Ausgangslage
Zentren sind Orte, an denen sich das städtische Leben bündelt, mit einer hohen Dichte und Vielfalt an Funktionen, Versorgungs- und Konsumangeboten. Zu diesen gehören Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, öffentliche Einrichtungen, soziale Infrastruktur, Freizeitangebote, Märkte, Werkstätten, Hotels etc., Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten, Orte der Kultur sowie der städtischen Identität. Auch (inter-)nationale Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen sind oft in Zentren zu finden.
Zentren sind mit dem öffentlichen Verkehr, oftmals auch zu Fuß und mit dem Fahrrad, gut und klimaschonend erreichbar. Zentren bieten außerdem kleinteilige, niederschwellige Angebote für alle Bevölkerungsgruppen wie Ältere, Kinder und Jugendliche, Menschen, die Care-Arbeit leisten oder deren Mobilität eingeschränkt ist. Mit der guten Erreichbarkeit und den hohen Nutzer*innenfrequenzen bilden Zentren außerdem ein Standortpotenzial für das Teilen von Räumen, Infrastruktur, Gütern, Dienstleistungen, Wissen etc. im Sinne der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft („Sharing Society“). Durch die Vielfalt an Angeboten, die auch von der lokalen Wohnbevölkerung genutzt werden, sind Zentren täglich und zu allen Tageszeiten frequentiert. Auch der Tourismusbereich bietet Möglichkeiten zur Ergänzung von Angeboten in Zentren außerhalb der Innenstadt und touristischer Hotspots.
Auch abseits von Zentren sollen im Sinne der Stadt der kurzen Wege die Bewohner*innen wohnortnahe Nahversorgungsangebote, alle wichtigen Einrichtungen des täglichen Bedarfs und – für weiter entfernte Ziele – Stationen des hochrangigen öffentlichen Verkehrs innerhalb einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.
Aufgabe der Stadtplanung ist, die Weiterentwicklung bestehender Zentren zu unterstützen und die punktuelle Entwicklung neuer urbaner Zentren in Stadterweiterungsgebieten zu forcieren. Reine Einkaufs- oder Bürozentren werden in Wien nicht als vollwertige urbane Zentren angesehen, da sie nicht jene Angebots- und Nutzungsvielfalt bieten, die städtische Zentren auszeichnet. In den Wohngebieten wird die Erhaltung von Einrichtungen des täglichen Bedarfs und von Nahversorgung angestrebt.
Die Wiener Zentren sind mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, auf die die Stadt Wien reagieren muss. Dazu gehören die steigende Bedeutung des Onlinehandels, Leerstandstendenzen an manchen Standorten sowie neue Nutzungsansprüche durch Entwicklungen wie z. B. Homeoffice und Alterung. Großflächige Einzelhandelsstrukturen an peripheren und / oder autoorientierten Standorten, die oftmals unzureichend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, schwächen gut integrierte städtische Zentren und wohnortnahe Versorgungsangebote. Damit wird auch die Versorgung insbesondere weniger mobiler Bevölkerungsgruppen bzw. jener, die über kein eigenes Auto verfügen, beeinträchtigt. Die Stadtplanung steuert den großflächigen Einzelhandel, um die negativen Auswirkungen auch auf den sozialen Zusammenhalt abzumindern, die Möglichkeiten einer selbstbestimmten Lebensweise sowie letztlich die angestrebte Klimaneutralität und Ressourcenschonung zu forcieren.
Zentren sind als Orte mit hoher baulicher Dichte sowie hohem Versiegelungsgrad auch in besonderem Ausmaß von den Auswirkungen der Klimakrise (insbesondere sommerlicher Überwärmung) betroffen. In den letzten Jahren wurde der öffentliche Raum bereits in zahlreichen Wiener Zentren aufgewertet. Die Weiterführung und Forcierung dieser Maßnahmen mit besonderem Fokus auf Begrünung, Beschattung, Entsiegelung und Regenwassermanagement ist eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre.