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Mitschrift

Ich heiße Hilde Zadek, eigentlich meinem Pass nach Hildegard Zadek, und bin am 15. Dezember 1917 geboren in Bromberg, einer Stadt, die damals Deutschland war und dann aber polnisch wurde. Ich bin aufgewachsen in Stettin, was heute auch polnisch ist, damals auch deutsch war. Ich bin im Jahre '47 nach Österreich gekommen und bin 25 Jahre an der Wiener Staatsoper gewesen, wo ich schon nach ganz kurzer Zeit Kammersänger geworden bin. Ich bin ein Kind des Ersten Weltkriegs, das heißt, ich bin 1917 geboren, in Bromberg in Deutschland. Ich habe meine Kindheit in den verschiedensten Städten verbracht. Wir mussten aus Bromberg fliehen, weil Bromberg polnisch wurde. Wir flohen nach Deutschland. Und ich bin in Stettin aufgewachsen und zur Schule gegangen. Das wichtigste Ereignis, das ich aus dieser Zeit weiß, war im Jahre 1934. In der Zeit, als der Nationalsozialismus schon das zweite Jahr geblüht hat, und wir in der Schule gelernt haben, dass Juden Menschen sind, die eigentlich Gorilla-Köpfe haben usw. Da kam eine Mitschülerin eines Tages in die Turnstunde und sagte: "Hier stinkt es nach Juden." Das hat mich dazu angeregt, ihr zwei Vorderzähne auszuschlagen. Das war in der Zeit eine sehr gefährliche Sache. Ich musste sofort aus Stettin weg, weil die Gefahr bestand, dass ich verhaftet würde. So bin ich nach Berlin geflohen und bin in Berlin sozusagen untergetaucht in einem Säuglingsheim, wo ich anfing, Säuglingspflege zu lernen im Jahr 1934. Im Jahr 1935 bin ich nach Palästina ausgewandert, und zwar alleine, ohne meine Familie. Ich war damals 17-jährig und ... .. wusste aber, dass ich raus muss aus Deutschland und wollte auch aus Deutschland raus. Ich kam in Palästina an im Jahre 1935. Ich bin gleich als sogenannte Praktikantin in ein Kinderheim gegangen zum Arbeiten und auch zum Wohnen. Ich hab damals mit 13 dreijährigen Kindern in einem Schlafsaal geschlafen, während ich aus einem Haus kam, in dem ich von meiner Kindheit an ein eigenes Zimmer hatte, obwohl ich zwei Geschwister hatte. Das heißt, ich kam aus einem sehr behüteten Haus in eine ... sehr, sehr beengte, bedrängte ... .. Gegenwart, und für mich, wie es so aussah, Zukunft. Ich war Praktikantin in einem Kinderheim und dachte, das ist nun mein Leben. Nach einem Jahr nahm ich 30 Kilo zu, weil ich außer Babynahrung, Grießbrei und Haferflocken nichts zu essen bekam. Da wusste ich ganz genau, ich muss da raus, weil ich einfach eingehe. Und ich hatte das große Glück, in einem Säuglingsheim in Jerusalem als Lehrschwester angestellt zu werden. Ich machte dort mein Diplom als Lehrschwester und habe dann im Krankenhaus gearbeitet, im Bikur Cholim. Das war ein großes Krankenhaus mit einer sehr großen Kinderabteilung, in der die Leiterin, die Ärztin, mit einem sehr berühmten Komponisten verheiratet war und auch gleichzeitig die Leiterin des Konservatoriums in Jerusalem war, obwohl sie Ärztin war. Aber durch ihre Beziehung zu ihrem Mann ... .. wurde sie auch die oberste Leiterin des Konservatoriums. Und so kam ich zum ersten Mal mit dem Konservatorium in Berührung und überhaupt mit der Musikwelt. Dadurch dass ich manchmal eingeladen war bei der Frau Dr. Kagan und dort viele Musiker kennengelernt habe, kam ich zum ersten Mal in die Musikwelt, mit der Welt der modernen Musik in Jerusalem in Verbindung. Meine Eltern und meine Geschwister waren in Deutschland geblieben. Und im Jahre 1938 ... Wir hatten ein sehr großes, ein sehr gut gehendes Schuhgeschäft, und im Jahre 1938, als die Kristallnacht war, wurde unser Geschäft zerstört und mein Vater wurde verhaftet und kam ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Dadurch dass ich in Palästina war und die Möglichkeit hatte, ein Visum zu erlangen für meine Familie, durfte mein Vater in der Zeit damals, 1938, noch aus dem Konzentrationslager entlassen werden. Und unter Hinterlassung des Hab und Guts, vor allen Dingen des Vermögens, durfte meine Familie noch Ende '38 aus Deutschland auswandern. Sie kam am 7. Januar 1939, also im Kriegsjahr, gerade noch zur rechten Zeit in Palästina an. Ich war damals Säuglingsschwester im Krankenhaus, meine Eltern kamen aus der Schuhbranche, und wir mussten uns überlegen, wie können wir jetzt eine fünfköpfige Familie ernähren. Und da gab es natürlich nur diese Symbiose: Schuhgeschäft, Kinderschwester. Daraus entstand das erste Kinderschuhgeschäft in Jerusalem. Das bestand aus meinem Vater, der hinter einem Vorhang saß und die Schuhe herausreichte, meiner Mutter, die an der Kassa saß, und mir, die ich sowohl das Schaufenster dekoriert habe, als auch die einzige Verkäuferin war. Aber die Mütter der gesund gewordenen Kinder strömten in das Schuhgeschäft. Und es wurde daraus ein blühendes Unternehmen. Wir konnten nach einem Jahr in ein großes Geschäft in der Hauptstraße von Jerusalem umziehen. Und ich habe in diesem Geschäft fünf Jahre gearbeitet und habe aber gleichzeitig angefangen, Gesang zu studieren, nachdem ich in den vorhergehenden vier Jahren, von 1935 bis 1939, meine Stimme verloren hatte. Es hatte in mir nicht mehr gesungen in dieser Zeit. Obwohl ich bis 1934 ein 'singender Mensch' war, hatte es von '35 bis '39 nicht mehr in mir gesungen. Und als meine Familie dann wieder da war, hat es wieder angefangen, in mir zu singen. Und ich wusste: Das Einzige, was in meinem Leben Bedeutung hat, ist Gesang. Und aus diesem ... diesem ... .. Bedürfnis, Sängerin zu werden, habe ich es fertiggebracht, neben zehn Stunden Arbeit im Schuhgeschäft, nämlich von morgens um acht bis abends um sechs mit einer Mittagspause, dann abends im Konservatorium Musik zu studieren. Ich habe fünf Jahre lang ... .. Schuhe verkauft, Musik studiert und schon vom zweiten Studienjahr an habe ich Konzerte gegeben. Aber immer indem ich mich abends im Geschäft umgezogen habe und nach dem Geschäft im Abendkleid zum Konzertsaal gegangen bin und dann noch ein Konzert gegeben habe. Die Hitlerzeit hat natürlich einen großen Einschnitt in alles gebracht. Sie hat die Familien auseinander- gerissen, und nicht nur meine. Nicht nur, dass ich ausgewandert bin, weg von meiner ganzen Familie, von meiner Umgebung, sondern auch in der Familie als solche wurden in diesen Jahren, zwischen 1935 und 1940, viele Mitglieder meiner Familie ermordet. Es ist der Vater meiner Mutter, die zwei Brüder meiner Mutter und die Schwester meines Vaters sind im Konzentrationslager vergast worden. Und viele meiner nächsten Verwandten sind auf der Flucht vor Hitler in Länder gekommen, an die sie nie gedacht haben, dass sie da je landen werden. Kuba und Chile und ... Also in lauter Länder, wo sie überhaupt nicht hinwollten, wo sie aus ihrem Beruf herausgerissen waren, nicht mehr darin arbeiten konnten. Einer meiner Vettern, der ein berühmter Arzt in Berlin war, musste dann als sogenannter Janitor arbeiten. Das ist so ein Krankenpfleger, der den Schmutz nach den Operationen aus den Krankenzimmern herausnehmen muss usw. Also, sie sind alle schwer degradiert in ihren früheren Berufen durch den ... Krieg gegangen. Wir in Palästina waren im Anfang ... .. eigentlich geschützt. Rommel, der durch Ägypten ging, war noch weit entfernt. Aber im Laufe des Krieges hat sich das verändert. Rommel ist immer weiter, immer näher durch Afrika gezogen und als er bis Ägypten kam, wussten wir, jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass er auch nach Palästina vordringen wird. Das hat natürlich eine große Angst in uns erzeugt. Denn es fingen schon an, Flugzeuge über Tel Aviv zu fliegen, und wir wussten, wenn es Rommel gelingt, bis zu uns vorzudringen, bedeutet das das Ende der Juden in Palästina. Aber Gott sei Dank ist Rommel nicht bis dorthin gezogen, weil die Engländer stärker waren und ihn verdrängt haben. Und so haben wir den Krieg verhältnismäßig ... .. friedlich zu Ende gebracht. Da heißt, wir haben natürlich auch gelitten unter ... .. unter Rationierungen, unter Angstzuständen usw. Es war keine lustige Zeit, der Krieg. Aber immerhin: Es ist uns gar nichts geschehen. Ich wusste ganz genau, dass ich Opernsängerin werden musste. Egal wie viel Schuhe ich verkauft hatte, ich wusste, ich werde Opernsängerin. Ich wusste aber auch, dass ich das nur in Europa werden kann. Denn in Palästina gab es ja überhaupt kein Opernhaus. Ich hab ja nie Oper gehört. Also, raus und in die große Welt. Jetzt hab ich an alle großen Konservatorien geschrieben in Zürich, in London, in New York und in Paris: "Könnt ihr mir ein Stipendium geben, damit ich weiterstudieren kann?" Zürich hat es mir gegeben, und so habe ich mich eingeschrieben in das Konservatorium in Zürich. Ich musste eine abenteuerliche Fahrt hinter mich bringen, bevor ich das antreten konnte. Als der Krieg zu Ende war und ich wusste, dass ich raus muss, hatte ich die Gelegenheit, mit einem englischen Transportschiff zu reisen, zu dem ich schon vorher Beziehung hatte, weil ich für die Engländer gesungen habe während des ganzen Krieges, und ich eine Schwester hatte, die Offizierin im englischen Militär war. So kam ich zu einem Platz in einem Truppen-Transportschiff mit 2000 englischen Soldaten, das von Alexandrien in Ägypten nach Europa fuhr. Und auf diesem Schiff habe ich sozusagen, indem ich für die Engländer sang, mir meine Überfahrt verdient. Und als ich in Europa ankam, war das für mich natürlich eine furchtbare Sache, denn ich kam in ein völlig zerstörtes Europa. In ein Europa, in dem weder die Bahnstationen noch die Schiffsanlegestellen noch irgendetwas so war, wie es früher war. Es war alles zerstört. Die Bahnhöfe hatten keine Dächer mehr. Es war Oktober, es hat geregnet, es war eine furchtbare Zeit. Ich hatte keine ... Rationskarte. Man bekam ja alles nur auf eine Karte. Ich konnte mir darum weder einen Tee noch irgendetwas beschaffen. Ich musste aber eine ganze Nacht auf dem Bahnsteig in ... Wo bin ich denn gelandet? In Toulouse, auf dem Bahnsteig von Toulouse sitzen, um auf einen Zug zu warten, der weiter in die Richtung von Zürich fuhr. Und letzten Endes durch eine abenteuerliche Nacht bin ich am nächsten Tag dann doch in Zürich gelandet. Und stand da mit meinem Koffer ... .. und wusste im Grunde nicht, wohin. Ich hatte aber einen Brief bei mir an eine ... Dame, die dort in Zürich gelebt hat und die sechs Jahre durch den Krieg mit niemandem korrespondieren konnte zwischen Palästina und Europa. Ich sollte dieser Dame diesen Brief geben. Ich läutete sie an, die kam sofort, um den Brief zu holen von ihrem Vater. Wir kamen ins Gespräch und sie fragte mich: "Wo wohnen Sie denn hier in Zürich? In welchem Hotel?" Ich sagte ihr: "In gar keinem. Ich bin vor einer Stunde angekommen und weiß überhaupt noch nicht, wie es jetzt weitergeht." Wir unterhielten uns und ich sagte, dass ich gelernte Säuglingsschwester bin. Sie sagte: "Wissen Sie, ich habe eine Idee." "Vor einer Stunde rief mich meine Freundin Renate Langhoff an und hat gesagt, ihr Mann, der berühmte Schauspieler, ist der erste Intendant in der Düsseldorfer Oper geworden und sie ist alleine mit den zwei Söhnen zurückgeblieben, mit denen sie nicht fertig wird." "Hätten Sie Lust, dort als Au-pair einzuziehen?" Hab ich gesagt: "Selbstverständlich, sofort." Und ich bin einfach mit meinem Koffer sofort in eine wunderschöne Villa als Au-pair-Mädchen in das Haus von der Renate Langhoff gezogen. Ich habe gleichzeitig die beiden Buben erzogen, die dann später die berühmten Regisseure Langhoff geworden sind. Der Vater war in der Zwischenzeit Intendant in der Deutschen Oper ... .. äh, im Deutschen Schauspielhaus geworden usw. Und ... ich hatte ein Zuhause, konnte mich eingewöhnen, konnte in Ruhe ins Konservatorium gehen studieren. Und konnte mir sogar am Sonntag in der evangelischen Kirche, indem ich dort gesungen habe, 20 Franken verdienen. Das war mein einziger Verdienst, den ich sozusagen hatte. Das war mein erstes Jahr in Zürich. Und ich habe in diesem Jahr durch diese Dame, der ich den Brief mitgebracht habe aus Palästina, die zufällig die Patentochter vom Direktor der Wiener Staatsoper war, dem ich vorsingen durfte in ihrer kleinen Wohnung, die Aufforderung vom Direktor der Wiener Staatsoper bekommen, nach Wien zu kommen und eine Vorstellung auf Engagement zu singen. Diese Zeit musste lange warten. Ich musste vom August '46 bis zum Januar '47 auf 13 Stempel warten, die die verschiedenen Besatzungsmitglieder geben mussten, damit ich über die verschiedenen Demarkationslinien fahren konnte. Und so konnte ich erst am 27. Januar 1947 in Wien ankommen. Ich war froh und glücklich, in Wien zu sein. Denn eigentlich hätte ich zu dieser Zeit in Düsseldorf sein müssen. Denn die Frau Langhoff, die die Frau des ersten Intendanten von der Düsseldorfer Oper war, hatte mich vermittelt nach Düsseldorf. Ich hatte einen Vertrag bekommen, wo ich schon "Rosenkavalier", "Fidelio" und alles hätte singen sollen. Ich habe aber nie das Visum der englischen Besatzungsmacht bekommen, die damals in Düsseldorf war. Weil sie gesagt haben, ich hätte ... Obwohl ich einen British Subject of Palestine-Pass