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4.7 Studie: Taxonomie Konkret

4. Projekte aus dem Bereich Gebäude

Die EU-Taxonomie ist ein einheitliches Klassifikationssystem zur Bestimmung, ob eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig einzustufen ist. Eine im Rahmen von WieNeu+ beauftragte Studie hatte zum Ziel, die praktische Umsetzung der Taxonomie-Kriterien für die Gebäudesanierung am Beispiel einer Liegenschaft im Grätzl 20+2 näher zu analysieren.

Die Ergebnisse wurden in Workshops mit Stakeholder*innen diskutiert, vertieft und in einem Bericht dokumentiert. Damit leistet das Projekt einen essenziellen Beitrag zur Übertragbarkeit der EU-Taxonomie auf die Immobilien- und Bauwirtschaft.

Taxonomie Konkret – Taxonomiefähig und Taxonomiekonform

Eine Wirtschaftstätigkeit gilt nur dann als taxonomiekonform wenn sie

  • einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines oder mehrerer Umweltziele leistet
  • zu keiner erheblichen Beeinträchtigung eins/mehrerer Umweltziele führt (do no signifiant harm = DNSH)
  • einen gewissen sozialen Mindestschutz einhält (für Menschenrechte und Arbeitnehmer*innen)
  • den technischen Bewertungskriterien entspricht

Die Bewertungskriterien hinsichtlich des sozialen Mindestschutzes sind noch nicht näher definiert, die „Soziale EU-Taxonomie“ ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht.

Quelle: Taxonomiefähig und Taxonomiekonform © Walter Hüttler, Taxonomie Konkret, Endbericht, S. 5.

EU-Kontext

Nahezu alle Unternehmen sind von der EU-Taxonomie in irgendeiner Form betroffen – sei es direkt durch gesetzliche Berichtspflichten oder indirekt über Banken und Finanzierungsbedingungen. Somit wird die EU-Taxonomie zu einem zentralen Rahmenfaktor für die Branche.

Obwohl die EU-Kommission FAQs veröffentlicht hat, bestehen nach wie vor zahlreiche offene Fragen.

Die Kriterien der EU-Taxonomie werden laufend präzisiert und ergänzt. Die Unternehmen müssen ihre Strategien und internen Abläufe kontinuierlich anpassen. Dies erfordert Flexibilität, Ressourcen und ein laufendes Monitoring der regulatorischen Entwicklungen.

Beratungsunternehmen sowie etablierte Systeme wie klimaaktiv https://www.klimaaktiv.at/ und ÖGNI https://www.ogni.at/ haben Zusatzmodule entwickelt, die die Immobilienunternehmen unterstützen, die Kriterien in bestehende Zertifizierungs- und Planungsprozesse zu integrieren. Diese Angebote verringern den Zusatzaufwand und fördern zudem eine praktikable Umsetzung.

Taxonomie Konkret – Wechselnde Anforderungen je nach Wirtschaftstätigkeit

Der Blickwinkel der Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse ist immer an die untersuchte Wirtschaftstätigkeit und die jeweilige Nutzung des Gebäudes anzupassen. Dadurch kann es auch passieren, dass bei der gleichen Immobilie je nach Nutzung unterschiedliche Klimagefahren relevanter sind.

Quelle: Wechselnde Anforderungen je nach Wirtschaftstätigkeit © Walter Hüttler, Taxonomie Konkret, Endbericht, S. 30.

Erkenntnisse & Herausforderungen

  • Um die Kriterien effizient anwenden zu können, müssen Unternehmen ihre internen Prozesse anpassen (beispielsweise beim Datenmanagement, in der Projektentwicklung oder im Portfoliomanagement). Gleichzeitig besteht ein Weiterbildungsbedarf für Mitarbeitende, damit die Anforderungen in den täglichen Arbeitsprozessen berücksichtigt werden können.
  • Erste Erfahrungen machen augenscheinlich, dass Banken die Taxonomie-Kriterien bereits in ihre Kreditvergabe einbeziehen. Projekte, die taxonomiekonform sind, profitieren oftmals nicht nur von besseren Zinssätzen, sondern auch von günstigeren Rahmenbedingungen (beispielsweise längere Laufzeiten, geringere Eigenmittel). Dies kann zu einem maßgeblichen Wettbewerbsvorteil werden.
  • Eine erhebliche Herausforderung ist die Abstimmung zwischen EU-Taxonomie, nationalen bzw. lokalen Förderprogrammen sowie Gebäudebewertungssystemen. Unterschiedliche Kriterien oder Nachweisformate erhöhen den Arbeitsaufwand und können bisweilen zu Doppelarbeit führen. Eine Harmonisierung würde hier Transparenz und Klarheit schaffen und bürokratische Hürden reduzieren.
  • In Wien ergeben sich bei der Bauordnung, den neuen Förderbedingungen (SanDekVO 2024), Programmen wie Raus aus Gas und WieNeu+ sowie in der Smart-City-Strategie zahlreiche Anknüpfungspunkte. Auch die Themen Klimaschutz, Klimawandelanpassung und Kreislaufwirtschaft sind eng mit den Kriterien der EU-Taxonomie verknüpft. Somit werden sie zu einem Leitfaktor für die künftige Stadtentwicklung.

Dieses Projekt wurde aus den Mitteln der Grätzlförderung gefördert. 

Projektpartner*innen

  • Dipl.-Ing. Walter Hüttler, WH consulting engineers