7.6 Gegenseitige Unterstützung und Teilhabe fördern
Chronische Wunden wirken oft sozial isolierend und sind mit Schamgefühlen, eingeschränkter Mobilität und mangelnder gesellschaftlicher Sichtbarkeit verbunden. Um dem entgegenzuwirken und die Versorgung dauerhaft im Sinne der Betroffenen weiterzuentwickeln, sind gezielte Maßnahmen in den Bereichen Kommunikation, Sensibilisierung und Partizipation erforderlich – wie sie derzeit im Rahmen des Projekts „Patient*innenpartizipation im Wiener Wundnetz“ erarbeitet werden.
Soziale Unterstützung durch Peer-Angebote stärken
Selbsthilfegruppen, Gesprächsräume und andere Peer-Angebote können dazu beitragen, soziale Isolation zu verringern, Erfahrungen zu teilen und Gesundheitskompetenz zu fördern. Unter Peers versteht man in diesem Zusammenhang (ehemalig) Betroffene, die neu erkrankten Personen zeigen, wie sie sich im System zurechtfinden oder mit einer chronischen Wunde im Alltag umgehen können.
Diese niederschwelligen Formate sollten gezielt unterstützt und weiterentwickelt werden – auch in Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen im Gesundheits- und Sozialbereich. Eine vom Wiener Wundnetz unabhängige Wiener Selbsthilfegruppe für Betroffene von chronischen Wunden befindet sich seit Herbst 2024 im Aufbau und veranstaltet alle zwei Monate Austauschtreffen und Vorträge.
Betroffenenvertretung in die Netzwerkstruktur einbinden
Die Beteiligung von Patient*innenvertretungen in den Planungsgremien des Wiener Wundnetzes kann ein Baustein gelebter Mitwirkung sein. Erfahrungsberichte von direkt Betroffenen tragen zu einer erweiterten Vielfalt an Perspektiven in den Entscheidungsprozessen bei.
Erste Erfahrungen mit der Beteiligung von Betroffenen konnten bereits gesammelt werden (vgl. Kapitel 5.1), die Perspektivenvielfalt all jener Rückmeldungen sollte bei der Planung von Maßnahmen berücksichtigt werden.
Wartezeiten und Kosten von Krankentransporten für Patient*innen minimieren
Viele Patient*innen sind auf Krankentransporte angewiesen, um in einer ambulanten Einrichtung wie einer Ordination behandelt werden zu können. Häufig erfolgt die Behandlung mehrmals pro Woche und über mehrere Wochen oder Monate hinweg. Die Sozialversicherung übernimmt die Kosten für Transporte zu Fachärzt*innen oder ins Krankenhaus. Transportkosten für den Besuch bei Allgemeinmediziner*innen oder Hausärzt*innen werden nicht übernommen.
Für Wien gilt eine besondere Regelung: Bei nicht gehfähigen Wundpatient*innen werden die Transportkosten zu einer Wundnetz-Primärversorgungseinheit (PVE) für den Verbandswechsel erstattet. Aktuell müssen jedoch Selbstbehalte getragen werden, was für Patient*innen, die zwei- bis dreimal pro Woche zur Wundversorgung in eine PVE fahren müssen, eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) setzt sich dafür ein, eine interne Ausnahmeregelung zu erreichen.
Workshopteilnehmende berichteten übereinstimmend, dass lange Wartezeiten bei Krankentransporten ein wiederkehrendes Problem darstellen – insbesondere beim Rücktransport nach der Behandlung. In vielen Ordinationen gibt es keinen geeigneten Platz zum Warten. Patient*innen trinken in dieser Zeit mitunter zu wenig, sind Temperaturschwankungen ausgesetzt oder erleben Unterbrechungen in ihrem Medikationsplan (z. B. Insulin).
Empfohlen wird, eine Lösungsstrategie zu entwickeln, die Patient*innen, Leistungserbringer*innen, Transportdienste und Kostenträger gleichermaßen einbezieht.