hatte, könnten sie für meine Sicherheit nicht garantieren. Und jetzt war ich glücklich, in Wien zu sein, in der Wiener Staatsoper vorsingen zu können, was ich sofort am ersten Morgen ... tat. Ich ging zum Direktor der Staatsoper und sagte: "Da bin ich, Herr Direktor." "Sie haben mir im August gesagt, wenn ich nach Wien komme, geben Sie mir eine Vorstellung auf Engagement." "Was soll ich singen?" Und er blätterte in seinem Buch und sagte: "Am 3. März ist eine 'Aida' und mir hat gerade die Aida abgesagt." "Wollen Sie die Aida singen?" Da hab ich gesagt: "Selbstverständlich, Herr Direktor." Obwohl ich keine Ahnung hatte, ich hatte nie "Aida" studiert, auch nie gesehen, denn es gab ja in Palästina keine Oper. Dann sagte er: "Die Oper ist aber in Italienisch." Da sagte ich: "Das macht nichts, Herr Direktor." Obwohl ich kein Wort Italienisch konnte. Dann sagte er: "Proben bekommen Sie aber keine." "Das ist eine laufende Vorstellung und es wird keiner kommen, um mit Ihnen noch mal zu probieren." Da sagte ich: "Herr Direktor, Proben brauch' ich keine." "Das Einzige, was ich brauche, ist ein Korrepetitor, der mit mir die Partie arbeitet." Da hab ich in fünf Tagen mit dem Korrepetitor ohne Bühnen- und Orchesterproben die Aida gesungen. Mit Herrn ... mit Josef Krips, Professor Josef Krips, der zu der Zeit, als ich das in den fünf Tagen studierte, noch in Russland auf einer Tournee war. Er kam einen Tag vor dem 3. Februar zu mir ins Probenzimmer und sagte: "Singen Sie bitte mal die Stelle mit dem hohen C." Ich sang das für ihn und er sagte: "Danke, wir machen das morgen Abend zusammen." Und ich muss sagen, der Professor Krips trug mich durch die Vorstellung. Das kann ich nicht anders sagen. Musikalisch hatte ich keine Probleme, ich fühlte mich auf einer Silberschüssel getragen. Szenisch hatte ich ja keine Ahnung. Ich wusste nur, ich bin ein äthiopisches Mädchen, und als dieses muss ich durch die Oper gehen. Da ich aber eine gute Vorstellung davon hatte, was ein äthiopisches Mädchen tun würde, habe ich aus meinem Instinkt heraus, der mich Gott sei Dank durch meine ganze Karriere geführt hat, sozusagen aus dem Bauch heraus hab ich diese Aida gestaltet. Anscheinend war es gut, denn ich bekam am nächsten Morgen einen Vertrag für die Wiener Staatsoper, der ich dann 25 Jahre treu geblieben bin. Die Schwierigkeit war für mich nicht, die Aida zu lernen und die Aida zu singen ohne Probe, sondern die Schwierigkeit war für mich, in diesem ganz zerstörten Wien ... eine Wohnung zu finden. Und überhaupt, nachdem ich aus der reichen Schweiz kam, mit einer kleinen Karte, wo ich sehr wenig zu essen darauf bekam, leben zu können. Aber das Theater wurde sofort von den Russen unterstützt, das Theater an der Wien ist mit Hilfe der Russen eröffnet worden, weil es ja auch in ihrem Bezirk war. Wir sangen alle ohne Heizung, wir hatten alle wenig zu essen, aber wir wuchsen zu einer Familie zusammen. Es bildete sich damals das sogenannte "Wiener Ensemble", das nicht nur zusammen sang und zusammen Vorstellungen machte, sondern das irgendwo wirklich zusammenschmolz als eine ... als eine ... .. Opernfamilie: "Einer für alle!" Wir hatten alle nichts zu essen, wir fuhren alle im selben Schiff. Wir kamen alle zu Fuß oder mit einer Straßenbahn, in die es hineingeregnet hat, in die Oper. Es war eiskalt, es wurde nicht geheizt. Ich habe als Aida mit einem kleinen dünnen Kleidchen auf der Bühne herumgetanzt, während im Zuschauerraum alle in Decken gehüllt saßen in diesem ungeheizten Raum. Aber welche Begeisterung ist entstanden, sowohl auf unserer Seite als auch auf der Seite des Publikums. Eine Begeisterung, die es heute nicht mehr gibt, schon lange nicht mehr gibt. Das ist etwas, was längst, längst durch den Wohlstand verlorengegangen ist: dieser Hunger nach Kunst, nach Musik, und auch der Hunger in uns, es zu geben. Also, nicht nur das Publikum, es zu nehmen, sondern auch wir, die es geben wollten, wir haben gebrannt, es geben zu wollen. Das hat sich alles doch sehr verflacht. Und es ist sehr ein Geschäft geworden in der Zwischenzeit. Und damals war das ein ... .. ein ganz, ganz tiefes Bedürfnis. Unsere Möglichkeiten, Opern zu spielen, waren damals sehr beschränkt. Das Theater an der Wien ist ja verhältnismäßig klein, demzufolge mussten große Opern wie "Aida" und "Tosca" und "Maskenball", diese großen ... und "Cavalleria Rusticana", das musste alles in der Volksoper gespielt werden. Die riesigen Choropern wurden alle in der Volksoper gespielt. Die Mozart-Opern hingegen wiederum brauchten einen intimen Rahmen. Die wurden im ... im Redoutensaal gespielt. Der Redoutensaal, der sich wunderbar z.B. für "Aida" geeignet hatte, weil, er hatte eine Treppe, auf der man heruntergehen konnte usw. Also alle diese Dinge, die schön als Dekoration waren, die waren im Redoutensaal vorhanden für diese Mozart-Opern. Das heißt, wir haben sowohl ... das Theater an der Wien, als auch die Volksoper als auch den Redoutensaal bespielt, weil ja die Staatsoper zerstört war. Sie war zerstört und wurde aber trotzdem, und das ist ja das Unglaubliche an Österreich, es war weder Geld da, noch war sonst etwas da, aber die Oper wurde aufgebaut. Und die Staatsoper wurde im Jahre '55 eröffnet. Und die Staatsoper hat wieder in ihrem ganzen Glanz dastehen können, und wir alle haben dort wieder singen können. Aber das, was man früher als Ensemble und dieses Familiäre hatte, das ging verloren. Es wurde ... ein Theater der Stars. Und ich sage das nicht, weil das schlechter ist. Die Wiener Staatsoper ist heute ... .. sicher eins der allergrößten und besten Opernhäuser. Aber es ist eben ein Theater, das zwar auch ein Ensemble hat, aber mit vielen Stars bestückt ist. Das gab es zu unserer Zeit überhaupt nicht. Es gab keine Stars. Wir waren alle, soweit wir es konnten, sehr gute Sänger, aber wir waren keine Stars. Ab der Eröffnung der Staatsoper waren wir, jeder einzelne, sozusagen ein Stern am Himmel. Ein kleinerer oder ein größerer, aber ein einzelner. Als ich dieses herrliche Engagement vom Herrn Direktor Salmhofer bekam, dass ich in Wien eine Vorstellung auf Engagement singen könnte, fingen schon bei mir an, ganz, ganz kleine Zweifel zu kommen: Wie werde ich in Wien empfangen werden? Und als ich dann in Wien war und meine erste Vorstellung sang, da musste ich schon für mich selber geklärt haben, wie stehe ich zu meinem Publikum dort. Was bedeutet es für mich, in Wien in einer Stadt für Menschen zu singen, von denen ich mir vorstellen konnte, dass im Krieg vielleicht irgendeiner ... .. dabei war, wie meine Verwandten vergast worden sind? Das war ein ganz schweres Problem, erstens für mich und zweitens für meine Familie, die ja noch in Palästina war. Und wo es dort überhaupt nicht verstanden wurde, dass ich nach Wien gehen würde. Ich musste das für mich selber klären. Ich habe lange, lange darüber qualvolle Nächte verbracht. Kann ich es vor mir selber verantworten, in Wien für das Wiener Publikum zu singen? Und ich bin zu dem Entschluss gekommen, Kunst ... .. muss über allem sein. Und ... singen ist etwas, was ich einfach tun muss. Auch für mich und für die Menschen, die es dort hören ... werden. Und ich war sehr glücklich, dass ich sehr gut aufgenommen wurde vom Publikum. Denn ich hatte gehört, dass die jungen Leute auf der Galerie oben, die gehört hatten, dass eine Jüdin aus Palästina singen wird, mich auspfeifen wollten. Was sie dann nicht getan haben und den komischen Satz gesagt haben: "Und dann sangen Sie, und dann san ma in die Knie g'gangen." Und ... ich bin sehr glücklich gewesen, weil, ich habe mir das Publikum erobert. Und habe eigentlich dann wenig, wenig ... .. wenige Male erlebt, dass hässliche Dinge gegen mich geschehen sind, hässliche Dinge, die mit dem Nationalsozialismus zu tun haben. Es ist einmal an meinem Wagen ein Zettel gewesen, wo stand: "Wir wollen keine Sarah Hunding." Das ist aus der Oper "Walküre", und sie heißt eigentlich Sieglinde. Und sie haben geschrieben: "Wir wollen keine Sarah Hunding." Ich bekam auch ab und zu ein hässliches Telefongespräch, ich fand auch am Auto einen hässlichen Zettel, aber das waren ganz, ganz seltene Fälle. Im Grunde waren die Wiener sehr, sehr nett zu mir, und ich muss ehrlich sagen, ich lebe sehr gerne mit den Wienern in Wien. Als ich das zweite Jahr in ... Salzburg war, im Jahre '49, sang ich dort "Titus". Das heißt die Vitellia in "Titus". Und ... es kam eine Anfrage an mich: Renata Tebaldi hätte das Verdi-Requiem, das übermorgen nicht nur konzertant aufgeführt wird, sondern für eine Grammophonplatte geschnitten wird, abgesagt, und ob ich morgen die Generalprobe Verdi-Requiem singen könnte und dann natürlich auch das Konzert und die