulturkalender etabliert. Laut offiziellen Angaben nahmen im Jahr 2025 über 90 000 Personen an den Veranstaltungen teil. Mehr als 500 Acts mit über 2 000 Künstlern aus den Bereichen Musik, Kabarett, Theater und Performance, Literatur et cetera traten auf Bühnen in verschiedenen Teilen Wiens auf. Der Kultursommer ermöglicht durch dezentrale Spielstätten und freie Zugänglichkeit ein niederschwelliges Kulturerlebnis. Zugleich standen für das Jahr 2025 4 Millionen EUR an Budgetmittel zur Verfügung. Eine transparente Darstellung der Mittelverwendung ist angesichts dieser extremen Höhe vor allem auf Grund der aktuellen budgetären Situation unbedingt erforderlich, wie bereits in früheren Jahren von uns gefordert.
Während das allgemeine Kulturbudget der Stadt Wien für das kommende Jahr 2026 auf Grund von Sparmaßnahmen um etwa 7,6 Prozent gesenkt werden soll, blieben die Mittel für den Kultursommer 2025 stabil. Das steht zum Beispiel im gravierenden Widerspruch zur Abschaffung der gesamten Subvention von 250 000 EUR für das Philharmonische Sommernachtskonzert. (Beifall bei der ÖVP.)
Mein Lieblingsthema! Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker in Schönbrunn bringt Wien immense Wertschöpfung durch weltweite Markenbildung und Tourismusförderung. Das kostenlose Konzert wird über hundert Fernsehstationen weltweit übertragen und erreicht Millionen Menschen, was Wien als attraktive Kultur- und Tourismusstadt bewirbt. Bis zu 100 000 Besucher vor Ort stärken Wiens Image als Kulturhauptstadt. Das bedeutet direkte Einnahmen durch den Tourismus sowie mediale Präsenz, die über Jahre wirkt.
Die Stadt Wien hat die Förderungen für 2026 zur Gänze gestrichen und die Philharmoniker vor die einfache Tatsache gestellt, diese wichtige Kulturveranstaltung völlig neu denken zu müssen.
Die neuerliche Durchführung des Konzertes ist alles andere als gesichert. Laut Vorstand Professor Froschauer
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular