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Georg Widerin, wien.at-Entwicklung der U-Bahn in Wien.

Am 25. Februar 1978, also vor genau 35 Jahren, steigt er in Wien in die erste U-Bahn und fährt vom Karlsplatz zum Reumannplatz. Ein historischer Moment, den Bürgermeister Leopold Gratz mit folgenden Worten besiegelt:

Leopold Gratz, Bürgermeister: "Ich lade die Wienerinnen und Wiener herzlich ein, von der U-Bahn Besitz zu ergreifen."

Walter Hinkel, U-Bahn-Bauleiter am Karlsplatz: "Großartig. Alle hat es innerlich erschüttert vor lauter Freude."

Die U-Bahn wird natürlich nicht über Nacht in Betrieb genommen. Es braucht eine längere Vorlaufzeit. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts werden in London und Paris die ersten Untergrundbahnen eröffnet. In Wien entwirft unterdessen Reichsbrücke ein. Ein nach dem Weltkrieg schlampig wiederaufgebauter Pfeiler ist Ursache für den spektakulären Zusammenbruch des Verbindungsstücks zwischen dem 22. Bezirk und dem Rest von Wien.

Den U-Bahn-Bau treibt dieser Einsturz voran, weil durch den Neubau der Brücke gleich die erst für später geplante U1-Verlängerung vom Praterstern bis Kagran verwirklicht wird. Die U-Bahn-Trasse wird direkt in das Tragwerk unter der Fahrbahn gebaut.

Von 1978 bis heute wird aus dem ersten Teilstück der U1 ein U-Bahn-Netz bestehend aus fünf U-Bahn-Linien, 101 Stationen und 75 Kilometern Fahrbahn. Rund 1,4 Millionen Fahrgäste nutzen die U-Bahn jeden Tag. Das Netz wird nach wie vor weiter ausgebaut.

Walter Hinkel, U-Bahn-Bauleiter am Karlsplatz: "Die Wiener lieben die U-Bahn sehr, das weiß ich aus den vielen Gesprächen. Wir haben ja Führungen gehabt, über 100.000 Leute haben an den Führungen teilgenommen. Sie waren interessiert, was in der U-Bahn geschieht. Wir haben ihnen an Samstagen und Sonntagen unserer Freizeit gezeigt, was wir gebaut haben. Und es hat mich sehr gefreut, dass das so viel Anklang gefunden hat."

1983 beginnen bei der Landstraßer Hauptstraße die Arbeiten für die U3 und in Meidling die Arbeiten für die U6.

Helmut Zilk, Bürgermeister: "Am heutigen Tag haben wir 46 Kilometer fertige U-Bahn. Wenn Sie es lustig haben wollen: für jeden Wiener drei Zentimeter."

Durch die neue österreichische Tunnelbaumethode wächst das Netz täglich um vier Meter. Das eine oder andere Hoppala lässt sich bei den intensiven Arbeiten nicht verhindern.

Walter Hinkel, U-Bahn-Bauleiter am Karlsplatz: "Es war so: Auf dieser Stelle da drüben war eine Bentonit-Anlage, die förderte, die schuf das Bentonit, welches wir am Bau brauchten. Mit dicken Schläuchen wurde das zugeführt, für Injektionen zum Beispiel. Eines Tages im Sommer, heißer Sommer, fuhr mit offenen Fenstern ein Straßenbahnwagen bei dieser Anlage vorbei und da platzte gerade in dem Moment ein Schlauch und Suspension quoll in diese Fenster hinein. Die Leute haben ausgeschaut wie die Marsmenschen. Wir haben alle angerufen und den Schaden ersetzt und haben sie mit Taxis nach Hause gebracht. Nur einer hat sich nicht gerührt. Dessen Frau habe ich dann persönlich angerufen, und sie hat gesagt: 'Was, am Karlsplatz?! Der war in Tirol. Das gibt es ja nicht. ' Entschuldigung, das muss ein Irrtum sein."

Im Jahr 2000 wird die Inbetriebnahme der Strecke Ottakring bis Simmering gebührend gefeiert.

2001 rückt die U1 wieder in den Fokus. Der Rennbahnweg und die Großfeldsiedlung werden von der U-Bahn erschlossen. Fünf neue Stationen sollen bis Leopoldau fahren. Der Wiener Maulwurf kommt in einer modernisierten Form wieder zum Einsatz und schafft jetzt zehn bis zwölf Meter Tunnel pro Tag.