Platten-Aufnahme. Ich sagte selbstverständlich, wie damals in der Staatsoper: ja. Obwohl ich das Verdi-Requiem nie studiert habe. Ich studierte es über Nacht, sang am nächsten Tag unter Karajan die Generalprobe, wo ich noch zwei kleine Fehler gemacht habe, und sang dann am übernächsten Tag das Konzert und die Plattenaufnahme. Dieses Verdi-Requiem ist noch heute, wieder neu aufgelegt, in jedem Plattengeschäft zu haben, jetzt natürlich als CD. Und ich habe damals mein erstes ... .. von vielen, vielen Verdi-Requien gesungen mit Karajan, der mich auf Händen getragen hat, aber ich musste es schließlich singen. Und das Resultat ist heute noch zu haben. Wenn man auf der Bühne steht und der Dirigent ist einem gegenüber, gibt es die verschiedensten Erlebnisse. Es gibt die Dirigenten, die einen tragen, wie z.B. Karajan. Es gibt die Dirigenten, die einen lächelnd inspirieren, wie es z.B. Josef Krips immer getan hat. Der hat einen immer mit einem strahlenden Lächeln ... .. angeschaut und hat einen damit inspiriert. Es gibt die Dirigenten, die durch ihre ... Größe wie z.B. Knappertsbusch, der einfach durch seine Länge und durch die langen Arme, die er gehabt hat, unerhört eindrucksvoll einen dazu gereizt hat, wirklich das Innerste zu geben. Und es gibt die Dirigenten wie Karl Böhm, der zwar ein herrlicher Dirigent war, der ein herrlicher Dirigent war, nicht nur Mozart-Dirigent, ich hab mit ihm viele Strauß-Opern gesungen usw., der einen aber immer mit einem ... nicht zufriedenen Gesicht angeguckt hat. Und in dieses nicht zufriedene Gesicht die ganze Vorstellung zu schauen, war schwer. Obwohl man von seiner Künstlerschaft überzeugt war, war es irgendwie schwer, nie ein Lächeln aus diesem Gesicht herauszubekommen. Und wir brauchen das. Wir brauchen sowohl das Lächeln des Dirigenten als auch bitte, und das nicht zu unterschätzen, wir brauchen auch die Zuwendung des Publikums. Es ist eine ganz seltsame Sache: Wenn Sie auf die Bühne kommen und den ersten Ton singen, wissen Sie ganz genau, ob das Publikum für oder gegen Sie ist. Ob das Publikum mit Ihnen geht und aus Ihnen das Allerschönste herauszieht, oder ob das Publikum ein gleichgültiges Publikum ist, das sich im Grunde langweilt und wo Sie fast gegen eine Mauer singen. Das sind unglaubliche Unterschiede. So eine Vorstellung, wo man gegen die Mauer singt, braucht doppelt so viel Energien wie eine Vorstellung, wo Sie spüren, das Publikum will Sie, das Publikum saugt Sie sozusagen auf. Das ist ein unerhörter Unterschied. Als Herbert von Karajan an die Wiener Staatsoper kam, hatte er ja wahnsinnig große Kontakte zur Mailänder Scala. Das heißt, er brachte an die Wiener Staatsoper die Stars der Mailänder Scala. Es wurde plötzlich jede italienische Oper auf Italienisch gesungen. Er kämpfte dafür, dass ein italienischer ... .. Souffleur eingeflogen wird, wogegen sich natürlich die österreichischen Souffleure gestellt haben. Es war sogar einen Tag ein Streik in der Oper. Das war der einzige Tag, an dem je die Oper geschlossen worden ist, weil gestreikt worden ist wegen eines Souffleurs, eines italienischen Souffleurs, der eingeflogen werden musste, um den österreichischen Souffleur zu ersetzen. Damit er in den italienischen Opern, die Karajan dirigiert hat, soufflieren kann. Das hat natürlich Vor- und Nachteile gebracht. Fürs Ensemble war es sicher ein Nachteil. Es wurden viele Stars eingeflogen wie z. B. die Callas im Jahr 1952. Sie hat ihre erste Lucia in Wien gesungen, die ich Gott sei Dank auch gehört habe. Und ich muss ehrlich sagen, das war eines der größten Erlebnisse meines Lebens. Von da an war ich ein Callas ... ein Callas-Fan. Und ich wage es noch heute zu sagen, dass in meiner ganzen Generation die Callas die größte Künstlerin war. Es ist etwas ganz Seltsames. Nachdem also meine sogenannte Teenager-Zeit sehr schwierig war, und ich eigentlich nie ein Teenager war, denn ich musste ja mit 17 gleich erwachsen werden, trat etwas ganz Seltsames ein. Von der Sekunde an, wo ich in Zürich ankam, hatte ich sozusagen einen guten Engel über mir. Das heißt, alles, was von da ab geschah, war, als wenn es vorgeschrieben war und so hätte sein müssen. Es hat sich wie in einer Kette, wie in einer Perlenkette ein Ereignis in das andere hineingeschlungen. Dieses ... dieses Gleich-einen- Platz-finden bei der Frau Langhoff, dieses Gleich-gehört-werden