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1.2 Präambel

1. Einleitung

Die zusehends deutlicher spürbaren Auswirkungen des Klimawandels stellen Städte weltweit vor immer größere Herausforderungen – so auch Wien. Mit der Smart Klima City Strategie hat sich die Stadt Wien ambitionierte Ziele für eine nachhaltige Entwicklung gesetzt, die gleichzeitig die hohe Lebensqualität für alle in Wien lebenden Menschen auch in der Zukunft sicherstellen sollen. Der Wiener Klimafahrplan definiert die maßgeblichen Hebel und Maßnahmen zur Erreichung der Wiener Klimaziele.

Die vielleicht wichtigsten Instrumente zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben in den Bereichen Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft sind Forschung und Innovation. Wien wird neue Ansätze entwickeln, erproben und umsetzen müssen, um die gesetzten Ziele erreichen zu können. Das umfasst technische Neuerungen, zunehmend treten aber auch soziale Innovationen und neue, wissenschaftliche Prozesse in den Vordergrund. Diese sind stärker von den Bedürfnissen der Bürger*innen inspiriert, breiter getragen und unterstützen dabei, neue Lösungswege zu testen.

Kooperation mit Wissenschaft und Forschung als Pfeiler der Wiener Klimapolitik

Die Zielsetzungen der Smart Klima City Strategie können nur durch das inter- und transdisziplinäre Zusammenspiel aller relevanten Akteur*innen am Standort erreicht werden. Dabei spielen insbesondere Wissenschaft und Forschung eine essentielle Rolle: Sie helfen uns, die Ursachen des menschengemachten Klimawandels besser zu verstehen, zukünftige Klimaentwicklungen vorherzusagen und Risiken zu bewerten. Ebenso leisten sie einen wichtigen Beitrag, um die Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Bereiche besser analysieren und prognostizieren zu können. Wissenschaft und Forschung sind wesentliche Partner für die Entwicklung der erforderlichen Lösungswege und die Abschätzung der Wirkungen geplanter Maßnahmen. Letztlich schaffen Wissenschaft und Forschung auch jene Evidenz, die es der Politik und Verwaltung erlaubt, fundierte, zielgerichtete und wirksame Maßnahmen zu ergreifen und gegenüber der Gesellschaft zu vertreten. Die Kommunikation wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und evidenzbasiertes Agieren sind wesentlich, um die Akzeptanz der Bevölkerung für staatliches Handeln zu gewinnen und das Bewusstsein für die Wirkung eigener Handlungsmuster und Initiativen zu schärfen.

Als eine der größten Universitätsstädte im deutschsprachigen Raum – mit 26 Universitäten, Privatuniversitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen sowie rund 200.000 Studierenden – hat Wien eine hervorragende Ausgangsbasis für die Interaktion der Stadt mit Wissenschaft und Forschung. Mit dem Kooperationsabkommen zum Hochschulstandort Wien haben Stadt Wien und die Wiener Hochschulen bereits 2019 eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Diese soll nun durch den vorliegenden Forschungsfragenkatalog der „Wiener Forschungsfragen“ weiter intensiviert werden.

Forschung entlang realer Anforderungen und Fragestellungen der Stadt

Der Forschungsfragenkatalog ist aus einem intensiven Dialog zwischen den Einrichtungen der Stadt Wien – von Dienststellen des Magistrats über die Wiener Stadtwerke bis hin zu den verschiedenen Unternehmungen und Unternehmen der Stadt – und Vertreter*innen der Wiener Hochschulen hervorgegangen. Insgesamt waren über 200 Expert*innen in 16 themenspezifischen Workshops vertreten.

Den Ausgangspunkt des Forschungsfragenkatalogs bilden jene Fragestellungen, die aus Sicht der städtischen Einrichtungen von vorrangiger Bedeutung sind, um die zur Erreichung der Wiener Klimaziele notwendigen Instrumente, Programme und Maßnahmen entwickeln und umsetzen zu können. Damit ist keinesfalls impliziert, dass es sich bei den aufgeworfenen Fragen um die einzig relevanten handelt. Es wurde vielmehr bewusst eine Auswahl getroffen, die jene Fragen in den Mittelpunkt rückt, bei denen auf Seiten der städtischen Akteur*innen ein unmittelbarer Bedarf nach spezifischen Forschungsergebnissen besteht.

Der Forschungsfragenkatalog ist in diesem Sinn auch als „lebendes Dokument“ zu verstehen: Zum einen werden angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der Notwendigkeit der Klimaanpassung laufend neue Fragestellung auftauchen, die Forschungsbedarf nach sich ziehen; andererseits zeigt die Erfahrung, dass wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder auch neue Fragen von hoher Relevanz aufwerfen. Der vorliegende Katalog ist daher als Momentaufnahme und erster Impuls zu verstehen und bedarf einer regelmäßigen Evaluierung und Aktualisierung.

Grafische Darstellung der Erstellung, Implementierung und Evaluierung des Forschungskataloges im Uhrzeigersinn mit Nummerierungen

Abb. 1: Prozess zur Erstellung, Umsetzung und Evaluierung des Forschungskatalogs zum Thema Klimaschutz, Klimaanpassung, Kreislaufwirtschaft

Drei Ks: Der Forschungsfragenkatalog deckt die gesamte Breite der Klimathematik ab

Die inhaltliche Struktur des Forschungsfragenkatalogs ist angelehnt an die wesentlichen Schwerpunkte der Smart Klima City Strategie und des Wiener Klimafahrplans. Der Katalog umfasst Fragen aus den folgenden Bereichen:

  • Klimaschutz: Die Stadt Wien verfolgt das Ziel der vollständigen Klimaneutralität bis 2040. Dies erfordert die Verringerung des Energieverbrauchs und einen vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energiequellen – und damit neue Lösungen in unterschiedlichen Bereichen, allen voran im Mobilitäts- und Gebäudesektor.
  • Klimaanpassung: Für Wien ist neben verstärkt auftretenden Extremwetterereignissen insbesondere die Zunahme von Hitzewellen relevant, die massive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, aber auch auf natürliche Ökosysteme und städtische Infrastrukturen hat. Damit gewinnt eine Vielzahl von Fragestellungen an Bedeutung: von der notwendigen Umgestaltung öffentlicher Räume über die Sicherung der Artenvielfalt bis zum Schutz vor gesundheitlichen Belastungen durch Klimaveränderungen.
  • Kreislaufwirtschaft: Neben der Energiewende erfordert eine nachhaltige Entwicklung den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und neue Formen der Ökonomie, die es erlauben, den Materialverbrauch zu reduzieren und verwendete Materialien bestmöglich im Kreislauf zu führen, also wiederzuverwenden oder -zuverwerten. Das umfasst Bereiche der Produktion und Abfallwirtschaft ebenso wie das Bauwesen.

Die wichtigen Themen Klimagerechtigkeit, Bewusstseinsbildung und Beteiligung spannen sich wie ein Bogen über die 3 Ks. Die Klimakrise betrifft alle Menschen, aber keineswegs alle gleich. Klimapolitik ist daher immer auch Sozialpolitik. Es geht vor allem darum, bei der Entwicklung und Umsetzung von Politiken, die verschiedenen Bedürfnisse und die Auswirkungen der Maßnahmen auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in allen Bereichen (Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft) bestmöglich im Blick zu haben. Wichtig ist es aber auch, Anreize für eine Veränderung von Handlungsmustern in der Bevölkerung zu setzen und innovative Prozesse für eine Beteiligung und Mobilisierung von Eigeninitiativen aufzusetzen.

Ein Forschungsfragenkatalog für wen?

Der vorliegende Forschungsfragenkatalog bildet einen wesentlichen Baustein, um die bestehende Kooperation zwischen der Stadt Wien und der vielfältigen Wissenschafts- und Forschungslandschaft am Standort Wien weiter zu stärken.

  • Für die Hochschulen soll er Orientierungspunkte bieten, um Forschungsschwerpunkte an der spezifischen Nachfrage städtischer Einrichtungen ausrichten zu können. Forschungsprojekte können praxisnäher gestaltet werden, wenn sie im Dialog mit den künftigen Anwender*innen entwickelt werden, wenn sie auf reale Daten zugreifen können, die von der Stadt bereitgestellt werden, oder wenn konkrete Anwendungsfälle als „test bed“ für Analysen, Laborsituationen oder Pilotierungen zur Verfügung stehen.
  • Für die Einrichtungen der Stadt Wien besteht die Möglichkeit, konkrete Antworten auf Fragestellungen aus der täglichen Praxis zu erhalten und damit eine evidenzbasierte Grundlage für die Entwicklung treffsicherer Programme und Maßnahmen zu schaffen.

Um die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und der Stadt Wien zu vereinfachen, sind zu den einzelnen Einträgen und Forschungsfragen jeweils Themenpat*innen angegeben. Die Themenpat*innen sind Organisationseinheiten beziehungsweise Mitarbeitende in der Stadt Wien und ihren Unternehmungen und Unternehmen. Sie nehmen eine aktive Rolle ein, indem sie für Rückfragen und für den weiteren Austausch mit Forschenden zur Verfügung stehen.

Zugang zu Ressourcen schaffen

Für die Forschung, insbesondere zu urbanen Herausforderungen, sind Ressourcen essenziell. Diese umfassen nicht nur finanzielle Forschungsförderungen, sondern auch die Einbettung der Forschung, ihrer Methoden und Ergebnisse in Reallabore, den Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten und zu einschlägigen Expert*innen aus der Praxis sowie die Interaktion mit lokalen Stakeholder*innen und Bürger*innen beispielsweise in Citizen Science Projekten.

Die Stadt Wien stellt verifizierte Zahlen, Daten und Dokumente der Verwaltung als Open Government Data öffentlich für jegliche Nutzung, insbesondere für Wissenschaft und Forschung, frei zur Verfügung (digitales.wien.gv.at/open-data). Diese umfassen beispielsweise Geodaten der Magistratsabteilung 41 Stadtvermessung, die eine detaillierte Beschreibung der Oberfläche des Wiener Stadtgebiets enthalten (wien.gv.at/stadtentwicklung/stadtvermessung/geodaten/viewer/geodatendownload.html).

Der eigens kreierte Geodatenviewer der Stadtvermessung Wien bietet Benutzer*innen die Möglichkeit, online aktuelle digitale Karten für das gesamte Wiener Stadtgebiet anzusehen und den Download von Geodaten durchzuführen (wien.gv.at/geodatenviewer/portal/wien).

Anlaufstellen und Förderungen für Forschung der Stadt Wien im Überblick

Zentrale Anlaufstelle für Wissenschafter*innen in Wien ist die Bereichsleitung für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaftsstandort, Magistratsdirektion – Büro des Magistratsdirektors. Sie hilft bei hochschul- und forschungsrelevanten Anliegen, koordiniert die Wissenschafts- und Forschungsagenden der Stadt Wien, unterstützt bei Kooperationen und organisiert Netzwerkveranstaltungen mit Forschenden der Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Expert*innen der Stadtverwaltung zu aktuellen urbanen Herausforderungen (bl-wfw@mdgb.wien.gv.at).

Die Wissenschafts-, Forschungs- und Technologieförderung hat einen hohen Stellenwert für die Stadt Wien. Die Stadt unterhält Fonds zur Forschungsförderung und zeichnet exzellente Wissenschafter*innen mit Preisen aus. Die Anlaufstellen für Hochschul- und Forschungsförderung in Wien sind:

  • Die Magistratsabteilung 7 für Kultur, Wissenschafts- und Forschungsförderung, Stipendien fördert Wissenschaft und Forschung: Sie betreut die Jubiläumsfonds der Stadt Wien, wickelt zielgerichtete Calls ab und würdigt Wissenschafter*innen mit Preisen (wien.gv.at/kultur/abteilung/foerderungen).
  • Die Magistratsabteilung 23 für Wirtschaft, Arbeit und Statistik betreut die Fachhochschulförderung der Stadt Wien (wien.gv.at/kontakte/ma23).
  • Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) ist ein privat-gemeinnütziger Fonds, der exzellente wissenschaftliche Projekte mit kompetitiver Forschungsförderung unterstützt (wwtf.at).
  • Die Wirtschaftsagentur Wien fördert Unternehmensgründungen in allen Phasen der geschäftlichen Entwicklung und Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen (wirtschaftsagentur.at).