Am 2. September 2006 wird wieder gefeiert. 35 Minuten braucht man heute von der Station Reumannplatz bis Leopoldau. Im schicken neuen V-Wagen, dem Nachfolger des ausgedienten Silberpfeils, kann die U-Bahn jetzt in einem Stück durchlaufen werden.

Auch derzeit laufen die Ausbauarbeiten der U1 auf Hochtouren. 2017 soll die U1 bis Oberlaa fahren und damit die Favoritner ein Stück näher ans Zentrum bringen.

Georg Widerin, wien.at-TV: "Vor 35 Jahren wurde in Wien die U-Bahn eröffnet."

Passantin: "Ich weiß, ich bin alt genug, ich habe es erlebt."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Wo und was wäre denn Wien heutzutage ohne U-Bahn?"

Passantin: "Wien ohne U-Bahn wäre bedauernswert."

Passantin: "Ich liebe die U-Bahn. Selbst die U2, die zwar den 21er ersetzt hat, ist ein Segen."

Passant: "Das öffentliche Verkehrsmittel ist wunderbar, hervorragend ausgebaut in Wien. Ist exzellent und super weiterzuempfehlen."

Passant: "Man ist eigentlich so flexibel, so beweglich und so angenehm zu einem sehr, sehr günstigen Preis eigentlich, gesamt betrachtet. Man braucht keinen Parkplatz suchen, das Risiko ist viel kleiner und man kann auch das eine oder andere gute Achtel genießen und trinken."

Passant: "Wien ohne U-Bahn wäre wahrscheinlich eine Katastrophe, weil ja eigentlich der ganze Stadtverkehr mit Autos sowieso nicht machbar wäre. Daher glaube ich, dass Wien oder überhaupt große Städte einfach den U-Bahn-Verkehr oder Linienverkehr brauchen."

Passantin: "Das mit der U-Bahn ist großartig. Nur die Begrünung oberhalb, die sollte ein bisschen besser ausschauen."

Die U2 steht ab 2003 wieder im Fokus. Die Fußballeuropameisterschaft 2008 drängt zur Fertigstellung. Die größte Hürde ist die Untertunnelung des Donaukanals. 14 Meter unter der Wasseroberfläche wird gegraben. Die Arbeit erledigt natürlich wieder der Wiener Maulwurf. Für ein derartig monströses Bauvorhaben war minus 140 Grad kalter Stickstoff nötig. Er hat das Wasser am Eindringen in den Tunnel gehindert.

Heute fährt die U2 über Stadlau und das SMZ-Ost bis zur Aspernstraße. Noch 2013 soll die vierte Ausbauphase bis Seestadt Aspern eröffnet werden.

Die U-Bahn ist in Wien nicht mehr wegzudenken. In einer wachsenden Stadt muss sich auch der öffentliche Verkehr anpassen. Die U-Bahn wächst und erschließt Wien nach und nach immer mehr. Wer weiß, bis wohin sie uns in weiteren 35 Jahren führt.

Georg Widerin, wien.at-TV: "Was hat denn der U-Bahn-Bau Ihnen gegeben?"

Walter Hinkel, U-Bahn-Bauleiter am Karlsplatz: "Unheimlich Vieles, Genugtuung. Dass ich in so einem Bauwerk mitarbeiten durfte, dass ich in dieser Zeit geboren wurde, es war für mich kolossal. Eine innere Freude hat mich immer erfüllt. Das hat sich auch bei den Begebenheiten, bei den Besuchen herausgestellt."

Archiv-Video vom 28.03.2013:
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wien.at-TV - Reportage vom 29. März 2013 - 35 Jahre U-Bahn

Am 25. Februar 1978, also vor genau 35 Jahren fährt die erste U-Bahn vom Karlsplatz zum Reumannplatz - ein historischer Moment, denn heute ist die U-Bahn aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken und das U-Bahnnetz wächst ständig. Die Verlängerung der U2 zur Endstation Seestadt soll im Oktober erfolgen.

Länge: 14 Min. 30 Sek.
Produktionsdatum: 2013
Erstausstrahlung: 29.03.2013
Copyright: Stadt Wien

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