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Gemeinderat, 47. Sitzung vom 25.05.2009, Wörtliches Protokoll  -  Seite 8 von 88

 

Frau Stadträtin!

 

Ich habe eine Frage zu einer bestimmten Gruppe von Personen, die in dieser Stadt leben, nämlich den Obdachlosen. Es gibt ja langjährige Forderungen auch der SPÖ - an Parteitagen gibt es immer wieder einen Antrag -, dass es die Gratisbenützung der Verkehrsmittel gibt; auch wir fordern das seit Längerem.

 

Können Sie sich vorstellen, dass man für die Obdachlosen selbst die 15,20 EUR, die der Mobilpass ja trotzdem kosten würde, gratis macht?

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Frau Stadträtin.

 

Amtsf StRin Mag Sonja Wehsely: Frau Kollegin Smolik!

 

Wenn Sie an Debatten auf SPÖ-Parteitagen interessiert sind, rate ich Ihnen, die Partei zu wechseln und zu schauen, dass Sie irgendwann einmal delegiert werden. Dann können Sie dort mitdiskutieren.

 

Der Mobilpass ist ein Ergebnis einer solchen Debatte und ist das Ergebnis, dass eben alle Menschen in dieser Stadt ausgesprochen günstig, nämlich um 15,20 EUR beziehungsweise um die Hälfte eines Einzelfahrscheines, fahren können. Das ist auch eine sehr gute Lösung, bei der wir bleiben werden.

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Ich danke für die Beantwortung der 2. Anfrage.

 

Die 3. Anfrage (FSP - 02085-2009/0001 - KVP/GM) wurde von Herrn GR Dr Franz Ferdinand Wolf gestellt und ist an den Herrn amstführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft gerichtet. (Die aktuellen Kontrollamtsberichte zu den Vereinigten Bühnen Wien haben sowohl, was den Umbau des Ronacher als auch den Betrieb der Musical-Sparte angeht, zahlreiche Mängel und Missstände aufgedeckt. Welche Konsequenzen werden Sie als Subventionsgeber für die Vereinigten Bühnen Wien, die mit jährlich ca 40 000 000 EUR aus dem Wiener Kulturbudget gefördert werden, ziehen?)

 

Bitte, Herr Stadtrat.

 

Amtsf StR Dr Andreas Mailath-Pokorny: Sehr geehrter Gemeinderat!

 

Gestatten Sie mir zunächst, dass ich Ihre Fragestellung ein bisschen korrigiere. Gerade wenn jemand so erpicht ist wie Sie auf die Genauigkeit von Zahlen und auf das Datenwerk, möchte ich doch darauf hinweisen, dass es nicht 40 Millionen EUR sind, die an die Vereinigten Bühnen fließen, sondern etwas über 37 Millionen EUR. Das ist ein nicht unerheblicher Unterschied. Also würde ich doch meinen, wenn man schon Korrektheit und Genauigkeit bei den Zahlen einmahnt, sollte man das auch bei der Fragestellung walten lassen.

 

Sie fragen mich, welche Konsequenzen ich als Subventionsgeber aus den Kontrollamtsberichten und aus den Missständen, die Sie darin orten, ziehe. Ich kann Ihnen nur sagen, die Vereinigten Bühnen sind permanent unter einem Reformdruck, und wir reformieren sie auch permanent.

 

Es gab eine große, grundlegende strukturelle Änderung, deren größter Teil ja typischerweise in Ihrer Anfrage nicht einmal Erwähnung findet, nämlich die Oper. Ein Großteil des zusätzlichen Geldes, das an die Vereinigten Bühnen fließt, fließt in die Oper, die ja, wie ich sehe, höre und annehme, auch von Ihnen unbestrittenerweise als sehr erfolgreich angesehen wird. Ich sehe auch gar nicht, wie man sie nicht als erfolgreich ansehen könnte.

 

Es gibt eine neue Geschäftsführung. Diese neue Geschäftsführung hat einiges bereits in Angriff genommen, zugegebenermaßen auch über einige Jahre auf Grund von vorhandenen Verträgen, die aber weder ich noch die Frau Vizebürgermeisterin abgeschlossen hat, die aber auch Sie in Ihrer Regierungszeit und meinen sonst sehr geschätzten Amtsvorgänger Marboe offensichtlich nicht weiter gestört haben, sonst hätten Sie sie ja kritisiert. (GRin Mag Marie Ringler: ... geändert worden! - Weitere Zwischenrufe.)

 

Diese neue Geschäftsführung hat bereits einiges in die Wege geleitet, was auch in dem Kontrollamtsbericht steht. Wenn Sie also Konsequenzen einfordern, so kann ich darauf nur sagen: Diese Konsequenzen sind bereits die längste Zeit im Laufen, sei das nun die Einführung eines zentralen Einkaufs, sei es die Zusammenlegung der Gebäudeverwaltungen im Department Facility Management, sei es die Etablierung eines Departments für Development und Sponsoring, sei es die Neuordnung von Controlling und EDV, sei es die Zusammenlegung und Zentralisierung der gesamten Technik und auch die Einführung neuer, flexiblerer und leistungsorientierter Verträge. Also eine ganze Menge passiert bereits, und das geschieht durch eine Geschäftsführung, die die Frau Vizebürgermeisterin und ich eingesetzt haben.

 

Lassen Sie mich vielleicht noch ein Wort zum vorgeblichen Misserfolg der Sparte Musical sagen. Natürlich lässt sich über künstlerischen Erfolg immer streiten, aber ich weiß nicht, wer von Ihnen bei der Premiere von „Producers" anwesend war, wer von Ihnen auch die verschiedenen Kritiken gesehen hat, die eigentlich lückenlos sehr erfolgreich waren, die gut oder hervorragend waren. Im Grunde halte ich auch eine Auslastung von 70 Prozent nicht für einen rasenden Misserfolg.

 

Jetzt werden Sie mir entgegenhalten: Ja, aber das waren nicht alle, und ein paar gibt es, die es nicht sind, und so weiter. - Darauf sage ich Ihnen, auch das gilt bei allen anderen Theatern. Also wenn man schon Auslastungszahlen mit anderen Theatern vergleichen will, dann muss man Gleiches mit Gleichem vergleichen.

 

Aber mittlerweile wurde ja diese Produktion auch nach Deutschland verkauft beziehungsweise dort koproduziert, und siehe da: Sie hat einen ähnlich großen Erfolg, wenn nicht einen noch größeren, in Deutschland gefeiert! Immerhin hat sie es auf die Titelseite deutscher Zeitungen - ich habe nur die „Süddeutsche" hier - geschafft: Die „Producers", ein grandioser Erfolg, vom Publikum viel bejubelt. So schlecht kann also das alles nicht sein, wie Sie tun und wie Sie es offensichtlich gerne hätten! Ich glaube, Sie wollen da einen Misserfolg partout herbeireden, den es weder in Wien gegeben hat noch in Berlin gibt.

 

Im Übrigen hat es auch noch andere sehr

 

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