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Mitschrift

Ich find das super. Wär nicht notwendig gewesen, der Umbau. Ich glaub, dass es funktionieren wird. Es wird viel Lärm und viel Staub machen. Als ich heut in der Früh aufgestanden bin, war mein erster Gedanke: Jetzt ist es endlich soweit! Ich weiß, was hier passiert. Was genau passiert, weiß ich nicht. Als ich vor einer Woche da war, hat das noch nicht stattgefunden. Da ich in der Nähe wohne, hab ich es mitbekommen. Und mir eine Broschüre geholt, was passiert. Es ist sicher gut, dass sich was verändert. Man versucht, für die Zukunft eine Straße so zu gestalten, dass sie den zukünftigen Ansprüchen entspricht. Und ich finde das grundsätzlich positiv. Man muss natürlich alles nur mit Hirn angehen. Und da bin ich mir nicht sicher, ob das entsprechend gut geplant ist. Es hat natürlich verdammt lange gedauert. Das hat Unmut erzeugt. Den ich teilweise verstehen kann. Daher müsste man solche Dinge rascher durchziehen. Es ist grundsätzlich für mich auch ein großer Lernprozess gewesen. Wie man so große Projekte, die in der Öffentlichkeit präsent sind, entsprechend abwickelt. Da habe ich auch viel gelernt. Zweifelsohne waren das drei sehr spannende, sehr zähe Jahre. In denen es viele Planungen gegeben hat. In denen es viel Diskussion gegeben hat, viel Kontroverse. Aber auch eine unglaubliche Lernerfahrung für mich als Mensch. Ich würde wirklich jederzeit dieses Projekt wieder angehen. Klar ist: Wenn man die Möglichkeit hat, ein Projekt das zweite Mal anzugehen, würde man vieles anders und besser machen. Warum wieder eine Baustelle? Es ist nicht gerechtfertigt. Die Wege sind viel kleiner im Moment. Und das kumuliert sich dann wieder alles auf den zu engen Gehwegen. Von Montag bis Donnerstag läuft kein Mensch auf der Straße. Alle laufen auf unseren sechs Meter breiten Gehsteigen. Deswegen finde ich den Umbau unnötig. Es gibt sogar Statistiken, wo man festgelegt hat, dass diese Straße die breitesten Gehsteige Österreichs hat. Ich habe ich nicht das Bedürfnis gehabt, dass sich das ändert. Die Veränderung war schon notwendig. Grad in Stoßzeiten war's schon sehr gedrängt. Aber war auch der Flair, der halt so da war. Jede größere Veränderung, die in die Gewohnheiten der Menschen und der Akteure eingreift, ist eine Diskussion. Und da gibt es natürlich auch immer wieder Untergriffe. Aber im Großen und Ganzen ist das sehr kultiviert abgelaufen. Das ist schon eine Veränderung, die der Stadt da widerfährt. Da gibt's viele Pro- und Contra-Stimmen. Ich bin eigentlich zuversichtlich. Veränderungen sind nie einfach. Ich nehm mich da selber nicht aus. Man muss alte Gewohnheiten ablegen. Aber ich glaub, dass das in ein paar Jahren niemand mehr wissen wird. Dass da keiner mehr denkt, dass das mal anders war. Da kann man jetzt noch nicht viel dazu sagen. Das muss man dann sehen. Ich kann mir halt vorstellen, dass es Touristen vielleicht anzieht. Aber ob das dann relevant ist im Gegensatz zur Laufkundschaft. Wir sind halt von der Laufkundschaft abhängig. Ich bin mit dem Rad heute hergekommen. Ich wohn nicht so weit weg, daher geh ich zu Fuß. Ich bin mit dem Fahrrad gekommen. Ich erledige die meisten Wege in Wien mit dem Rad oder zu Fuß. Man muss das natürlich dann auch so durchziehen. Wenn man eine Fußgängerzone plant, dann sollt's auch eine werden. Und da werden wir sehen, ob das richtig eingetütet wurde. Es gibt diese drei Gruppen von Fußgängern, Radfahrern, Autofahrern. Die sich immer in die Quere kommen. Wie wir im Sommer vor einem Jahr die Verkehrssituation eingerichtet haben, war ich mit meiner Frau hier. Die hat zu mir gesagt: Schau mal, hörst du was? Es war leise. Toll! Ich identifiziere mich voll mit diesem Projekt. Das ist ein Fortschritt für die Stadt. Ich freu mich auf die neue Straße. Insofern, als es hier einfach nett sein wird, zu flanieren. Sich aufzuhalten, Freunde zu treffen und im Schanigarten zu sitzen. Das wird für uns alle eine positive Stimmung erzeugen. Jetzt, wenn dann die Fußgängerzone so schön eingerichtet ist, werd ich sagen: Ich setz mich da ein bisschen hin. Es gibt auch Wassertische, ich weiß zwar nicht, was das ist. Und bewachsene Flächen mit Bäumen und Sträuchern. Ich denke, es wird sehr schön. Wir kriegen direkt vor den Shop eine Bobbycar-Strecke für Kinder. Braucht man das auf einer Einkaufsstraße? Ich weiß, dass das negativ gesehen wird mit den Kinderspielplätzen. Aber die Jugend ist unsere Zukunft. Ich finde das toll. Kann man jetzt da laufen, also geht das? Oder kommen da Autos? Also das ist immer recht. Ich fand das ganz gut, das war klar getrennt. Autos und Fußgänger. Wir verlieren Kunden, die hergekommen sind wegen dem Parkplatz. Im ersten Bezirk haben sie den nicht. Das ist jetzt nicht mehr so. Ich glaube, dass manche Unternehmen das als Ausrede verwenden. Weil sie eine schlechte Geschäftsentwicklung allgemein haben, sagen sie: Das ist wegen der Fußgängerzone. Die Bedenken der Kaufleute: dass die Leute nicht kommen ohne Auto. Da hoffe ich, dass sie einsehen, dass das so viel angenehmer ist. Ich habe eigentlich mit dem ganz gut können, wie es war. Aber man sollte neuen Ideen auch nicht verschlossen bleiben. Sondern das annehmen. Ich glaube, dass der Mensch sich an so einen Entwicklungsprozess auch gewöhnen kann. Man fragt sich ja manchmal: Ist das oder jenes notwendig? Im Augenblick denkt man vielleicht: nein. Aber für die Zukunft betrachtet, ist es dann doch in Ordnung. Veränderungen wie die Mariahilfer Straße. Das sind Dinge, die in Zukunft für mich schlagend werden. Wo ich in zehn Jahren sagen kann: gute Veränderungen. Hoffentlich ist dieses Projekt eines, wo man nachher denkt: Das hat geklappt.

Querstadt im Detail - MAHÜ 1

Der Umbau der Mariahilfer Straße - eine Zäsur für die Stadt, die BewohnerInnen, aber auch für den Umgang mit der urbanen Struktur Wiens im Allgemeinen. Urbanität ist Kommunikation, ist Dialog und zwar ständig - wir begleiten diesen Prozess. In 8 Episoden treffen wir AnrainerInnen, PolitikerInnen, PlanerInnen, BauarbeiterInnen, PassantInnen und Geschäftsleute und sehen Veränderung Geschichte werden.

Länge: 7 Min. 52 Sek.
Produktionsdatum: 2014
Copyright: querstadt.net

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