Mitschrift
Zum Schreiben,
so wie ich es verstehe,
gehoeren vielleicht drei Dinge.
Das eine ist,
moeglichst praezise zu beobachten,
fuer diese Beobachtungen
moeglichst praezise Sprache zu finden
und ein moeglichst distanciertes
Verhaeltnis zur Macht zu haben.
Das heißt, Herrscherportraets
nur in Briefmarkengroeße.
Ich wuerde mich als Autor,
Publizist und Herausgeber bezeichnen.
Ich mache mir Gedanken
und versuche sie, so gut es geht,
in moeglichst praezise Sprache
umzusetzen.
* ruhige Musik *
Ich glaube sehr
an die Zukunft von Buechern,
weil Buecher nehmen einen Ort ein
der Langsamkeit.
Buecher sind nicht nur ...
Container ... fuer Informationen,
sondern man kann darin blaettern,
sie haben eine eigene Materialitaet.
Wir haben heute
enorm viele Informationen
und es ist sehr schwer, aus diesen
Informationen Wissen zu generieren.
Frueher war es vielleicht umgekehrt.
Wichtig ist, glaub ich,
dass man auch denen,
die keine so laute Stimme haben oder
die zum Verstummen gebracht wurden,
eine Stimme gibt.
Preise der Stadt Wien 2025 - Publizistik
Die besondere Stellung, die Univ.-Prof. i.R. Dr. Ernst Strouhal als Publizist, Autor, Leser und kulturwissenschaftlicher Forscher einnimmt, ist eine Folge seiner klaren Überzeugungen und dezidierten thematischen Vorlieben, die von Agon und Ares über Schach bis zur Zauberkunst reichen – wobei er sich auch des Risikos nicht entschlägt, über die eigene Familie zu schreiben. Strouhal ist zugleich offen für die Vielgestaltigkeit der Welt und von ihrer Widersprüchlichkeit nicht entmutigt, er ist analytischer, minutiöser Lektüre fähig und den Techniken zerstreuten Lesens nicht abhold, er ist als Autor ein Sich-Verzetteler und weiß als stilsicherer Essayist ohne vorgeschriebenes Ressort, dass nicht jeder Text gleich Buch werden muss und der richtige Zeitpunkt mitunter ein paar Jahre auf sich warten lässt.
Länge: 1 Min. 34 Sek.
Produktionsdatum: 2025
Copyright: Stadt Wien