vom Direktor Salmhofer, dieses Gleich-engagiert-werden in der Staatsoper, ohne je in der Staatsoper oder bei einem Agenten oder in einem anderen Opernhaus je vorgesungen zu haben. Dann kam, dadurch dass ich Erfolg in der Staatsoper hatte, sofort ein Engagement nach Glyndebourne zu den ... Nein, das erste war im ersten Bühnenjahr nach Salzburg. Ich habe im Jahre 1948 und 1949 bei den Salzburger Festspielen gesungen, im Jahre 1950 in Glyndebourne bei den Festspielen, wo mich wieder der Direktor der Covent Garden Opera gehört hat, der mich sofort engagiert hat. Ich war dann vier Jahre, neben der Staatsoper, Mitglied der Covent Garden Opera, habe 68 Vorstellungen gesungen, alle in Englisch, weil in England alles englisch gesungen wurde. Die Partien, die ich in Wien in Deutsch und Italienisch gesungen habe, habe ich in Englisch in Covent Garden gesungen. Dann kam sofort die Metropolitan Opera 1952, nachdem ich auch nie vorgesungen habe. Also, ich hatte das große Glück, mich nie offiziell irgendwo vorstellen zu müssen. Sondern von diesem ersten Vorsingen, was in einer kleinen Wohnung für den Direktor Salmhofer ganz privat geschehen ist, sind alle meine internationalen Engagements gekommen. Und ich bin dann wirklich 25 Jahre durch die ganze Welt geflogen. Ich war manchmal gar nicht sicher am nächsten Morgen, in welcher Stadt ich eigentlich bin. Ich habe manchmal in einer Woche in drei Städten gesungen. Ein herrliches Leben. Ich hab es geliebt. Dass Josef Krips mein erster Dirigent war, war für mich ein großes Glück. Denn Josef Krips war nicht nur ein ausgezeichneter Dirigent, sondern auch ein ausgezeichneter Lehrer. Er hat sich mit einem jungen Sänger noch beschäftigt. Er hat Anforderungen gestellt, wie ein Triller gemacht werden müsste eigentlich, und wie dies und das. Er war wirklich ein geborener Lehrer. Und im Grunde hat er damals schon in diesen ersten Wochen den Grundstein zu dem gelegt, was ich am Ende meiner Karriere getan habe. Ich bin schon ... sechs Jahre, bevor ich in Pension gegangen bin, ins Konservatorium der Stadt Wien gegangen, weil ich gesagt habe, ich möchte lehren. Das, was ich kann, möchte ich weitergeben. Ich habe mit ganz wenigen Stunden angefangen, dort zu unterrichten und habe mir sozusagen meine ersten Sporen als Lehrerin ... .. dort geholt. Ich bin dort 15 Jahre gewesen, war zehn Jahre lang die Leiterin der ganzen Vokal-Abteilung. Ich war 46, als ich anfing, im Konservatorium zu unterrichten, und ich werde jetzt 95. Sie können sich selber ausrechnen, wie lange ich unterrichte, ja? Ich habe ein langes, langes Leben als ... als Lehrerin hinter mir. Ich sage immer, es ist so beim Gesangsunterricht: Man ist selber erst Lehrling, als Lehrer ist man selber erst Lehrling, weil, man lernt erst an den Studenten, Lehrer zu sein. Dann wird man vielleicht Geselle durch die Erfahrung. Und ich denke, dass ich mir jetzt, nach fast 50 Jahren, einbilden darf, dass ich vielleicht die Meisterschaft erreicht habe. Aber das braucht einen langen Weg, und es glaubt heute jeder, der anfängt, Gesangsunterricht zu geben, dass er schon ein Meister ist, und das ist er ganz sicher nicht. Dazu braucht man lange Erfahrung. Ich möchte etwas sagen, was mir sehr am Herzen liegt: Ich habe zu meinem 80. Geburtstag die "Hildegard Zadek Stiftung" geschenkt bekommen. Als Geburtstagsgeschenk. Die Stiftung sitzt an und für sich in Karlsruhe, aber die Ausführung der Wettbewerbe, die diese Stiftung beinhaltet ... Außer dass wir alle zwei Jahre Stipendien geben, beinhaltet es, dass wir alle zwei Jahr einen Wettbewerb machen. Und diesen Wettbewerb machen wir in Wien. Dieser Wettbewerb ist ein ganz spezieller Wettbewerb geworden. Dadurch dass ich mich in meiner ganzen Karriere sehr viel mit moderner Musik beschäftigt habe, schon bei meinem ersten Liederabend habe ich Lieder von Hindemith gesungen, und hab mich immer mit moderner Musik beschäftigt, ist der Schwerpunkt dieses Wettbewerbs moderne Musik. Das heißt, jeder, der in diesem Wettbewerb mitmachen will und singen will, muss eine gewisse Anzahl von modernen Stücken singen. Und ich halte das erzieherisch für sehr, sehr wichtig, weil viele junge Sänger sich sträuben, moderne Musik zu singen, und immer nur das Herkömmliche singen wollen in Wettbewerben und auch singen dürfen. Hier werden sie dazu gezwungen, sich mit der