Gemeinderat, 8. Sitzung vom 16.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 69 von 109
auch effizientere Förderungen und bessere Kombinationen, um diesen Anreiz zu schaffen. Das machen wir. Wir bleiben trotzdem auf diesem Zielpfad. Die Klimapolitik in Wien ist sicherlich nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft vorbildlich. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Redezeit betrug neun Minuten, die Restredezeit für die NEOS liegt bei 16 Minuten.
Als Nächste ist GRin Wirnsberger zu Wort gemeldet. Die gewählte Redezeit beträgt neun Minuten. - Bitte schön.
GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzter Herr Stadtrat, werte KollegInnen hier im Raum, liebe WienerInnen!
Kollege Ornig von den NEOS hat sich vorhin gewünscht, dass wir GRÜNEN auch ein bisschen mit positiven Erzählungen etwas zu dieser Debatte beitragen. Er ist jetzt leider nicht da. Ich verstehe natürlich, dass Ihnen unsere treffende Kritik keine große Freude macht. Ich möchte diesem Wunsch jetzt dennoch ein bisschen nachkommen und über Dinge sprechen, bei denen wirklich etwas gelingt.
Bis 2040 wird die Anzahl der Straßenbäume verdoppelt. Das hat die Stadt mit großer Mehrheit beschlossen, nachdem 30 000 BürgerInnen dafür unterschrieben haben. Damit nimmt die Politik nicht nur die Anliegen der BürgerInnen ernst, sondern sie zeigt, dass sie erkannt hat, dass die Investitionen in Resilienz und Hitzeschutz auch in budgetär angespannten Zeiten einfach grundlegend und essenziell sind. Denn es ist doch so: Wenn wir das heute nicht tun, dann wird es morgen erst richtig, richtig teuer. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Eine Millionen Bäume werden 2040 also die Stadt kühlen und mit ihren großen grünen Blätterdächern Schatten spenden. Das ist doch echt großartig, oder? Also, ich finde das super. Ich finde, dazu kann man auch wirklich gratulieren - halt nur leider nicht den WienerInnen, sondern den Menschen in Berlin. Dort ist das nämlich gerade erst beschlossen worden. In Wien nimmt sich die rot-pinke Koalition bis 2030 gerade einmal 20 000 Bäume vor. Wenn wir uns das Budget anschauen, dann ist nicht einmal gesichert, dass für diese 20 000 Bäume genug Geld da ist.
Über Biodiversität ist heute auch schon viel gesprochen worden. Es war schon öfter Thema. Da habe ich auch etwas Positives, Herr Kollege Ornig, um Ihren Wünschen zu entsprechen, dass wir über gute Dinge reden - und zwar ein riesiges Projekt für Artenvielfalt mit Blühwiesen rund um eines der zentralsten Denkmäler und eines der beliebten touristischen Ziele der Stadt. Es ist nicht einmal kostenintensiv, ganz im Gegenteil: Es ist sogar billiger als ganz normaler Rasen, der sehr pflegeintensiv ist.
Was hat man gemacht? - Man hat einfach 20 Millionen Wildblumensamen ausgestreut. Das ist nicht nur ein wunderschön anzusehendes Blumenmeer, sondern das zieht auch Bestäuber und unterschiedliche Arten von Wildbienen an. Es ist ein Paradies für die Artenvielfalt. Es ist ein einzigartiges Statement, so etwas mitten in der Stadt zu machen, wo es alle sehen und in die Welt hinaustragen. Es ist eine weitere Attraktion für die BewohnerInnen und BesucherInnen dieser Millionenstadt. (GR Mag. Josef Taucher: Wo ist das?) Die WienerInnen müssen dafür allerdings nach London reisen und dort zum Tower gehen. Denn dort wurde dieses Blütenmeer im ehemals kargen Burggraben geschaffen. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Ich möchte Ihnen allen aber wirklich wärmstens empfehlen, dass Sie dorthin fahren und sich das anschauen. Es ist nämlich wirklich ein super gelungenes Beispiel dafür, wie man echt neue Flächen für die Artenvielfalt schaffen kann, statt nur gutes und teures Marketing zu machen.
Okay, wir haben Bäume, wir haben Diversität. Der dritte wichtige Bereich in der Umwelt- und Klimapolitik ist der Boden: 5 500 Quadratmeter sind in wenigen Monaten seit April 2025 unter großer Beteiligung der knapp zwei Millionen StadtbewohnerInnen gemeinsam mit Unis, Schulen, Unternehmen und privaten GrundbesitzerInnen entsiegelt und begrünt worden. - Bravo, Hamburg. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Mag. Josef Taucher: Na, Wahnsinn!) Dort hat man nämlich mit "Abpflastern" diese große Entsiegelungsoffensive gestartet. Ja, Wien hat eh auch entsiegelt. Das will ich gar nicht abstreiten. Wenn wir uns jetzt aber das Budget anschauen, dann gilt hier das, was Sie uns hier im Gemeinderat immer gesagt haben: Die fetten Jahre sind vorbei.
Möglicherweise wird es auch zu dem meiner Meinung nach ein bisschen unlauteren Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen kommen, wonach Wien eh den geringsten Bodenverbrauch von allen Bundesländern hat. Ja, aber wir sind auch das am dichtesten bebaute Bundesland. So viel Fläche, wie Sie gern zubetonieren würden, haben wir in Wien ja gar nicht mehr. Trotzdem werden hier täglich 800 Quadratmeter Boden versiegelt. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Mag. Josef Taucher: Weil es nachhaltig ist! Das ist nachhaltig!)
Aber nicht einmal das ist Ihnen genug. Andere Städte wie Paris begrünen sukzessive ehemals stark befahrene Autostraßen, machen daraus Flaniermeilen für Menschen, holen die Natur zurück mitten in die Stadt. Und Sie? - Sie holen stattdessen mit der Lobauautobahn mitten durch das kostbarste Naturschutzgebiet ein fossiles Monsterprojekt aus der Mottenkiste und wollen damit eine zusätzliche Fläche in der Größe von Rudolfsheim-Fünfhaus zubetonieren. (Anhaltende Zwischenrufe von GR Mag. Josef Taucher.) Ich weiß nicht, wie Sie Straßen bauen, aber für Straßen braucht man in der Regel eine versiegelte Fläche. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Was will ich mit diesen Beispielen aus anderen Städten sagen? - Andere Städte schaffen trotz Spardruck (Zwischenruf von GR Mag. Josef Taucher.) notwendige Investitionen in die Zukunft, in Baumoffensive, Förderung von Artenvielfalt, Bodenschutz, Entsiegelung und Begrünung. Und Wien? - Da heißt es von hundert auf null, unser StR Peter Kraus hat es heute schon gesagt. Dieses Budget, Ihr Budget ist eine Vollbremsung für den Klimaschutz. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Die lebenswerte Klimamusterstadt, über die wir heute schon oft gesprochen haben, hat in den letzten fünf Jahren Schatten, Bäume, Begrünung, Wasser, Entsiegelung finanziert. Und das ist alles, was den WienerInnen das Leben in der zunehmenden Hitze leichter gemacht hat, direkt
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