Chronische Wunden und ihre Versorgung sind – sowohl was die Epidemiologie als auch was das Leistungsgeschehen in und außerhalb der Spitäler betrifft – in Wien schon jetzt eine große Herausforderung, die beträchtliche Teile der Bevölkerung betrifft. Die Bedeutung wird ob des demografischen Wandels in Zukunft voraussichtlich weiter zunehmen.
Es ist jedoch schwierig, das Ausmaß der Betroffenheit exakt anzugeben. Im obigen Kapitel wurde dies mit einem Rückgriff auf Abrechnungsdaten medizinischer Leistungen und mit einer Einschränkung der Diagnosen auf assoziierte Erkrankungen annäherungsweise versucht.
Trotz der Limitationen lassen die obigen Analysen einige interessante Muster erkennen. So dokumentieren sie gewisse Verlagerungen von Versorgungsleistungen aus den Stationen in den ambulanten Bereich der Spitäler. Niedergelassene Organisationsformen betreuen zudem Zehntausende Betroffene und leisten somit äußerst viel, vor allem was die Routineversorgung betrifft. Hilfreich wäre in beiden Sektoren eine langjährig konsistent durchgeführte Dokumentation, die chronische Wunden und assoziierte Leistungen nach klaren, transparenten Kriterien erfasst, stärker auf epidemiologische Ziele ausgerichtet und weniger von Änderungen der Abrechnungssystematik beeinflusst ist. So könnte besser nachverfolgt werden, wie neue spezialisierte Einrichtungen, z. B. Wundzentren, Spitäler und Einzelpraxen im Sinne des Zielsteuerungsprozesses entlasten.
Des Weiteren geht aus den Zusammenhangsanalysen die große Bedeutung wundtypischer Grunderkrankungen für den schwerwiegenden Eingriff der Amputation hervor. Ihre Prävention ist der Ansatzpunkt, um die Notwendigkeit dieser Leistungen zu reduzieren. Die demografische Analyse sensibilisiert außerdem für bestimmte besonders betroffene Zielgruppen. Im vorliegenden Fall wären dies z. B. Männer (auch in jüngerem Alter) oder generell Personen mit pAVK. Dies sollte jedoch nicht dazu führen, andere betroffene Gruppen (z. B. Frauen) oder Diagnosen wie die CVI, welche weniger hospitalisiert werden, aber ebenfalls hohen Leidensdruck erzeugen, in die Unsichtbarkeit zu drängen.