modernen Musik zu beschäftigen. Ich halte das für eine ganz wichtige erzieherische Aufgabe, und demzufolge glaube ich, dass dieser Wettbewerb, der zusammen mit der Musikhochschule Wien, das heißt also mit der jetzigen Universität ... Zusammen mit dieser Institution wird dieser Wettbewerb durchgeführt. Und sowohl ... .. die Universität, die Musikuniversität, als auch ... das Stipendium, nein, nicht das Stipendium, als auch die Stiftung als eine Symbiose zusammen halten den Wettbewerb für etwas unerhört Wichtiges. Und wir lieben es und wir werden es wieder ... Wir machen es jetzt das achte Mal im Jahr 2013, das machen wir jetzt das achte Mal. Mit einem Abschlusskonzert im Musikverein. Es hat wirklich große Wellen geschlagen. Die Sänger kamen das letzte Mal, glaub ich, aus 18 verschiedenen Ländern zu diesem Wettbewerb, um dort zu versuchen, einen Preis zu gewinnen. Und es ist ein großes Erlebnis jedes Mal. Ich bin der Ansicht, dass ... unterrichten ... .. nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen ist. Es ist unerhört inspirierend. Ich habe immer das Gefühl, dass mich der Unterricht und die Beziehung zu den jungen Menschen, die ich dabei habe, jung erhält. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich älter geworden bin, weil ich immer nur mit jungen Menschen zusammen bin, und auch diese jungen Menschen mir nie das Gefühl gegeben haben, dass ich älter bin als sie. Ich habe das große Glück, dass ich ein noch gut funktionierendes Gehirn habe und ... .. und mich einfach nie alt gefühlt hab. Ich fühle mich heute noch jung, ich werde jetzt 95 und hab heute noch nicht das Gefühl, dass ich eine alte Frau bin. Ich weiß ganz genau, wie alt ich bin. Aber ich habe nie das Gefühl, dass ich eine alte Frau bin. Und nie, nie hat mir einer meiner jungen Freunde, und ich habe nur junge Freunde, das Gefühl gegeben, dass ich älter bin als sie. Als ich nach Wien kam, war Wien eine zerstörte Stadt. Dunkel, düster. Die Menschen waren düster, es war alles grau. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie diese Stadt wieder einmal eine lichte Stadt werden könnte. Und ich hab es miterlebt in diesen Jahren, wie sowohl die Menschen als auch die Stadt sich verjüngt haben. Das war ein unerhört wunderbarer Prozess. Und heute ist Wien eine Stadt, in der Jugend ist. Ich liebe es, durch Wien zu gehen. Ich finde Wien unglaublich schön. Ich finde in der Innenstadt jede kleinste Ecke schön, jedes Haus schön, außer was man jetzt verdirbt. Die Kärntner Straße hat man ja jetzt verdorben. Die war ja einmal sehr schön mit den alten Geschäften. Jetzt sind halt lauter neue Geschäfte dort. Aber was an Substanz geblieben ist, ist von einer unglaublichen Schönheit. Ich liebe es von ganzem Herzen und bin wirklich in den letzten 60 Jahren, also '48 bin ich Österreicherin geworden, also, es sind schon 64 Jahre, bin ich wirklich eine begeisterte Österreicherin geworden, obwohl man das an meiner Sprache überhaupt nicht hört. Was das Musikalische anbetrifft, muss ich sagen, dass ich Wien von der Sekunde an, wo ich nach Wien gekommen bin, als das Nonplusultra betrachtet habe. Der Musikverein, das Konzerthaus ... Ich bin am Anfang jeden Tag entweder in die Oper oder in ein Konzert gegangen. Und noch heute und die ganze Zeit hindurch bin ich sowohl dem Musikverein als auch dem Konzerthaus als Zuhörerin treu geblieben. Ich liebe den Musikverein. Es ist für meine Begriffe der schönste Saal, den es im Konzertleben überhaupt gibt. Ich liebe das Musikleben in Wien, ich liebe das Theaterleben in Wien. Ich liebe das kultivierte Leben in Wien. Ich finde ... man ist begnadet, wenn man in Wien leben darf und wenn man das alles miterleben darf.

Hilde Zadek (Sängerin)

Wir und Wien - Erinnerungen Fünfundzwanzig Jahre lang hat Hilde Zadek das Publikum der Wiener Staatsoper zu Begeisterungsstürmen hingerissen und fast alle großen Sopranpartien der Klassik und Romantik gesungen. Bis ins hohe Alter - und damit etwa doppelt so lang - arbeitete die Opern-, Operetten-, Lied und Konzertsängerin als Gesangspädagogin am Konservatorium in Wien, dessen Gesangsabteilung sie von 1964 bis 1978 leitete. Meisterkuse führten sie nach Karlsruhe und Jerusalem, in die Schweiz und nach Italien.

Länge: 48 Min. 12 Sek.
Produktionsdatum: 2013
Copyright: Stadt Wien

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