7.5 Datenbasis der Wundversorgung verbessern
Qualitätssicherung und strategische Versorgungsplanung benötigen eine valide Datengrundlage. Ohne diese können die erforderlichen Ressourcen im Verhältnis zur tatsächlichen Nachfrage nicht verlässlich berechnet werden. Für Wien liegen derzeit jedoch keine Daten zur epidemiologischen Häufigkeit chronischer Wunden vor. Angesichts des demografischen Wandels – einer älter werdenden Bevölkerung – ist davon auszugehen, dass auch die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen steigt, die chronische Wunden verursachen können.
Erfassung chronischer Wunden
Aufgrund dieser Situation ist laut den Ärzt*innen des Wiener Wundnetzes ein Wundregister nach skandinavischem Vorbild wünschenswert. Allerdings ist die Umsetzung eines solchen Registers in Österreich besonders anspruchsvoll – nicht zuletzt aufgrund der geteilten Zuständigkeiten im österreichischen Gesundheitswesen. Wohl aber besteht in Österreich seit dem 1. Jänner 2026 eine verpflichtende Diagnosedokumentation – auch für den niedergelassenen Bereich. Wenn es gelingt, eine valide Dokumentationspraxis nach einheitlicher Definition zu etablieren, könnte dies die Datenbasis entscheidend verbessern. Alternativ könnten die Voraussetzungen für eine Einführung eines Registers geprüft werden.
Zahl der Amputationen reduzieren
Im Gegensatz zur populationsbezogenen Häufigkeit chronischer Wunden lässt sich die Zahl medizinischer Eingriffe in Spitälern anhand der Leistungserfassung messen – so auch für Amputationen mit Wundbezug.
Wie der Bericht darlegt, erfolgen im Fünfjahresdurchschnitt in den Spitälern jährlich an 640 Wiener*innen Amputationen mit Wundbezug, ohne klar erkennbaren Trend. Wundexpert*innen gehen davon aus, dass ein Teil dieser Amputationen vermeidbar ist – mit erheblichen positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen und die Effizienz der Gesundheitsversorgung.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Zahl der Amputationen durch ein umfassendes, multidisziplinäres Vorgehen deutlich gesenkt werden kann. Eine Studie aus Greater Manchester wies nach, dass ein High-Risk-Ansatz, der alle Patient*innen mit hohem Risiko (nicht nur Personen mit Diabetes) einbezog, innerhalb von sechs Jahren eine deutliche Reduktion der Amputationen erreichen konnte.
Empfohlen wird daher die Umsetzung aller in diesem Bericht formulierten Handlungsempfehlungen, da diese in Summe dazu beitragen können, Amputationen zu vermeiden. Entscheidend ist, die Ursache einer chronischen Wunde frühzeitig zu erkennen und durch ganzheitliche, multidisziplinäre Maßnahmen zu behandeln. Zudem sollte die Senkung der Zahl von Amputationen mit Wundbezug als Teilziel des Wiener Wundnetzes verankert werden.